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Geologische Streifzüge durch Ostafrika

Der Südwesten Ugandas mit dem Queen Elizabeth Nationalpark

by Gunnar Ries & Inken Passe

Erschienen in: Aufschluss 56 p. 147 - 155.

Ostafrika ist nicht nur bekannt für seinen Reichtum an biologischer Vielfalt, sondern auch in geologischer Hinsicht einzigartig. Und so wie die Tierwelt der Nationalparks viele Besucher fesselt, gibt es auch oft einzigartige geologische Phänomene und Gesteine dort zu finden. Uganda ist eines der kleineren ostafrikanischen Länder, etwas abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Doch gerade dieses Land bietet dem geologisch interessierten Besucher eine Fülle von geologischen Sehenswürdigkeiten und Geotopen (Schumann & Muwanga 2003).

Die Route
Die Route im Südwesten Ugandas

Geologischer Überblick

Der Südwesten Ugandas wird geologisch von den Metasedimenten des Buganda-Toro Systems, gefalteten proterozoischen Sedimenten des Karagwe-Ankole Systems und den pleistozänen bis rezenten Sedimenten des Afrikanischen Rifts aufgebaut.

Das Buganda-Toro System oder Ruwenzori-Faltengürtel besteht aus zwei kaum zu unterscheidenden lithostratigraphischen Einheiten. Er erstreckt sich von Jinja westwärts am nördlichen Ufer des Lake Victoria bis in die östliche Demokratischen Republik Kongo (DRC). Im Norden durch die Gneise des Basement Komplexes begrenzt wird sie im Westen und Südwesten diskordant von den Gesteinen des Karagwe-Ankole überlagert. Der Hauptteil des Ruwenzori-Gebirges wird durch die Gesteine des Buganda-Toro Komplexes aufgebaut und in den Amphiboliten dort sind die schichtgebundenen Kupfer- und Kobaltsulfidlagerstätten der Kilembe Mine am Fuße des Ruwenzori zu finden. Die beiden Untereinheiten, die Buganda und die Toro Gruppe, sind in ihrer Unterteilung noch strittig. King (1959) sah zwischen ihnen keine stratigraphischen oder strukturellen Unterschiede. Er nahm vielmehr an, dass die Buganda Gruppe die nördliche und nordöstliche Begrenzung und das Liegende für die Toro Gruppe darstellt. Letztere würde ihren Charakter der höhergradigen Metamorphose verdanken. Cahen & Snelling (1966) schlagen deshalb vor, beide Gruppen zusammengefasst als Buganda-Toro System zu betrachten. . Beide Einheiten werden in der Hauptsache von Phylliten, Amphiboliten und Quarziten aufgebaut.
Die meisten Metasedimente der Ruwenzori-Berge werden heute in das Buganda-Toro System gestellt. Die Gipfel der Ruwenzori werden von feinkörnigen Amphiboliten gebildet, in denen schon Michot (1938, zitiert in Schlüter 1997) Pillow-Laven beschieb. Diese nach Tanner (1971) Stanley Vulkanite genannten Gesteine gehören zur Familie der tholeiitischen Serie. Möglicherweise stellen die Stanley Vulkanite die letzten Überreste eines schmalen Ozeanbeckens dar. Es wurden verschiedene Datierungen vorgenommen. In der Summe wird für das Buganda-Toro System ein Alter zwischen 2500 bis 1850 ± 40 Mio. Jahre gesehen (Cahen et. al. 1984).

Das Karagwe-Ankole, auch als Kibara-Belt bezeichnet, stellt eine der prominenten geologischen Strukturen des zentralen und östlichen Afrikas dar. Es erstreckt sich von NNE nach SSW von der östlichen DRC über Burundi, Ruanda, NE-Tansania bis in den Südwesten Ugandas hinein. Der Name Kibara-Belt leitet sich von dem Kibara Bergen der südöstlichen DRC her. Als Karagwe-Ankole wird er in Tansania und Uganda bezeichnet.
Die ersten Schiefer und Sandsteine in dieser Gegend wurden bereits 1863 von Speke gefunden. Eine erste Beschreibung erfolgte durch Elliott & Gregory (1895). In dieser Arbeit wurde auch der Begriff der Karagwe-Serie eingeführt. Nachdem erkannt wurde, das die Karagwe Serie identisch mit der Ankole Serie war, schlug D. Combe (Schlüter 1997) den Begriff Karagwe-Ankole vor. Insgesamt bedecken die Gesteine des Kibara-Gürtels im östlichen und südlichen Afrika eine Fläche von rund 250 000 km2. Nach Cahen et al. (1984) wird das Kibaran in drei Abteilungen unterteilt.

  1. Unteres Kibaran: Mächtigkeit 4000 – 6000 m. Pelitische Gesteine mit Einschaltungen von Quarziten, Kalken und Itabiriten. Diese Pelite wurden später unterschiedlich zu Phylliten, Glimmerschiefern und Gneisen metamorphisiert.
  2. Mittleres Kibaran: Mächtigkeit ca. 2000 – 3000 m. Es beginnt mit einem basalen Quarzit mit Einschaltungen pelitischer und kalkiger Schichten. Im oberen Bereich finden sich Schiefer und kalkige Gesteine. In diesem Stockwerk finden sich selten Leukogranite mit Turmalin und Zinnmineralisationen.
  3. Oberes Kibaran: Mächtigkeit 3000 – 5500 m. Beginn mit einem konglomeratischen Quarzit. Darüber Pelite und Quarzite.
Für das Karagwe-Ankole in Uganda und Tansania wurden verschiedene Versuche zur Parallelisierung unternommen. Combe (1932) versuchte auch dort eine Unterteilung in ein Unteres, ein Mittleres und ein Oberes Karagwe-Ankole zu etablieren. Verschiedene Altersdatierungen an Gesteinen des Karagwe-Ankole wurden vorgenommen. Einen Überblick gibt hier Schlüter (1997). Für synorogene Granite werden Alter von rund 1370 ± 25 und 1310 ± 25 Ma angegeben.

Das Ostafrikanische Riftsystem stellt einen Teil des Afrikanisch-Arabischen Grabens dar, welcher von der Türkei bis nach Mosambik verläuft. Das eigentliche Ostafrikanische Riftsystem verläuft vom Afar Dreieck in Äthiopien bis zum Sambesi in Mosambik. In Ostafrika zeigt das Riftsystem zwei Zweige, das östliche Rift, auch als Gregory Rift bekannt, verläuft von der kenianisch-äthiopischen Grenze bis in das nördliche Tansania. Der westliche Teil des Riftsystems, das westliche Rift, verläuft von Norduganda entlang der westlichen Grenze von Uganda und Tansania. Die beiden Äste werden in der triple junktion zwischen dem Rukwa, Ruaha und Malawi Rift wieder vereinigt. Das westliche Rift ist mit 40 bis 50 km Breite etwas schmaler als das Gregory Rift. Die Seen im westlichen Rift haben im Gegensatz zu denen im Gregory Rift Abflüsse, so das es sich hier meist um Frischwasserseen handelt, im Gegensatz zu den Natronseen im Gregory Rift. Die nördlichen Seen, der Lake Albert und der Lake Edward entwässern durch den Nil.
Der Graben wird von steilen Störungswänden begrenzt, die teilweise mehrere tausend Meter ansteigen. Der größte Höhenunterschied findet sich beim Ruwenzori Gebirge, wo der Margherita Peak mit 5111 m mehr als 4000 m über der Semliki-Ebene liegt.
Die Grabenbildung erfolgte durch Krustendehnung, wobei der Beginn der Dehnung auf das mittlere bis obere Miozän datiert wurde(Pickford et al.1993). Dabei wurde ein Vorläufer des heutigen Lake Albert, der sogenannte Lake Obweruka, gebildet. Dieser See entwässerte durch die Beni-Pforte in Richtung Westen. Im Albert Becken haben sich insgesamt 4 000 m mächtige Sedimente abgelagert. Bei einer beobachteten Rate von 27 cm pro Jahrtausend würden 14 Mio. Jahre einen ausreichenden Zeitraum darstellen (Schlüter 1997).
Im Pleistozän wurde das Lake Albert Becken erneut angehoben und stärker zergliedert. Durch die Heraushebung des Ruwenzori-Gebirges wurde der Lake Obweruka vor 2,6 Mio. Jahren in mehrere kleinere Seen unterteilt (Pickford et al. 1993). Südlich des Kazinga-Kanals, der den Lake Edward mit dem Lake George verbindet, wurden die oberpleistozänen Bunyaruguru Tuffe von einer Störung durchschnitten.
Nach Pickford et al. (1993) erfolgte eine letzte Entwicklungsstufe vor rund 12 – 14 000 Jahren. Damals schloss sich die Beni-Pforte und der Lake Albert änderte seine Entwässerungsrichtung nach Norden, zum Nil. Auch wurde das Ruwenzori Massiv nochmals um rund 1000 m angehoben, was zu einer einschneidenden Änderung der Drainagesysteme in Westuganda führte und schließlich den Lake Victoria entstehen ließ.

Von Gayaza bis zum Rift

Von der Hauptstadt Kampala über die Hauptstrasse nach Mbarara und von dort aus in Richtung Süden liegt die kleine Provinzstadt Gayaza. Hinter Gayaza bei Kyabirukwa stehen die Schiefer des Karagwe-Ankole an und sind in Straßenaufschlüssen gut erkennbar.

Weiter die Straße entlang gelangt man in die Grenzregion zu Tansania. Der Fluss Kagera bildet hier die Grenze. Entlang der Grenze Richtung Westen erreicht man nach einiger Zeit die Zinn-Minen von Kikagati. Die Vererzung ist an einen postorogenen Granit gebunden. Um diese Granite herum wurden die Metasedimente metasomatisch beeinflusst, so dass sich wirtschaftlich interessante Minerale bildeten. Der Abbau hier ist schon seit längerer Zeit eingestellt, aber man kann die Mundlöcher der Minen noch gut erkennen, und in den Halden sind schöne Stufen von Turmalinquarz und Muskovit zu finden. Auch das Zinnerz Kassiterit (SnO2) kommt hier vor.
Diese Vererzungen des Karagwe Ankole waren die bedeutendsten Vorkommen von Kassiterit, Tantalit, Columbit, und Beryl in Uganda. Noch 1962 betrug die Fördermenge an Beryl in dieser Region 1000 t pro Jahr und belegte damit weltweit den zweiten Platz.

Folgt man der Piste weiter in Richtung Chitwe, so kann man manchmal grosse, schüsselförmige Vertiefungen in der Landschaft finden. Wayland ( in Schlüter 1997) beschrieb als erster die großen schüsselartigen Strukturen in der Landschaft, die jeweils von Höhenrücken voneinander abgetrennt sind. Fälschlicherweise nahm er jedoch an, dass es sich bei den oftmals runde bis elliptischen Gebilden um erodierte Faltensättel handelt und nannte sie „Arenen“. Ihre Entstehung kann man sich folgendermaßen vorstellen: In die Gesteine des Karagwe-Ankole und des Buganda-Toro Systems intrudierten granitische Magmen und wölbten die älteren Gesteine auf. Nachfolgende Erosion ebnete die Aufwölbung wieder ein. Unter den Bedingungen der intensiven tropischen Verwitterung zeigten sich die Quarzite, Phyllite und Schiefer des Karagwe-Ankole erheblich widerstandsfähiger als die Granite. Die Granite verwitterten und heute zeigt die Landschaft oft nur noch die Negativform der ehemaligen Granitmassive.
Weiter in Richtung Ntungamu wird mit Mwerasandu eine weitere Region mit Zinnvererzung durchfahren. Hier befand sich in den 1960´ern die größte Zinnmine Ugandas. Auch hier kann man Quarzgänge mit Turmalin und Kassiterit finden.

Turmalim in Quarz
Turmalin im Quarzgang. Foto: Passe

Von Ntungamu geht es nach Kitagata. Hier sind heiße Quellen, die nicht nur von der lokalen Bevölkerung als Heilquellen genutzt werden. Dabei wird das nach Schwefel riechende Wasser sowohl als Bad wie auch als Trank oder zum Waschen benutzt. Die hierbei auftretenden hygienischen Probleme werden natürlich ausgeklammert. Für die dortige Gemeinde sind die Quellen und die dort Heilung suchenden ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Touristen hingegen verlieren sich anscheinend nicht sehr oft her und Fremde werden misstrauisch beobachtet. Man sollte hier also auf die Privatsphäre der Patienten acht geben.

Das Rift mit dem Queen Elizabeth Nationalpark

Von Kitagata gelangt man nach Bunyaruguru und an den Rand des Rift Valleys. Direkt auf den Schultern des Ostafrikanischen Grabens liegen die Tuffe von Bunyaruguru. Das zugehörige Vulkangebiet zählt rund 150 Krater. Die Strasse durchschneidet das Gebiet und es bietet sich ein überwältigender Anblick auf das Rift Valley mit dem Lake Edward und dem Lake George, überragt von dem Massiv des Ruwenzori. Letzteres ist allerdings trotz seiner Größe, immerhin über 5000 Meter hoch, nicht leicht zu erblicken. Das Ruwenzori Massiv macht sehr oft seinem Namen alle Ehre, bedeutet doch Ruwenzori „Regenmacher“, und so sind die legendären Mondberge meist von Wolken verdeckt und unsichtbar.

Die Schlote des Bunyaruguru Vulkanfeldes bilden meist flache Kegel und bestehen aus lockeren, unverfestigten Pyroklastika. Die Lava hatte einen extrem hohen Gehalt an Kalium (bis zu 7 % K2O) und enthalten dementsprechend viel Leucit (Ka[AlSi2O6] oder Kalsilit (K [AlSiO4]). Die kalsilitreichen Gesteine haben sogar einen Namen nach dem hier liegenden Mafuru-Krater, Mafurite (Holmes 1942). Andere Gesteinsbezeichnungen sind „Ugandite“, ein melanokrater Olivin-Leucitit und „Katungit“ (nach dem Katunga Vulkan südlich des Bunyaruguru Feldes), ein Olivin-Melilitit. Während Ugandit und Katungit hier häufig vorkommen, ist der Mafurit hauptsächlich auf das Gebiet des Mafuru beschränkt.
Die Kegel sind hauptsächlich aus vulkanischem Lockermaterial aufgebaut. Lavaflüsse hat es nur wenige gegeben. Dennoch sind die Kegel hervorragend erhalten, was für ein rezentes Alter spricht. Zusätzlich kann man in den Aschenlagen des Bunyaruguru auch subrezente Fossilien wie Schnecken und Pflanzenreste finden. Pickford et al. (1993) stellte aufgrund von Fossilfunden die vulkanische Aktivität der Region in das späte Pleistozän bis frühes Holozän.

Während sich die Strasse in Richtung der Sohle des Grabens windet bekommt man einen kleinen Eindruck von den titanischen Kräften, die hier die Erdkruste zerrissen und die Landschaft geformt haben. Hier auf dem Grund des Grabens liegen die beiden großen Seen, Lake Edward und Lake George. Der letztere ist durch den Kazinga Kanal mit dem Lake Edward verbunden und stellt somit eigentlich eine seltsam geformte Bucht dar.
Der Lake Edward ist 65 Kilometer lang und hat eine größte Breite von 38 Kilometern. Seine größte Tiefe von 120 Metern erreicht er auf dem Gebiet der Demokratischen Republik Kongo, rund 5 Kilometer vom westlichen Ufer entfernt. Die Hauptzuflüsse sind der Nyamugasani aus den Ruwenzori Bergen und Ishasha, Rutshuru und Rwindi aus den Kigezi und Virunga-Vulkanen. Der Lake Edward ist über den Kazinga Kanal mit dem Lake George verbunden und die Fliessrichtung ist vom George zum Edward hin. Allerdings ist der jährliche Zufluss aus dieser Richtung wohl nur gering verglichen mit dem der Flüsse. Entwässert wird der Lake Edward über den Semliki in Richtung des Lake Albert. Die Entwässerung über den Semliki ist vermutlich erst in jüngerer Zeit erfolgt. Heinzelin (1955, in Schlüter 1997) vermutet, dass der obere Semliki ursprünglich ein Zufluss des Lake Edward war, der durch rückschreitende Erosion des unteren Semlikis angezapft wurde und so seine Fließrichtung umdrehte.

Drei Zeitabschnitte werden für den Lake Edward unterschieden, die jeweils durch ihre Sedimente charakterisiert sind. Für das frühe Pleistozän stehen die Kaiso Sedimente. Sie sind vornehmlich am Nordostufer des Sees zu finden und sind sehr feinkörnig. Die Sedimentation fand wahrscheinlich vor der Herausbildung des Reliefs statt. In den Sedimenten der Kaiso Formation finden sich stellenweise linsenförmige Eisenkonkretionen, die aus fossilen Mollusken aufgebaut sind. Manchmal kann man in ihnen auch Fisch- und Wirbeltierknochen finden. Man sollte aber beachten, das man sich hier in einem Nationalpark befindet und die Entnahme von Steinen strikt verboten ist. Diese Eisensteinbänder werden als die Ablagerungen von flache Lagunen interpretiert, die austrockneten und dann wieder rasch überflutet wurden.
Im Hangenden befindet sich die Semliki-Formation im mittleren Pleistozän. Ihre Sedimente sind grobkörniger und zeigen damit die Reliefbildung deutlich an. Sie finden sich im Gebiet des Kazinga Kanals zwischen Lake Edward und Lake George, enthalten allerdings keine Fossilien. Die Zeit vom Jungpleistozän bis heute wird durch die Ablagerungen des Vulkanismus von Bunyaruguru und Katwe dominiert.

Bei Katunguru überquert die Straße den Kazinga Kanal, durch den der Lake Edwards und der Lake George miteinander verbunden sind. Direkt zwischen den Ruwenzori und dem Steilhang des Rifts gelegen, ist der Lake George 290 km2 groß, aber nur maximal 3 Meter tief. Über seine Zuflüsse erhält der Lake George ausreichend frisches Wasser um die Verdunstung auszugleichen. Entwässert wird er über den Kazinga Kanal, wo man sein grünes Wasser bis in den Lake Edward hinein beobachten kann. Diese unterschiedliche Färbung rührt von Algen her. Das Wasser des Lake George ist weniger salin als das des Lake Edwards.

Steinbruch in den Hima Kalken
Steinbruch in den Hima Kalken. Im Hintergrund die Zementfabrik. Foto: Ries

In der Nachbarschaft um den Lake George steigen alkalische Wässer entlang von Riftstörungen auf und bilden Quellen. Bei Hima haben sie zur Bildung der einzigen Kalksteinlagerstätte Ugandas beigetragen. Die hier zu findenden Kalke sind auffallend porös und mit kleinen Calcitdrusen durchsetzt. Süßwasserschnecken sind hier ebenfalls recht häufig. Die Seltenheit von Kalksteinen hat zur Folge, das Zement in Uganda unverhältnismäßig teuer ist und auch andere Kalkressourcen für seine Herstellung benötigt werden. So verwendet ein anderes Zementwerk im Osten Ugandas Karbonatite als Grundstoffe.

Kurz hinter dem Kanal bei Katunguru befindet sich der Eingang zum Queen Elizabeth Nationalpark. Der Park selber ist rund 2000 km2 groß und liegt zwischen den Ruwenzori Mountains und den Seen. Die Tierwelt des Parks hatte in den vergangenen Jahren des Bürgerkrieges stark gelitten. Die Vegetation konnte sich dank der geringeren Beweidung allerdings gut erholen, so das der Park heute landschaftlich sehr schön ist und mittlerweile kann man auch wieder Herden von Elefanten und anderen afrikanischen Großtieren beobachten. Vom Katunguru-Tor führt eine rund 6 km lange Piste nach Mweya. Hier befindet sich nicht nur die Mweya Safari Lodge, sondern von hier aus kann man auch eine Bootsfahrt durch den Kazinga Kanal starten. Diese Bootsfahrten sind eine sehr gute und bequeme Gelegenheit, den Großtieren des Parks nahe zu kommen. Am Ufer des Kanals kann man Flusspferde und Büffel und auch Elefanten beobachten. Auch eine reiche Vogelwelt erschließt sich und wer Glück hat, der kann auch eines der beiden Nationaltiere Ugandas, die Uganda-Antilope, an der Tränke finden.

Uganda Antilope
Uganda Antilope. Foto: Passe

Ein Krater des Katwe-Kikorongo Vulkanfeldes
Ein Krater des Katwe-Kikorongo Vulkanfeldes. Foto: Ries

Auf der Fahrt nach Mweya passiert die Piste einen heute mit Wasser gefüllten Krater des Katwe-Kikorongo Kraterfeldes, der oft von Büffeln besucht wird. Ein intensiver Geruch nach Schwefeldioxid scheint diese Tiere nicht abzuschrecken. Die restlichen rund 90 Krater liegen abseits der Hauptpiste und sind nur über kleinere Pisten zu erreichen. Von dem sogenannten Pavian-Kliff hat man einen sehr guten Überblick über das Kraterfeld. Die Explosionskrater zeigen deutlich zwei verschiedene Alter, die jüngeren sind tiefer und steiler als die älteren. Die Zusammensetzung der geförderten Pyroklastika ist der von Bunyaruguru sehr ähnlich. Einige der Krater sind heute mit Wasser gefüllt, und in manchen haben sich durch salzhaltige Quellen Salzseen gebildet. Am besten ist das am Lake Katwe zu beobachten. Dieser große Kratersee nördlich vom Mweya ist heute Zentrum einer lokalen Salzindustrie. Ein flacher Kratersee wird durch salzhaltige Quellen gespeist und durch Verdunstung reichert sich das Salz so an, dass es ausfällt. Dieser Vorgang wird durch die Anlage kleinerer Salzpfannen begünstigt. Das so gewonnene Salz wird in drei Qualitäten unterteilt, von Viehsalz bis hin zu Speisesalz. Das erstere wird direkt vom Grund des Sees gebrochen und mit Flößen ans Ufer gebracht. Das stark ätzende Wasser lässt dabei schon kleinste Wunden schlecht verheilen und verursacht so unübersehbar wulstige Narben auf den Beinen und Armen der dort arbeitenden Menschen. Das Salz für den menschlichen Verzehr wird in den kleinen, vom Hauptsee abgetrennten Teichen gewonnen. Während der Trockenzeit verdunstet darin das Wasser und kann so kontrollierter angereichert werden. Der höhere Salzgehalt in den Becken beschert kleinen Algen ideale Bedingungen, wodurch sich das Wasser intensiv rot färbt. Auf dem Hauptsee finden sich Schwärme von Flamingos, die sich dort von Algen ernähren. Nach Arad & Morton (1969) führen die heißen Quellen dem See rund 2000 Tonnen Salz pro Jahr zu.

Salzpfannen zur Salzgewinnung, Lake Katwe.
Salzpfannen zur Salzgewinnung, Lake Katwe. Foto: Passe

Am Rand des Lake Katwe steht eine Industrieruine, die an die Fehlbarkeit der Entwicklungshelfer erinnert. Hier sollte in den 1970´er Jahren mit Hilfe deutscher Technik aus dem Wasser Salz gewonnen werden, man hatte aber die korrosiven Eigenschaften des Wassers im See übersehen. Schon wenige Tage nach Inbetriebnahme musste die Salzgewinnung daher wieder eingestellt werden. Seit dem herrscht der Verfall über die Fabrik.
Etwas abseits der Salzgewinnungsanlagen am Rande des Sees stehen große Gebilde aus Travertin, die deutlich über den Kraterboden hinausragen. Am Fuße dieser Travertinblöcke kann man die Quellen beobachten. Isotopenuntersuchungen zufolge stammt das Karbonat dieser Wässer von karbonatitischen Magmen (Holmes 1965). Am Rand vom Katwe Krater kann man gut aufgeschlossene Ablagerungen pyroklastischer Ströme mit al ihren Phänomenen sehen.

Die Kilembe Minen

Fährt man von Mweya nach in Richtung Fort Portal, findet man vor Kasese auf der linken Straßenseite große Industrieanlagen. Hier werden alte Abraumhalden der früheren Kilembe Minen erneut aufgearbeitet und mittels modernster Technik, dem sogenannten Bioleaching, aus dem Abraum Kobalt produziert. Dadurch werden nicht nur die Rohstoffe genutzt, sondern auch aktiv eine gefährliche Altlast beseitigt. Die Abraumhalden enthalten nämlich Sulfidvererzungen. Und einmal der Atmosphäre ausgesetzt, dienen diese Sulfide als Nahrung für verschiedene Bakterien wie Thiobacillus ferrooxidans, Thiobacillus thiooxidans und Leptospirillum ferrooxidans. Als Abfallprodukt entsteht dann Schwefelsäure, die dann aus den Halden ausgewaschen wird. Unterhalb der Halden liegt aber der Lake George und ein Sumpfgebiet im Queen Elizabeth Nationalpark. Die Schwefelsäure und auch ausgewaschene Metalle wie Kupfer und Kobalt hatten bereits beträchtliche Umweltschäden (Muwanga 1995) verursacht und ein Teil des Sumpfgebietes glich einer Mondlandschaft, also entschloss man sich zu handeln. Denn wenn man den Bakterien eine angenehme Umwelt präsentiert, dann können sie sehr produktiv sein, und neben der Schwefelsäure fallen auch die im Sulfid vorhandenen Metalle als Stoffwechselprodukt an.

Heute sind die Halden der Kilembe Minen vom Nationalpark durch wasserdichte Sperren getrennt. Die Halden selber werden mit Hochdruck-Wasserstrahlen wieder abgebaut und das Erz-Wasser-Gemisch erst durch verschiedene Mühlen und dann in Tanks mit den Bakterien gepumpt. Diese lässt man dann den Rest der Arbeit machen und erhält am Schluss die gewünschten Metallsulfate. Das benutzte Wasser wird in einem geschlossenen Kreislauf anschließend wieder zum Abbau der Halden verwendet, wodurch eine Verschmutzung des Nationalparks stark verringert wird. Ein weiterer sehr wichtiger Nebeneffekt in dieser strukturschwache Region sind natürlich die entstandenen Arbeitsplätze für die dort lebenden Menschen, rund 300 Einheimische haben dort Lohn und Brot gefunden. Die Anlage der Kasese Cobalt Ltd (KCCL) hier in Kasese stellt die erste Anlage weltweit dar, die diese Technik im großen Maßstab einsetzt und ein Teil der hier investierten 135 Mio. US $ dienen sicher auch der Erprobung dieser Technik, aber wenn der Kobaltpreis sich hält, soll in rund 6 Jahren Gewinn erzielt werden. Nebenbei werden auch Kupfer, Nickel und Zinn gewonnen. Wenn man in Kasese in Richtung des Ruwenzori abbiegt, kommt man durch die Vorberge an den ehemaligen Kilmbe Minen vorbei. Hier wurde in den Jahren 1957 bis 1977 Kupfererz abgebaut und die Halden produziert, die jetzt wieder von der Kasese Cobalt Company aufgearbeitet werden. Das Vorkommen von Kupfererzen am Fuße der Ruwenzori wurde schon von Sadebeck (1879) erkannt. Eine kleine Restmannschaft bemüht sich, die Anlagen halbwegs in Schuss zu halten, aber trotzdem liegt über dem Minengelände die Tristesse einer Industriebrache und die Spuren des Verfalls sind unübersehbar.

Die Kilembe Minen
Die Kilembe Minen. Der Verfall ist allgegenwärtig. Foto: Ries

Wenn man von den ehemaligen Verwaltungsgebäuden in Richtung der Mine geht, kommt man an alten Halden mit Abraum vorbei. An besonders geschützten Stellen wie kleinen Hohlräumen kann man bunt gefärbte Kristalle von verschiedenen Sulfaten, blaue mit Kupfer und rosafarbene Kobaltsulfate, aber auch braune Eisensulfate, finden. Ein kleiner Bach, der aus den Mundlöchern der ehemaligen Mine fließt, zeigt eine interessante neongrüne Farbe.
In den Wänden des Berges lässt sich die Kupfer-Kobaltsulfid Vererzung gut beobachten. Die Erze liegen in einem gebänderten Amphibolit vor, der zusammen mit dem umgebenden Gestein intensiv gefaltet und metamorph überprägt worden ist. Das vorherrschende Mineral ist Pyrit, oft mit Pyrrhotin (FeS) und Chalkopyrit (CuFeS2) vergesellschaftet. Der Chalkopyrit stellt das hauptsächliche Kupfererz der Lagerstätte dar und das Eisen im Pyrit ist oft durch Kobalt ersetzt. Es kommen aber auch direkt Kobaltminerale wie Siegenit ((Co, Fe)3S4) und Kobalt-Pentlandit ((Co,Ni,Fe)9S8). Selten sind auch Zinkblende und Molybdänit zu finden. Die Entstehung der Lagerstätte wird heute als vulkanisch und synsedimentär angesehen. Dabei waren vulkanische Ablagerungen der Ursprung der Erze, die später durch Metamorphose und Faltung zusätzlich angereichert wurden. Als vulkanische Quelle kommen die Stanley Vulkanite der heutigen Ruwenzori Berge in Frage, die sowohl gleich alt (Buganda Toro) sind als auch in engem räumlichen Bezug zur Lagerstätte stehen.

Literatur

Arad, A., Morton, W.H. (1969): Mineral Springs and Saline Lakes of the Western Rift Valley, Uganda. Geochim. Cosmochim. Acta 33, 1169-1181, Oxford.

Cahen, L., Snelling, N.J., Delhal, J. & Vail, J.R. (1984): The Geochronology and Evolution of Africa. xiii, 512 p., Clarendon Press, Oxford.

Cahen L., Snelling, N.J. (1977): The Geochronology of Equatorial Africa. – viii, 195 p., Holland Publ. Comp., Amsterdam.

Combe, A.D. (1932): The Geology of South West Ankole and Adjacent Territories with special Reference to the Tin Deposits. Mem. Geol. Surv. Uganda 2, 1-236, Entebbe.

Elliott, G.F.S., Gregory, J.W. (1895): The Geology of the Mount Ruwenzori and some adjoining Regions of Equatorial Africa. Quaert. J. Geol. Soc. 51, 669 – 680, London.

Holmes, A. (1942): A suite of volcanic rocks from South West Uganda containing kalsilite (a polymorph of KaAlSiO4). Min. Mag. 26, 197-217, London.

Holmes, A. (1965): Principles of physical geology. 2. Aufl. 1288 S., London.

King, B.C. (1959): Problems of the Pre-Cambrian of Central and Western Uganda. Part 1. Problems of correlation. Sci. Progr. London 47, 528 – 542, London.

Muwanga, A. (1995): Preliminary Study on the Environmental Geology of the Kilembe Mine Area, W. Uganda. Berliner Geowiss. Abh. A. 175, 127 – 134, Berlin.

Pickford, M., Senut, B., Hadoto, D. (1993): Geology and Paleobiology of the Albertine Rift Valley Uganda-Zaire, Vol. 1: Geology. CIFEG Occas. Publ. 24, 1-190, Orleans.

Sadebeck, A. (1879): Geologie von Ost-Afrika. In: C. C. von der Decken: Reisen in Ost-Afrika, Vol. 3, 3-40, Winter´sche Verlagshandlung, Leipzig, Heidelberg.

Schlüter, T. (1997): Geology of East Africa. Beiträge zur regionalen Geologie der Erde Bd. 27, 484 S. Bornträger, Berlin, Stuttgart.

Schumann, A., Muwanga, A. (2003): Geotope in Uganda. Aufschluss 54 Januar/Februar, p. 89-94, Heidelberg.

Tanner, P., W., G. (1971): The Stanley Volcanics of Ruwenzori, Uganda. Ann. Rep. Res. Inst. African Geol. University Leeds 15, 8 – 11, Leeds.

© 2003 Gunnar Ries


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