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Konsequenzen von Vulkanausbruechen

Den Artikel unten habe ich am 04.03. 2000 in de.sci.misc gepostet.
Message-ID: <89r749.3vv7lbl.1@ries.xodox.de>
Thread
References: <89pc9l$5ue$1@news.online.de>
Subject: Re: Konsequenzen von Vulkanausbruch
Date: Sat, 4 Mar 2000 14:36:17 +0100
> Hallo,

> für ein neues Projekt suche ich einige Informationen zum Thema:
Konsequenzen
> bei einem Vulkanausbruch im Yellowstone Nationalpark für Deutschland.
> Betrifft den Spiegel-Artikel
> http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,67112,00.html
>
> Ich habe einige Fragen, vielleicht kann sie mir jemand beantworten
oder
> weiter helfen, wo ich Antworten finde:

Ich bin zwar kein Experte, werde aber trotzdem versuchen, die Fragen zu

beantworten. Vielleicht hilft Dir ja auch diese URL weiter:

Yellowstone, restless volcanic giant

http://vulcan.wr.usgs.gov/Volcanoes/Yellowstone/OFR95-59/OFR95-59.html


>
> Wenn  bei einem wie dort beschriebenen Ausbruch weltweit der Himmel
> verdunkelt würde...
> 1.) ... wie lange würde dieser Zustand andauern? Ein Jahr, 10 oder 50?

Die Asche wuerde sicher nicht sehr lange in der Atmosphaere bleiben.
Teilchen, die groesser als 80 µm sind, bleibet typischerweise meist nur
ein paar Stunden in der Luft. 10 µm grosse Teilchen dagegen schon mehr
als 100 Tage, da ihre Sinkgeschwindigkeit in derselben Groessenordnung
liegt, wie atmosphaerische Turbulenzen. Mehr noch als die Aschepartikel
wuerden sicher die freigesetzten Gase das Klima der Erde beeinflussen.
Aber die Aschen wuerden sicher einen weiten Bereich um den Ausbruchsort
bedecken und hier die Landwirtschaft zum erliegen bringen.
Was die Gase angeht, so zeigte bereits eine Untersuchung des
vergleichsweise schwachen Ausbruchs des Vulkans El Chichón  1982 in
Mexiko, das er in der Lage war, Schwefelsaeuretroepfchen bis in die
Stratosphaere zu befoerdern. Die Ausbreitung dieser Dunstwolke wurde
durch satelliten genau beobachtet.

> 2.) ... auf wieviel Grad würde die Temperatur hier auf der Erde
absinken?

Fur den El Chichón wurde ein Temperaturrueckgang  fur die Nordhemisphaere
von bis zu 0,4 Grad berechnet. Die Angaben schanken je nach beutzten
Rechenmodellen der Klimatologen.
Vielleicht hilft da ein Blick in die Geschichte. 1815 brach in Indonesien
der Vulkan Tambora aus. Bei dieser Eruption wurden schaetzungsweise 150
km^3 Asche gefoerdert und der Vulkan verkleinerte sich um rund 1300
Meter.  Die Asche gelangte bis in die Stratosphaere und blieb dort zum
teil einige Jahre. Der Temperaturrueckgang auf der Erde war
vergleichsweise dramatisch: Das folgende Jahr, 1816, ging in die
europaeische und amerikanische Geschichte als das Jahr ohne Sommer ein.
In Neu-England waren die beiden ersten Monate dieses Jahres noch recht
mild, aber dann ging es richtig los: Im Mai erwiesen sich die
Eisheiligen als ungewoehnlich streng. Getreide, das diesen noch getrotzt
hatte, fiel dann im Juni erneuten Nachtfroesten zum Opfer. Im Norden von
Neuengland fiel  in der Zeit vom 6. bis 11. Juni 1816 zwieschen 5 und 15
cm Schnee. Frostperioden kamen am 9. Juli, 21. und 30. August. Dabei
wurden mit ausnahme der widerstandsfaehigsten Getraeidesorten alle
Ernten vernichtet.
In Kanada war die Kaeltewelle noch schlimmer. Die kleinen Seen noerdlich
des St. Lorenz-Stromes waren noch bis in den Juli gefroren.
In Europa waren die Folgen ebenfalls dramatisch. Nach den napoleonischen
Kriegen war die Lage ohnehin angespannt. Die Folge waren schwere
Hungersnoete. Allerdings waren die Rueckgaenge der Temperaturen nicht so
markant wie in Amerika, denn das Jahr 1816 fiel in eine Folge ohnehin
kalter Sommer. In Berlin betrug der Rueckgang *nur* 2,4 °C.
 Die Verknappung der Nahrungsmittel und die daraus resultierenden
Verteuerungen und Hungersnoete haben buchstaeblich Geschichte gemacht.
Und das war nur eine im Vergleich zu den Caldera-Eruptionen kleine
Eruption. Bei einer *anstaendigen * Caldera-Eruption koennen 300 bis
1000 km^3 gefoerdert werden. Bei einer so grossen Eruption wuerde
wahrscheinlich ein Gebiet von 30 000 km^2 sofort verschuettet werden.

> 3.) ... ist durch den  Niederschlag die Luft so sehr verschmutzt, dass
evtl.
> Überlebende dann dadurch sterben würden?

Die Luftverschmutzung direkt wuerde wahrscheinlich nicht so viele Opfer
fordern, wie die mehr indirekten Folgen. Sicher, die Menschen in dem
direkt betroffenen Gebiet wuerden durch den Ausbruch sterben, an
Glutlawinen und so weiter. Aber die folgenden Ernteausfaelle wuerden
sicher weit mehr Menschenleben fordern.

tschues

--
Gunnar Ries
http://www.geocities.com/gunnar_ries/pyro.html

Welch Mißgeschick,
Colonel Hathi kommt immer im falschen Augenblick
(Shir Khan)

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