Die Schönheit des Kreuzes /
Die Schönheit am Kreuz

Kann das Kreuz schön sein?
Kann eine Kreuzigung ästhetisch sein?

Natürlich nicht, betrachtet man die historische Realität der Kreuzesstrafe im Altertum. Die gewaltsame, dazu noch staatlich verordnete Tötung eines Menschen gehört meiner Ansicht nach zu den verabscheuungswürdigsten Erscheinungen der menschlichen Zivilisation, von der wir uns bis heute noch nicht befreit haben. Das Sterben eines Menschen ist selten "schön", ist selten "ästhetisch" - geschweige denn erotisch.
Die Faszination der Kreuzigung liegt vermutlich gerade in der scheinbaren geschichtlichen Entfernung (wir wähnen uns frei von derartiger Barbarei, auch wenn aktuelle Ereignisse dem stets aufs Neue widersprechen), gleichzeitig in ihrer unterschwelligen Präsenz in einer christlich geprägten Gesellschaft. Selbst Kleinkinder wissen um die Art und Weise des Sterbens Jesu Christi, wachsen mit der Darstellung des Gekreuzigten auf, ohne dieses Bild wirklich verarbeiten zu können. Das Leiden erhält einen Aspekt der Göttlichkeit, der Realitätsferne, die durch die kirchliche Lehre unterstützt wird. Das Kreuz wird zu etwas Erstrebenswertem, man "nimmt das Kreuz mit Freuden" auf sich und "folgt dem Heiland nach". Das Kreuz wird - insbesondere in den Schriften mittelalterlicher Mystikerinnen - mit geradezu wollüstiger Vehemenz gepriesen, und die Darstellungen christlicher Märtyrer/innen enthalten nicht selten den Ausdruck sexueller Extase.
Dies gilt es in Betracht zu ziehen, urteilt man über die zunächst scheinbar abwegig erscheinenden Darstellungen von Frauen am Kreuz. Es gibt sie durch die Jahrhunderte; teils als Darstellungen von historischen Märtyrerinnen, teils als Allegorien mit religiöser oder politischer Bedeutung oder auch "nur" zur unverstellten Befriedigung erotischer Phantasien (sowohl männlicher als auch weiblicher), die unterschwellig in allen Kreuzigungsdarstellungen spürbar sind. Um diese Phantasien soll es hier gehen.


Ich habe Bilder und Texte in folgende Kategorien eingeordnet:

Historische Kreuzigungen

Der weibliche Christus

Moderne Kreuzigungen

Künstlerische Kreuzigungen

Japanische Kreuzigungen

Kurioses

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Natürlich habe auch ich bestimmte Vorlieben. Bei der Auswahl der Bilder habe ich mich größtenteils bewußt auf Darstellungen in "klassischer" Weise beschränkt, d.h. Verwendung des T-förmigen Kreuzes bei Annagelung der Hände und Füße, Verhüllung durch ein Lendentuch etc. Ausgespart sind reine BDSM oder Fetischdarstellungen sowie brutale oder allzu blutige Abbildungen rein sadistischer Natur. (Zur Erläuterung sei auf unten stehenden Text verwiesen)
Auch kommen nicht alle Bilder direkt von mir. Viele stammen von den Mitgliedern der crux-list oder wurden im Web gefunden. Wer Anspruch auf ein Bild erhebt und wünscht, daß es entfernt wird, sollte mich benachrichtigen.Wer mit mir in Kontakt treten möchte, kann das unter folgender Adresse tun:

Vincent Vice

Auch über Zusendung von Bildern würde ich mich natürlich freuen.


Die Faszination der gekreuzigten Frau

Der sadistische Aspekt:
Die Frau ist wehrlos. Die ausgebreiteten Arme signalisieren Schutzlosigkeit einerseits und eine scheinbare Erwartung andererseits. Dies geht konform mit der Kreuzesstrafe an sich - die Schutzlosigkeit, das Ausgeliefertsein, ebenso das scheinbar geöffneten Armes empfangen wollende. Bei einer Frau erhält dies eine klar sexuelle Bedeutung. Die Beinhaltung hingegen scheint dem zu widersprechen (eine gegrätschte Haltung wäre eindeutiger), doch drücken die zusammengezwungenen Schenkel einen nur scheinbaren Schutz aus, der nicht im Machtbereich der Frau liegt - der durch den „Henker“ allein auch wieder gelöst werden könnte. Die völlige Nacktheit ist eindeutig, geht konform mit der völligen Auslieferung, ein etwaiges Lendentuch entspricht der Bedeutung der zusammengezwungenen Beine, bietet nur einen scheinbar letzten Schutz, der noch leichter jederzeit aufgehoben werden könnte. Die Annagelung erscheint erotischer als die Fesselung, da hier noch der Aspekt des Blutes relevant wird. Das Blut als Kontrast zum weißen Körper der Frau, ebenso die Brutalität der metallischen Nägel im Kontrast zur Zartheit und Empfindlichkeit der weiblichen Hände und Füße. Die übereinandergenagelten Füße drücken ebenso das auferzwungene einer unnatürlichen Haltung aus, gleichzeitig eine ungewollte Ästhetik und Anmut. Identifiziert sich der männliche Betrachter mit dem Holz des Kreuzbalkens? Das Holz ist ein lebendes Material; der Leib der Frau gepreßt an die Wärme des Holzes, beide unlösbar miteinander Verbunden - ein symbolisierter Liebesakt.

Der masochistische Aspekt:
Die Frau als Erlöserin. Der Leib unberührt, fixiert nur an Händen und Füßen, die Arme geöffnet den Sünder zu empfangen. Die Scham bedeckt, ebenso die Schenkel geschlossen, ein Symbol der Keuschheit und Reinheit. Das Rot des Blutes als böses Element auf dem Weiß der Haut. Noch lebend am lebenden Holz. Das Kreuz als Symbol der Unschuld. Sterben ohne Wirklichkeit. Vergehen, sichtbares Entschwinden. Aufgerichtet zwischen Himmel und Erde, auf den Betrachter herabblickend. Größe. Unerreichbarkeit.

Fazit:
Der Konflikt zwischen Mann und Frau. Wahre Anbetung nur in Wehrlosigkeit, Ungefährlichkeit, scheinbarer Unbeflecktheit. Die Frau gewinnt Größe in stiller Duldung. Stilisierung zur Gottheit, zum Irrealen. Die Zartheit des weiblichen Körpers gesteigert durch äußere, punktuelle, Brutalität. Der Nagel in den zierlichen Füßen, das Blut auf der nackten Brust. Die doppelte Ästhetik des Grausamen. Mehr Ikone als Liebesobjekt. Die Frau bleibt stumm, ist Bild, nicht Wirklichkeit.

Vincent Vice

"Cruci tuae me aptare Vellem vere, tu scis quare, Da mihi tui copiam."


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