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Ist die Theorie von der Eiszeit ein "Jahrhundertirrtum"?

Eine Antwort auf das Buch "Jahrhunderirrtum Eiszeit" von Horst Friedrich

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Vorwort

Diese Seite ist der Versuch einer Antwort auf das durchaus provokante Buch von Horst Friedrich (1997), Jahrhundertirrtum Eiszeit. In diesem Buch versucht FRIEDRICH zu zeigen, daß es sich beim "großen Eiszeitalter" um eine künstlich aufgeblasene Seifenblase handelt. Das dem wohl nicht so ist und es viele gute Belege für ein "großes Eiszeitalter" gibt, soll hier gezeigt werden. Dieser Versuch kann sicherlich nur unvollständig sein, wenn der Rahmen nicht gesprengt werden soll, ansonsten wird auf die Sammelwerke im Literaturverzeichnis verwiesen, dabei ist das Buch von EHLERS (1994) besonders hervorzuheben. In diesem Text verwende ich ab und an die Ich-Form. Ich weiß, daß dies in wissenschaftlichen Manuskripten meist verpönt ist, aber ich will damit verdeutlichen, daß es sich dann um meine persönliche Sicht der Dinge geht,

Versuchen wir aber jetzt, dem Buch von FRIEDRICH (1997) zu folgen:

Vorbemerkungen
Das Dogma vom "großen Eiszeitalter"
Exkurs über Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsgeschichte
Lyellismus und Katastrophismus
Zurück zu Cuvier!
Ein kompetenter Geologe verreißt die Eiszeit-Lehre!
Diluvium oder Eiszeit?
Manipulierte Chronologie
Die unglaubhaften Schubverhältnisse für eine Alpenvorlandvergletscherung
"Rettungsanker" Maspalina-Gletscher
Die Eiszeit-Lehre und Warlows "Magic-Top"-Szenario
Eine kataklysmische Alternative zum "Grossen Eiszeitalter"
Esker und Toteislöcher
Faustkeile, weibliche Idole und franko-kantabrische Höhlenkunst
Was spricht gegen eine "Rollsteinflut"?
Anmerkungen
Literatur

Vorbemerkungen

Es ist in der Tat wichtig für jede wissenschaftliche Erkenntnis, wenn die gängigen Theorien und Modelle ständig hinterfragt werden. Noch besser ist es, wenn die Kritiker auch gute Argumente vorbringen können. FRIEDRICH (1997) legt uns als Grund für seine Eiszeit-Skepsis wissenschaftsphilosophische und wissenschaftsgeschichtliche Gründe dar. Das sind durchaus gute Gründe, gegen eine Theorie zu sein. Noch besser wäre es allerdings, wenn er Geländebefunde als Argumente vorbringen könnte. Zwar, und da stimme ich FRIEDRICH zu, ist Beobachtungsmaterial, also der Geländebefund per se kein Weltbild oder Paradigma, aber über Geländebefunde und Ergebnisse von Experimenten werden Modelle der Wirklichkeit entwickelt, die bei jeder Geländebegehung und jedem Experiment einer erneuten Überprüfung unterzogen werden. Wenn die Befunde nicht mit der Theorie übereinstimmen, kann die Theorie entweder aufgegeben werden oder sie wird entsprechend modifiziert. Viele Menschen glauben, daß Wissenschaft ein Synonym für zweifelsfrei bewiesenes Wissen steht. Und nicht viele Studenten sind häufig erstaunt, wenn sie bei der Vorbereitung auf Seminare feststellen, daß zu einem Sachverhalt widersprüchliche Aussagen zu finden sind, ohne daß gesagt werden kann, welche denn nun "Richtig" ist. So verhält es sich auch bei vielen Theorien, die die Eiszeiten betreffen. Da auch Wissenschaftler nur Menschen sind, mit ihren Wünschen und Träumen, ist es nicht vollkommen ausgeschlossen, daß dabei Fehler vorkommen. Da aber die "Wissenschaft" kein so homogener Block ist, fallen derartige Fehler meist irgendwann auf und können berichtigt werden. Genauso verhält es sich mit den "Grand Old Men" wie der von FRIEDRICH immer wieder erwähnte LYELL. Ich persönlich werde dabei aber den Verdacht nicht ganz los, daß der Einfluss von LYELL auf die moderne Geologie hier weit überschätzt wird. Auch davon wird noch die Rede sein.

Da auch Wissenschaftler nur Menschen sind, mit ihren Wünschen und Träumen, ist es nicht vollkommen ausgeschlossen, daß dabei Fehler vorkommen. Da aber die "Wissenschaft" kein so homogener Block ist, fallen derartige Fehler meist irgendwann auf und können berichtigt werden. Genauso verhält es sich mit den "Grand Old Men" wie der von FRIEDRICH immer wieder erwähnte LYELL. Ich persönlich werde dabei aber den Verdacht nicht ganz los, daß der Einfluß von LYELL auf die moderne Geologie hier weit überschätzt wird. Auch davon wird noch die Rede sein.

Eine kleine Kritik am Rande. Immer wieder wird von FRIEDRICH (1997) der eine oder andere zitierte Autor wahlweise als "kompetent" oder "super-kompetent" charakterisiert. Ich denke, diese Wertung ist äußerst problematisch, da kein Leser eine derartige Wertung nachvollziehen kann, geschweige denn, das der Autor als doch immerhin bekennender "Nicht-Fachmann" zu einer derartigen Aussage kompetent genug ist.
Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich der Hinweis, daß ein etwaiger Rezensent des Buches "sattelfest" in Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsgeschichte sein sollte, ja hier geradezu "die erforderliche Kompetenz" gefordert wird. Denn FRIEDRICH (1997) gibt ja selber zu, eine Theorie zu kritisieren, die nicht sein Fachgebiet ist. Das klingt für mich ziemlich arrogant. Auch mit seiner Kenntnis der "Eiszeit-Spezialliteratur" ist es nicht so weit her. Sonst würde er (S. 12) nicht immer noch auf den "unzweifelbar kompetenten Eiszeit-Geologen" warten, der den Mut aufbringt, der Lehrmeinung abtrünnig zu werden. Viel jünger als SANDBERG ist PALUSKA (1989), der nicht nur vehement gegen eine Vergletscherung Norddeutschlands streitet, sondern auch noch an der Universität Hamburg lehrt.
Ich muß hier wohl ebenfalls Farbe bekennen: Ich bin weder Wissenschaftsphilosoph / Wissenschafthistoriker noch Quartärgeologe, obwohl das Letztere mir als Mineraloge fachlich näher liegt. Nicht ohne einen gewissen Reiz ist allerdings die Feststellung, daß FRIEDRICH auf den Internetseiten von Dr.Hans-Joachim Zillmer als Geologe eingeführt wird. Leider ist die Bezeichnung "Geologe" nicht geschützt.

Das Dogma vom "großen Eiszeitalter"

In diesem Kapitel versucht FRIEDRICH einen Überblick über die gängigen Vorstellungen vom Quartär zu geben. Das Problem dabei ist, wie auch an der Liste der vorgeschlagenen "einschlägigen Werke" zeigt, die teilweise Verwendung überalterter Werke. Zwar werden durchaus modernere Bücher genannt, aber in den Abbildungen finden sich einige von 1914 (!), so z.B. auf Seite 17 zwei Abbildungen aus WRIGHT, W.B. (1914): The Quarternary Ice Age, London. Besonders heiß ist es, wenn Werke von 1947 (wie auf Seite 19) als "Standardwerke" bezeichnet werden. Bei der raschen Entwicklung in der Wissenschaft könnten derartige Werke leicht als veraltet gelten. Ich denke, da hätten sich auch modernere Versionen finden lassen. So kann es dann auch passieren, daß man das Quartär erst vor rund 1 Million Jahre beginnen lässt. Nach BRINKMANN (1991) beginnt das Quartär vor etwa 1,8 Millionen Jahren. Recht hat FRIEDRICH allerdings, wenn er vor einer allzu unvorsichtige Parallelisierung der Eisvorstöße in Nord-Amerika und Europa warnt. Auch BRINKMANN (1991) sieht hier noch viel Bedarf an Klärung. Wie kontrovers die weltweite Stratigraphie des Quartär zur Zeit noch diskutiert wird, ist in EHLERS (1994) dargelegt. Es ist also beiweitem nicht so, daß hier eine Parallelität einfach unterstellt wird.

Leider belegt FRIEDRICH seine Behauptung (S 23), daß im Bereich der norddeutschen Vereisung glaziale Erscheinungen gänzlich fehlen, nicht. Dies ist (für mich) umso mehr bedauerlich, weil mir die norddeutsche Tiefebene mit ihren glazialen Erscheinungen weitaus besser bekannt ist als das Alpenvorland. Hier wäre also ein Beleg sehr erwünscht. Schließlich ist das norddeutsche Flachland relativ groß und eine so vage Behauptung macht das argumentieren für Kritiker sehr schwer. Entweder FRIEDRICH legt alsbald Belege vor, oder er sollte auf diese Behauptung verzichten. Schließlich wirft er ja auch den Quartärforschern gerne deren angeblich haltlose Behauptungen vor.
Ähnlich verhält es sich mit den Findlingen. Auf Seite 27-29 erfahren wir:

Ebenfalls als von ausgedehnten Alpenvorlandgletschern verfrachtet sieht die Eiszeitlehre die zahllosen "Findlingsblöcke" (erratische Blöcke) an, die man in der Tat allenthalben im Gebiet der postulierten einstigen Alpenvorland-Vergletscherung beobachtet. Was unsere "Eiszeit-Scholastik" uns allerdings vorenthält, ist die Tatsache, daß völlig identische erratische Blöcke auch in definitiv niemals vereist gewesenen Gebieten zu finden sind, teilweise sogar in großer Zahl.

Leider verschweigt uns FRIEDRICH, wo welche erratischen Blöcke denn genau herumliegen, statt dessen werden zwei schlecht kopierte Fotos als Beleg angegeben. Leider ist auf diesen Fotokopien kaum etwas zu erkennen, außer relativ großen Steinen. Als Geowissenschaftler finde ich dieses ziemlich unbefriedigend. Es ist durchaus bekannt, daß auch verschiedene andere Kräfte große Steine in die Landschaft befördern können, meist kann aber der Mechanismus vergleichsweise schnell geklärt werden. Schließlich sind ein paar größere Steine in der Landschaft noch keine Beweise für oder gegen die Eiszeittheorie, auch wenn die Findlinge in Norddeutschland wohl letztendlich der Auslöser für die Entwicklung der Theorie der Eiszeit waren. Ein Faktor, der den frühen Geologen sehr schnell ins Auge stach, war die Fremdheit dieser Steine, weil im norddeutschen Flachland derartige Gesteine nirgendwo anstehen und vergleichbare Gesteine erst in Skandinavien zu finden sind. Moränenähnliche Ablagerungen sind auch in der Geologie nicht unbekannt und werden auch beschrieben. Um die verschiedenen, teilweise ähnlichen Ablagerungen nach ihrer Entstehung einzuteilen, bedarf es schon eingehender sedimentologischer Untersuchungen. Hier wäre also FRIEDRICH gefordert, nähere Hinweise zu geben, oder zumindest zu erläutern, was er denn meint. Denn um aus einem Sediment ein Moräne oder, um den Fachbegriff zu benutzen, einen Till zu machen, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein, dazu aber später mehr.

Faszinierend ist auch die Ähnlichkeit von Erdbebenbrunnen und Eiskeilpseudomorphosen. Jedenfalls in der Seitenansicht, denn Eiskeilpseudomorphosen bilden zumeist regelrechte Netze, wobei pentagonale und hexagonale Formen vorherrschen. Also dürfte auch hier eine Unterscheidung durchaus möglich sein. BLACK (1983) hat hier einige Kriterien zusammengetragen, nach denen man Eiskeilpseudomorphosen und Erdbebenbrunnenpseudomorphosen trennen kann.

Als letztes möchte ich noch eine Definition beifügen. Auf Seite 31-32 zitiert FRIEDRICH SCHAEFER (1995) (S. 85):
Periglaziale - also: nicht -glaziogene - Schotter sind nicht ohne weiteres von fluvioglazialen zu unterscheiden.

Dazu ist zu bemerken: Periglazial bezeichnet jene Gebiete, welche die ständig von Schnee und Eis bedeckten Regionen umrahmen. Sie sind also verstärkt Frost und Schmelzwässern ausgesetzt. Hier finden also auch Ablagerungsprozesse der Gletscherschmelzwässer statt.
Fluvioglazial (manchmal auch glaziofluviatil) ist die Bezeichnung für die Wirkungen und Ablagerungen von Gletscherschmelzwässern. Daher ist die Bemerkung nicht unbedingt ein bemerkenswertes Zugeständnis, sondern ziemlich verständlich. Einem Schotter ist nur schwer anzusehen, ob er von Schmelzwässern direkt abgelagert oder später von fließendem Wasser umgelagert wurde. Beide Ablagerungen sind also nur indirekt (über das Schmelzwasser) mit dem Eis verbunden.

Exkurs über Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsgeschichte

In vielen Dingen muß man FRIEDRICH hier wohl zustimmen. Es ist in der Tat manchmal erschreckend, was in der Presse heute alles als Wissenschaft verkauft wird. Allzu oft werden hier Dinge unkritisch oder sogar reißerisch aufgemacht einem Publikum verkauft, welches diesem kaum gewachsen ist. Auch wenn ich denke, daß dieses nicht so sehr einer Ideologie als der Eitelkeit der beteiligten Wissenschaftler zuliebe geschieht. Man denke nur an die vielen und immer wieder schlagzeilenträchtigen Artikel zum Treibhauseffekt oder dem Baumsterben. Man sollte hier vielleicht der Regel folgen, die TREFIL (1992) so schön formulierte: Trau keiner wissenschaftlichen Voraussage, die während einer Pressekonferenz vorgetragen wurde.
Allerdings denke ich auch, daß die "Eiszeit-Lehre" nicht unbedingt zu einer wissenschaftlichen Tatsache "hochstilisiert" wurde, denn wie ich weiter unten zu zeigen versuche, gibt es etliche Hinweise, die sich unter der Annahme von Gletschertätigkeit sehr gut erklären lassen, auf jeden Fall besser als durch alternative Erklärungsversuche. Insofern ist der Vergleich von Theorien wie der Eiszeit, aber auch der Selektion mit den Ideologien des 20. Jahrhunderts auch nicht gerade als wissenschaftlich zu bezeichnen, zumindest wenn man den Beleg dann schuldig bleibt (S. 36).

Lyellismus und Katastrophismus

Zu diesen interessanten Kapitel muß wohl einiges hinzugefügt werden. Es ist ja nicht so, daß George CUVIER von den Geologen total verdrängt wurde, immerhin gilt er als Vater der Wirbeltierpaläontologie und ist demnach, um im Jargon von FRIEDRICH zu bleiben, einer der "Kirchenväter" der modernen Geowissenschaft. Sicher ist ihm und seinem Katastrophismus in der Vergangenheit viel Unrecht getan worden, aber dieses kam nicht nur von den Anhängern von Charles LYELL. Er ist schon länger in der Rehabilitation (vgl. GOULD 1987, GREGORY 1988, AGER 1993). Selbst im Lexikon der Geologie von MURAWSKI (1992) und im ABC der Geologie in HOHL (1980) wird der (reine, lyellistische) Aktualismus kritisch gesehen. Bleibt also die Frage, was ist überhaupt "Aktualismus"? Auf Seite 41 werden wir von FRIEDRICH darüber informiert:
Unter Aktualismus oder Lyellismus versteht man die Behauptung, daß auf unserem Planeten stets nur die vergleichsweise harmlosen Kräfte am Werk waren, wie wir sie heute beobachten.
Ähnlich äußert sich auch VON BUBENOFF (1931):
Grundvoraussetzung der Geologie, nach der die heute beobachtbaren Prozesse auf und in der Erde auch für die erdgeschichtliche Vergangenheit gelten
VON BUELOW meinte 1964 dazu:
`Aktualismus´ heißt in der einfachsten Fassung ... vom erlebten Bekannten ausgehen, um ein nichterlebtes Unbekanntes zu verstehen.
Er stellte den Aktualismus als die Anwendung des Naturgesetzes von Ursache und Folge dar. Demnach geht man bei der heutigen Auffassung von Aktualismus in der Geologie (und wohl nicht nur hier) davon aus, das die heute beobachtbaren Naturgesetze auch in der fernen Vergangenheit in gleicher Weise gewirkt haben. Man geht von Bekanntem oder auch Erkanntem aus um das Unbekannte zu ergründen und vermeidet geheimnisvolle und unerklärliche Ursachen. Dabei bedient man sich der Methode des Vergleichens, indem man früher Geschehenes gegenwärtig Geschehendem gegenüberstellt. Dabei hat man im Laufe der Zeit durchaus feststellen muessen, das manche Dinge nicht vergleichbar sind und das in der Geschichte unseres Planeten früher zeitweise Kräfte eine größere Rolle spielten, als sie es heute tun und auch die Ausgangsbedingungen früher nicht immer dieselben wie heute waren.

LYELL ging mit seiner `Uniformity´ teilweise sogar davon aus, daß die Kräfte und Vorgänge in der Vergangenheit vollkommen den heutigen entsprächen. In dieser strengen Auslegung kann aber der Aktualismus heute in der Tat nicht mehr gesehen werden, denn die Erdgeschichte lehrt uns, daß zu vielen Zeiten Steigerungen des normalen Geschehens vorgekommen sind. Nebenbei bemerkt; LYELL lehnte aus diesem Grund eine "Eiszeit" mit Gletschern bis nach Mitteleuropa ab. Im Gegensatz zu CUVIER, der geologische Feldforschung betrieb und sich in der Stratigraphie gut auskannte, war LYELL mehr Theoretiker. Für ihn war das geologische Geschehen zu allen erdhistorischen Zeiten nur Ausdruck eines sich allmählich wandelnden, grundsätzlich gleichen Zustandes. Er dachte also nicht eigentlich historisch und konnte den Entwicklungscharakter erdgeschichtlicher Prozesse nicht erfassen (HOHL (1980) ). Was CUVIER aber auch geschadet hat, sind viele der "Katastrophisten" des 19. Jahrhunderts, die stets versuchten, die Bibel zu beweisen. Wenn CUVIER von "Katastrophen" sprach, dachte er meist an wiederholte Überflutungen (Transgressionen und Regressionen = Meeresvorstöße und -rückzüge), die er als mehr oder weniger sttufenlos ansah. Er war der Meinung, daß diese durchaus plötzlich (im geologischen Sinne) und daß unsere heutigen Kontinente vergleichsweise jung sind (Anm 1.). Er machte auch lokale Gründe für die Schwankungen des Meeresspiegels verantwortlich, als er den Serapis-Tempel von Pozzuoli beschrieb:

Das Beispiel des Serapis-Tempels bei Pozzuoli beweist, daß die Grenzen des Meeres vielfach durch lokale Hebungen und Senkungen beeinflußt werden.(in AGER 1993, Übers. Ries).

Es ist ja auch nicht so, daß LYELL völlig losgelöst im Raum schwebt. Seine Arbeiten schließen an diejenigen seiner Vorgänger an, besonders hierbei James HUTTON und K.E.A. von HOFF. Dieser hatte schon vor LYELL das Prinzip des Aktualismus so beschrieben: Besondere Hypothesen dürfte man zur Erklärung früherer Vorgänge, Ereignisse und Neubildungen nur heranziehen, wenn die Beobachtung gegenwärtiger Vorgänge, Kräfte und Bildungen nicht dazu ausreichen. Was die "blindlings geglaubte Ideologie" angeht, so ist bereits bei EINSELE & SEILACHER (1982) zu lesen:

Die heutige Generation von Geowissenschaftlern ist gewahr geworden, daß die Geschichte der Biosphäre nicht nur stufenweise und langsam verläuft, sondern durch Ereignissse verschiedenster Art und Stärke beeinflußt wurde, von denen die Meisten sehr selten sind und daher jegliche uniformitaristische Sichtweise widerlegen. (Übersetzung Ries)

Und, nebenbei bemerkt, der Katastrophismus war nie völlig aus der Geologie verschwunden. So gab es immer wieder Publikationen, die Katastrophen mit den Massenaussterben in Verbindung brachten. Schon De LAUBENFELS (1956) brachte einen Impakt mit dem Aussterben der Dinosaurier in Verbindung. Und UREY (1973) hielt Tektite an der Basis der tertiären Ablagerungen für Beweise eines Kometenimpakts an der Kreide-Tertiär-Grenze. Ein weiteres schönes Beispiel für den immer latent in der Geologie gepflegten Katastrophismus finden wir bei BRETZ (1923, 1959, 1969) beschrieben. In all diesen Veröffentlichungen und über den Zeitraum von gut 50 Jahren kämpfte BRETZ für eine Theorie gegen fast das gesamte geologische Establishment. Er propagierte die Idee, daß weite Teile der nordwestlichen USA, die sogenannten `Channeled Scablands´, durch eine gewaltige Flut geschaffen wurden. Schließlich besuchte die International Association for Quartenary Research 1963 des Gebiet im Rahmen eines Treffens und schickte ein Telegram an BRETZ mit den Worten:` Von jetzt an sind wir alle Katastrophisten´.
So mancher der "Kirchenväter" der modernen Geologie hatte seine eigenen katstrophistischen Ansichten. So als Beispiel STILLE (1949), zu seiner Zeit und sicher auch noch heute fast ein Synonym für Tektonik, der den Vorgang der Gebirgsbildung allgemein katastrophistisch betrachtete und ihm bestenfalls einen Zeitraum von wenigen hunderttausend Jahren zugestand. Er sprach manches mal gar von einer "geotektonischen Weltenwende".

Es ist also nicht so, daß nur Ignatius DONELLY, Hanns HÖRBIGER oder gar Immanuel VELIKOVSKY einsam die Fahne des Katastrophismus hochhielten, wie Friedrich nicht müde wird, zu behaupten. Man ist versucht, in Anlehnung an die Vorbemerkung von FRIEDRICH, zu fragen, wie "sattelfest" der Autor selber in der Wissenschaftsgeschichte ( der Geowissenschaften) ist. Und wer sich fragt, wie den die `Kollegen´ vom geologischen Katastrophismus über VELIKOVSKY dachten, dem sei AGER (1993)( das entscheidende Zitat findet sich auch auf meiner Ginenthal -Seite wieder) wirklich ans Herz gelegt.

Zurück zu Cuvier!

Dieses Kapitel trägt den Untertitel: Der Neo-Katastrophismus von Velikovsky´s EARTH IN UPHEAVAL (1956) bis zum Sintflut-Buch der Tollmanns (1993). Schade eigentlich, daß die oben bereits von mir erwähnten `Neo-Katastrophisten´ in diesem Kapitel nicht weiter gewürdigt werden. dafür kriegt VELIKOVSKY hier viel Platz eingeräumt und FRIEDRICH stellt die Frage, warum die `lyellistischen´ Schul-Geologen keine qualifizierte Erwiderung von VELIKOVSKY´s Hypothesen auf die Reihe bekommen. Seine Antwort auf diese Frage ist, daß sie es vielleicht überhaupt nicht wagen können. Ich denke, vielleicht aber nehmen sie die Werke VELIKOVSKY´s aber auch überhaupt nicht Ernst. Man sieht ja, was AGER (1993) von diesen Hypothesen hält, und der nennt sich ja selbst auch einen Katastrophisten. Persönlich kann ich, ohne hier irgendjemandem auf die Füße treten zu wollen, auch nichts an VELIKOVSKY´s Werken finden, das für einen Geologen eine echte Herausforderung wäre. Leider bleibt er immer dann wenn es wirklich spannend wird, den Beleg schuldig. Aber bleiben wir bei dem vorliegenden Buch von FRIEDRICH (1997).
Die Findlinge werden hier auf Seite 47 wieder mit Mega-Tsunamis in Verbindung gebracht. Zweifellos sind gewaltige Flutwellen in der Lage, Blöcke bis zu einer ziemlichen Größe zu bewegen, aber wir sprechen hier von Findlingen, oft im zehnertonnen Bereich, die sich bis über tausend Kilometer von ihrem Ursprungsgebiet entfernt befinden. So beschreibt K.D. MEYER (1999) 40 Findlinge mit einem Gewicht von mehr als 25 Tonnen in Niedersachsen, wobei der Größte gut seine 330 Tonnen auf die Waage bringt und in Nienburg liegt. Und sie stammen alle aus Skandinavien, zumeist Schweden. Weitere sehr große Findlinge befinden sich auf Fünen/Dänemark, so der Damestein mit gut 1000 Tonnen und der Buskam vor Rügen mit gut 1600 Tonnen (KRAUSE 1997). Seltsam, daß ein Tsunami, der derartige Brocken bewegen kann, sonst kaum relevante Spuren hinterlassen hat...( welches Problem Tsunamis mit den Moränen oder besser Tills hätten, wird weiter unten noch besprochen werden).
Auch für den "muck" (S. 47) aus den zersplitterten Tierknochen und Baumbestandteilen hätte ich mir eine genauere Beschreibung gewünscht. Er taucht in der `Neo-Katatsrophisten-Literatur´ immer wieder auf, aber immer ungenau beschrieben. Entweder hier schreibt einer vom anderen ab, ohne zu wissen was, oder sie wollen das Geheimnis nicht mit jedem teilen. Schließlich könnte der ja versuchen, eine widersprechende Erklärung zu finden. Das ist ja möglich, aber so kommen wir in keiner Diskussion auch nur einen Schritt weiter. Was die `rezente kataklysmische Gebirgsbildung´ angeht so täte ein echter Beweis der Diskussion ganz gut. Ansonsten kann ich nur auf die Theorie der Plattentektonik verweisen, die für das Problem der Gebirgsbildung relativ verständliche Erklärungen bietet. Zumindest hätte ein Katastrophist hier jede Menge Geländearbeit vor sich, bevor er das Thema abhaken kann.
Was das in diesem Kapitel eingehend behandelte Impaktszenario betrifft, so ist es immer wieder faszinierend. Allerdings stellt sich die Frage, welche Auswirkungen ein großer Impakt tatsächlich hätte. Denn in der Literatur werden immer noch verschiedene Modelle diskutiert (ähnlich wie in der Hypothese von `Nuklearen Winter´). Die Flutwelle selbst mittelgroßen Impaktes im Meer würde aber sicherlich alle historischen Tsunamis leicht als `Sturm im Wasserglas´ wirken lassen. Entspräche doch die Höhe der Flutwelle der Meerestiefe am Impaktort (und vielleicht sogar noch höher). Zwar nimmt sie mit der Entfernung vom Impaktort ab, aber an der Küste steigt die Höhe wieder beträchtlich an. Also keine allzu guten Aussichten für Küstenbewohner (und nicht nur für die)! Und vor allem: Kleinere und mittlere Impakte könnten sich häufiger ereignen als oft gedacht (WYNN & SHOEMAKER 1999). Übrigens haben wir mit Shoemaker wieder einen jener Vertreter, die wohl nicht gerade `Lyell-Priester´ gewesen sind. Vielleicht hatte man auch ihnen schlicht vergesse zu sagen, welches die heiligen Gebote sind...?
Dabei sollte hier allerdings nicht verschwiegen werden, daß viele einen langen Kampf um die Anerkennung ihrer Theorien haben ausfechten müssen, bevor sie allgemein anerkannt wurden.
Wenn man mal genauer und ohne Scheuklappen durch die geologische Welt geht, wird man schnell feststellen, daß wohl beide Prinzipien, das von LYELL und das von CUVIER, oftmals sogar Hand in Hand, in der Erdgeschichte zu finden sind. Große Zeiträume der (geologischen) Langeweile wurden immer wieder von kurzen Momenten des Schreckens abgelöst.
Und was die "lyellistische" Eiszeitlehre angeht, sein noch folgendes zu Bemerken: LYELL selbst war ein begeisterter Verfechter der "Drifthypothese", nach der die Findlinge durch Eisberge verfrachtet und sedimentiert wurden. Zwar soll ihn AGASSIZ 1840 von seiner Gletscherhypothese überzeugt haben, aber noch im selben Jahr publizierte Lyell (LYELL 1840) über die Drifthypothese. Nebenbei, auch DARWIN und der deutsche Physiker HELMHOLTZ gehörten zu den Drift-Verfechtern. In Norddeutschland war die Drifthypothese lange Zeit anerkannte Lehrmeinung, selbst als die Alpenvereisung schon lange von AGASSIZ propagiert wurde. Erst als der schwedische Geologe TORRELL auf einer Exkursion anlässlich der Tagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft am 3. November 1875 Gletscherschrammen auf dem Rüdersdorfer Muschelkalk identifizierte, bröckelte die Front der Drift-Verfechter. Es bedurfte also schon einiger Überzeugung und Beweise für eine Vergletscherung.
Bleibt die Feststellung von FRIEDRICH, ob jetzt eine Massen-Fahnenflucht der Establishment-Lyellianer einsetzt und alle zu den Neo-Katastrophisten überlaufen. Wenn man so in die geologischen Publikationen anschaut, dann kann man kaum von einem machtvollen lyellistischen Establishment sprechen.

Ein kompetenter Geologe verreisst die Eiszeit-Lehre!

Auch wenn in der Geschichte der Wissenschaft und vor allem der Geologie immer mal wieder Forscher ihrer Zeit voraus waren; Es ist immer ein Problem, wenn der "Kronzeuge" der eigenen Ansicht bereits gut 60 Jahre alt ist, Und genau das ist der Fall mit SANDBERG C.G.S. (1937): Ist die Annahme von Eiszeiten berechtigt. Band 1, Leiden. Das Problem besteht einerseits darin, daß seit der Veröffentlichung einiges an Forschungsergebnissen zusammengetragen worden ist, andererseits sind alte Werke oftmals schwer zu bekommen und daher auch schwer nachzuvollziehen. Ein anderes Problem ist hier die schon genannte Wertung seiner Quellen. Kompetent ist sie, ja sogar `super-kompetent´ (S. 60). Wie schon oben gesagt, finde ich eine derartige Wertung gefährlich und ohne den geringsten Beleg sollten solche Bemerkungen besser unterlassen werden. Oder hat FRIEDRICH es so nötig, seine Quellen aufzuwerten, weil sie sonst nicht viel Wert sind?
Fast beleidigend ist die Feststellung von FRIEDRICH, daß die angeblichen "glazigenen Produkte" ("Moränen", Drumlins, Schotter etc.), die das "große Eiszeitalter" beweisen sollen, völlig identisch mit gleichartigen Erscheinungen von definitiv nicht glazialen Ursprungs sind (...). Und zwar so identisch, daß nicht einmal darauf spezialisierte Geologen sie auseinanderhalten können. (FRIEDRICH 1997, S. 60 (Hervorhebung Ries)). Das ist ein echter Hammer und außerdem glatt gelogen. Es wird auch nicht weiter belegt, sondern die Behauptung drangehängt, das Geologen einfach eine eiszeitliche Entstehung der Moränen und Drumlins und der ganzen glazialen Serie unterstellt und niemals bewiesen haben. Dazu kann ich nur sagen: Das ist schlicht Schwachsinn! Entweder FRIEDRICH weiß es nicht besser (si tacuisse...), Die glaziale Serie nach Penck, also Zungenbecken mit Drumlins, Moränengürtel und Schotterfeld bzw. Sander lässt sich durchaus an rezenten Gletschern wiederfinden. Das Wort "Sander" ist die eingedeutschte Form des isländischen "Sandur (pl. Sandar). EHLERS (1994) zeigt auf Seite 78 (Abb. 48) ein Bild von Schmelzwassersedimenten des Kverkjökull auf Island, eben einen Sander. Endmoränen finden sich ebenfalls an vielen rezenten Gletschern, einige wurden in historischer Zeit abgelagert. Die Drumlins werden noch weiter unten besprochen.
SANDBERG, wie er in bei FRIEDRICH S. 61) zitiert wird, hält die Anwesenheit einer Grundmoräne aus Geschiebelehm für ein Problem der Eiszeithypothese:

Von besonderem Interesse ist es, daß von einigen dieser als glazial gedeuteten Erscheinungen mit Sicherheit bekannt ist, daß sie nicht unter den Produkten der gegenwärtigen Gletscher oder des Inlandeises vorkommen... Erwähnt sei hier nur die wichtigste Ablagerung, nämlich der als Grundmoräne geltende Geschiebelehm... Es ist vielmehr bekannt, daß die ganz feinen Gesteinsbestandteile, welche den Lehm bilden, in der mobilen Untermoräne zwar anwesend sind, jedoch beim Abtauen des Gletschereises von den Schmelzwässern abgeführt werden (Gletschermilch). Deshalb muß die wirkliche Grundmoräne lehmfrei sein, und sie ist es tatsächlich auch, wie die unmittelbaren Beobachtungen immer wieder einwandfrei nachgewiesen haben.

Nebenbeibemerkt ist das eine erstaunlich aktualistische Sichtweise!
Nun, Geschiebelehm steht nicht automatisch für Grundmoräne, sondern stellt nur die entkalkte Form dar. Kalkhaltig wird er Geschiebemergel genannt. Die Entkalkung ist eine postsedimentäre Verwitterung desselben. Außerdem ist Grundmoräne nicht gleich Grundmoräne, einen schönen Überblick über glaziale Sedimente und Sedimentationsprozesse gibt PIOTROWSKI (1992) oder wer es lieber englisch mag: EDWARDS (1986) . EHLERS (1994) zeigt auf Seite 35, Abb. 17 eine frisch abgelagerte Grundmoräne eines isländischen Gletschers, womit die Behauptung von SANDBERG sowieso sinnlos wird.
Eine Grundmoräne oder Setztill wird durch das Aufschmieren des glazialen Schutts von der gleitenden Eissohle des Gletschers auf den Untergrund durch Druckschmelzen und mechanische Prozesse gebildet. Dieser Prozess spiegelt auch die Merkmale eines Setztills wieder, als da wären:
1. Eine regional einheitliche Einregelung länglicher Geschiebe parallel oder senkrecht zur Gletschervorstoßrichtung. Dieses ist die stabilste Lage, die von transportierten länglichen Geschieben angestrebt wird. Die Geschiebelängsachsen fallen leicht eisaufwärts ein (schräg nach oben in Eisrichtung).
2. Häufiges Auftreten paralleler Kratzer auf Gesteinsoberflächen, die der Gletschervorstoßrichtung entsprechen.
3. In der Grundmoräne = Setztill kommen oft erheblich deformierte, in Vorstoßrichtung gestreckte Linsen aus Sand, Kies oder Schluff vor.
4. Es kommen in Vorstoßrichtung überkippte, oft gekappte Falten im Till vor.
5. glazidynamisch entstandene Scherflächen, Überschiebungen und Klüfte treten auf.
6. Der untere Rand des Till ist scharf, Strukturen des Untergrundes sind gekappt. Wenn der Till auf Felsen liegt, zeigen diese häufig parallele Rillen, Rundhöcker, sichelförmige Absplitterungen.
Der Setztill befindet sich zumeist im unteren Bereich einer Tillsequenz als homogenes, oft mehrere Meter mächtiges Sedimentpaket vor. Er ist stark konsolidiert und hat dadurch eine hohe Dichte und geringe Wasserdurchlässigkeit. Die Korngrößenverteilung hat ein Maximum im Sandbereich bei 0,063 - 0,25 mm und ein zweites bei 0,005 - 0,01 mm, wobei das zweite Maximum aus zersplitterten und zermörserten Gesteinsfragmenten entstanden ist. Diese Konsolidierung und die geringe Wasserdurchlässigkeit sowie die überlagernden Sedimente können ihn vor der Erosion der Schmelzwässer schützen.
Jetzt stelle ich mir die Frage, ob die (schlechten) Abbildungen im Buch von FRIEDRICH auf S. 62 und 63 diese Bedingungen ebenfalls erfüllen? Es gibt verschiedene Prozesse, die ungeschichtete und unsortierte Sedimente erzeugen können. Derartige Sedimente werden Diamiktite genannt. Um die verschiedenen Diamiktite nach ihrer Entstehung zu trennen, bedarf es genauer sedimentologischer und faziesanalytischer Untersuchungen. Es ist aber kaum anzunehmen, daß Flutwellenablagerungen und Impaktbrekzien identische Merkmale mit Gletscherablagerungen aufweisen.
Das Problem des Geschiebetransports ist durchaus vorhanden und wird auch von den Geologen beachtet. Vor allem ist es beachtenswert, wie weit selbst große Geschiebe vom Eis verschleppt werden können. Allerdings spielt der Ferntransport von Moränenmaterial nur eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Während des Ferntransports findet ein häufiger Wechsel von Aufnahme und Sedimentation statt und die skandinavischen Moränen entsprechen meist dem örtlichen Untergrund. Auch in Norddeutschland spielt lokales Moränenmaterial eine große Rolle. Die auffälligen Findlinge skandinavischer Herkunft haben nur einen geringen Anteil an der Zusammensetzung der eiszeitlichen Ablagerungen. Die ganze Korngrößenfraktion oberhalb 2 mm Durchmesser macht nur 3% des Moränenmaterials aus. Der Rest der 97% Sand, Schluff und Ton besteht zum großen Teil aus Lokalmaterial. Und was die "ungeheuerlichen Schottermassen" angeht, muß man bedenken, daß Skandinavien auch sehr tiefgreifend erodiert wurde. In Kanada betrug die Erosionsrate ungefähr 0,01 cm/Jahr (BELL & LAINE 1985) für angenommene 2 Millionen Jahre Vereisung, was einer Tiefe der Erosion von 200 Metern entsprechen würde.
Nach diesen Betrachtungen wäre es sicher auch interessant, mehr über die von

besonderen botanischen, zoologischen und biologischen Seiten schwere Bedenken zu erfahren, die gegen die herrschende Lehrvorstellung der diluvialen Eiszeit

stehen (SANDBERG, zitiert von FRIEDRICH S. 64-65). Leider lässt uns FRIEDRICH hier im Dunkeln. Dafür bekommen wir hier eine alternative Erklärung nach dem Geschmack von FRIEDRICH, nämlich Petrofluxe, Gesteinsströme aus Schutt und Schlamm, sollen die Ablagerungen verursacht haben. Diese Erklärung würde aber wohl schon bei dem Setztill (siehe oben) ins schwimmen kommen. Im letzten Kapitel werde ich noch mehr Probleme für die "Rollsteinflut-Hypothese" beschreiben.
Kurz vor Schluss des Kapitels fragt FRIEDRICH noch,

ob nicht vielleicht ein Teil unserer Kies-, Löß-, Sand- und Wassermassen extraterrestrischen Ursprungs sind

(S. 67). Leider belegt er diese Behauptung nicht. Das dürfte auch schwierig sein, denn einem außerirdischen Ursprung zumindest von Kies, Sand und Löß steht die Geochemie dieser Sedimente entgegen. Es käme einem echten Wunder gleich, wenn irgendwo im Weltraum Asteroiden oder Kometen mit skandinavischen Gesteinen herumfliegen, oder? Auch Sand und Löß lassen sich häufig direkten Liefergebieten auf der Erde zuordnen. Ähnliches gilt für größere außerirdische Wassermassen. Sie hätten eine nicht zu übersehende geochemische Signatur hinterlassen. Soviel zu diesem Thema.

Diluvium oder Eiszeit?

Faszinierend wird es, wenn FRIEDRICH (S 70) den Stand von 1914 als den "Status quo" der Quartärforschung ansieht. Sicher ist seit dem auch keine Forschung in dieser Richtung unternommen worden. Aber, Spott beiseite, Geländebefunde und die Klärung ihrer Ursachen sind oft zwei verschiedene Dinge. Ein anderer Widerspruch im Buch von FRIEDRICH ist, daß er einerseits akademische Meinungsvielfalt fordert, wenn diese aber dann da ist, verwendet er sie als Gegenargument. So zum Beispiel die Vielfalt der Theorien über die Ursachen der Eiszeit. Und wenn man genau hinsieht, bleiben gar nicht so viele verschiedene Hypothesen übrig, viele stellen nur Varianten der Hypothese von MILANKOVITCH (1941) dar. Die Schwierigkeit für eine Hypothese über die Ursachen der Eiszeit liegen in der enormen Kompliziertheit des Phänomens "Klima". Wir versagen ja schon oft genug, wenn wir nur das Wetter der nächsten Tage vorhersagen wollen. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, daß wir, auch wenn Mitteleuropa weitgehend eisfrei ist, auch heute noch in einem Eiszeitalter leben. Während des größten Teils der Erdgeschichte waren auch die Pole eisfrei! Da aber periodische Schwankungen der Erdbahn nicht nur auf das Quartär beschränkt waren, muß es noch weitere Gründe für eine Eiszeit geben. Tatsächlich lässt sich eine periodische Klimaschwankung nicht nur über das Quartär, sondern auch über weite Teile der Erdgeschichte nachweisen (EHLERS 1994), SAGEMANN et al. (1997). Somit ist zu vermuten, daß die Erdbahnelemente nur die Schrittmacher und nicht die Auslöser der Eiszeit sind. Als mögliche Auslöser der Eiszeit werden zur Zeit verstärkte Gebirgsbildungsphasen gehandelt, aber nach Modellrechnungen reichen sie allein nicht aus.
Hinzu kommt, daß das Beobachtungsmaterial in der Tat lückenhaft ist. Auch wenn FRIEDRICH (S. 71) sich darüber mokiert, daß die Quartärforscher in den 150 Jahren genug Zeit gehabt hätten. Davon haben sie aber auch den größten Teil gebraucht, die Theorie von der Vergletscherung zu belegen. Moränen und Gletscherablagerungen erzählen nicht allzu viel über Eiszeitursachen! Viele unserer Daten über das Klima vergangener Zeiten kommen aus den Sedimenten der Ozeane und dem Ewigen Eis der Arktis / Antarktis. Die technischen Voraussetzungen um Bohrkerne aus der Tiefsee oder den Inlandsgletschern zu gewinnen und auszuwerten, haben wir allerdings noch keine 150 Jahre!
Es hilft auch nichts, wieder die Leier von der hypnotischen Lähmung durch die Doctrine of Uniformity ausgelöst (FRIEDRICH (S. 72) zu bringen. Es gibt in der Quartärgeologie keine "Ordensregel", ... dauernd das Brevier des "Kirchenvaters" Lyell nachbeten zu müssen.... Wie bereits oben erwähnt, Lyell war die Eiszeit viel zu katastrophistisch. Und die "Rollsteinflut" LEOPOLD v. BUCH´s passt leider kaum mit dem Geländebefund zusammen, eine Tatsache, die FRIEDRICH seinen Lesern glatt unterschlägt. Schließlich mussten (zumindest die norddeutschen) Deutschen Geologen mühsam von der Vereisungstheorie überzeugt werden, was erst dem Schweden TORRELL 1875 gelang. Vorher war die "Rollsteinflut" durchaus eine gängige Hypothese. Wie gesagt, Mega-Tsunamis können viele der Erdscheinungen eiszeitlicher Ablagerungen nicht oder nur schwer erklären. Die Schrammen auf dem Rüdersdorfer Muschelkalk zu Beispiel. Auch der oben bereits erwähnte Setztill mit seinen quer eingeregelten Geschieben zählt dazu. Ein besonderer "Leckerbissen" für Verfechter der "Rollsteinflut" währe die Verfrachtung ganzer Schollen unverfestigter Sedimente, wie sie in eiszeitlichen Ablagerungen vorkommen. Dazu weiter unter mehr.
Auch die "Beschüttungskegel" der Leitgeschiebe stützen eine Tsunami-Theorie nicht, denn wenn man sich die Leitgeschiebepopulation einer bestimmten Moräne ansieht, fällt einem eine interessante Bewegung auf. Dies zeigt sehr anschaulich die Darstellung nach SMED (1994). Somit findet sich für jede Moräne ein diskreter Pfad, den das Eis genommen hat. Bleibt noch die Frage, wie ein Tsunami die "Eisscheide" erklärt, die die Eisbewegung in Norwegen in eine nördliche und eine südliche Fließrichtung trennt?
Wir sehen also, die Mega-Tsunamis oder auch die "Rollsteinfluten" sehen sich einigen Hindernissen gegenüber.
Auch wenn ich oben gesagt habe, daß Wertungen von Quellen meist problematisch sind, möchte ich doch hier ein klein wenig davon abweichen. Auf Seite 73 ff. zitiert FRIEDRICH den Herausgeber des THE VELIKOVSKIAN, Charles GINENTHAL. Aus eigener Erfahrung mit GINENTHAL (1995) denke ich, daß Zitate von ihm mit größter Vorsicht zu behandeln sind. Wie ich auf meiner Ginenthal-Page darzulegen versuche, verfälscht er allzu oft den Sinn seiner Zitate. Dieses wurde mir auch sowohl von Neo-Katastrophisten als auch von den zitierten Autoren bestätigt (E. COCHRANE und G. PLAFKER, mündl. Mitt., wie sehr Quellen missverstanden werden können, zeigt The Whale of a Tale)
Kommen wir aber zu den jetzt von FRIEDRICH und GINENTHAL behandelten `Drumlins´. Dort zitiert FRIEDRICH eine Abhandlung von GINENTHAL, der John SHAW zitiert, der wiederum Drumlins als von unter dem Eis strömenden Fluten gebildet sieht. Als Gegenposition erhalten wir KAHLKE (1994) , der die Drumlins als Moränenreste ansieht, die von einem jüngeren Eisvorstoß überfahren wurden. Und in der Tat muß man KAHLKE hier wohl den Vorwurf der "zu starken Vereinfachung" machen. In EHLERS (1994) können wir erfahren, daß es "den Drumlin" wohl nicht gibt. Er widmet den Drumlins fast 3 Seiten, wobei auch SHAW zitiert wird. So nonkonformistisch scheint SHAW also gar nicht zu sein! Viele Geologen gehen davon aus, daß subglazial abfließendes Schmelzwasser eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Drumlins spielt. Soviel zur "orthodoxen" Lehre! Außerdem verschweigt uns FRIEDRICH, daß Drumlins ziemlich verschieden sein können und zumeist in regelrechten Schwärmen auftreten, wobei die Zone ihres Auftretens auf eine Zone relativ Nahe am postulierten Eisrand beschränkt ist. Eine Tatsache, um die auch eine Fluthypothese nicht herumkommt. Und es gibt eine Menge verschiedener Drumlins. Einige enthalten in ihrem Kern ältere Sedimente, andere enthalten einen Felskern.
Wieder treffen wir auf die Behauptung, findlingsgleiche

erratische Blöcke kommen aber in ungeheurer Zahl allenthalben auf der Erde - in definitiv niemals vergletscherten Regionen - vor!

FRIEDRICH, S. 76-77). Leider werden wir auch hier nicht weiter darüber aufgeklärt, wo denn genau welche erratischen Blöcke in welcher Ablagerung vorkommen. So bleibt es also nichts weiter als eine unbewiesene Behauptung!

Die manipulierte Chronologie

Es ist sozusagen das "liebste Kind" der Neo-Katastrophisten, die Altersdatierungen der modernen Geologie als unglaubwürdig hinzustellen. Dabei werfen sie der Geologie "ideologische Voreingenommenheit" vor und sind es zum Teil selber. Da macht auch FRIEDRICH keine allzu große Ausnahme. Man muß dabei nur bedenken, daß jede geologische Altersdatierung es ihnen unmöglich macht, Dinge zu vermengen, die sich in unterschiedlichen Zeiträumen abgespielt haben. Nach dem Motto: Meine Meinung steht fest, verwirre mich nicht mit den Fakten. Ich möchte hier gar nicht weiter auf die einzelnen Vorwürfe eingehen, sofern denn konkrete überhaupt gemacht werden. Denn wie schon vorher, bleibt alles ein bisschen nebulös. Was das Problem mit den Altersbestimmungen angeht, haben schon andere und vor allem bessere als ich Antworten geschrieben. Ich verweise daher auf die talk.origins FAQ´s von Andrew McRae Radiometric Dating and the Geological Timescale (in englisch, eine deutsche Übersetzung findet sich bei Thomas Waschke). Auf jeden Fall bleibt noch festzustellen, daß wohl kein Geologe ins Feld geht, mit der festen Absicht, das "lyellistische Weltbild" zu stärken. Derartiges scheint mir viel mehr bei den Neo-Katastrophisten der Fall zu sein, wenn sie die wissenschaftlichen Publikationen nach passenden Zitaten durchforsten.
Die von FRIEDRICH hier auf den Seiten 84 bis 87 angeführten Zitate aus SCHAEFER (1995) zeigen, daß es immer noch eine Menge für Quartärforscher zu tun gibt. Das Feld ist noch lange nicht komplett abgegrast! Sie eignen sich aber auch nicht wirklich, um eine Eiszeit zu widerlegen. Und wer einmal in einem Aufschluss gestanden hat, weiß wie verzwickt sich die Natur manchmal offenbaren kann.
Angesichts der Zweifel, die der Autor an der Zeittafel der Eiszeit hat, sollte er sich vielleicht mal um Beweise für seine Sicht der Dinge bemühen, anstatt sich in Haarspaltereien zu verlieren.
Was die "Säulen der Eiszeitchronologie" C14, Dendrochronologie und Warvenchronologie angeht, so kann man sicher manchen Kritikpunkt finden. Perfekt ist hier wohl nichts, aber sie sind ja nicht die einzigen Datierungsmethoden. WAGNER (1995) beschreibt noch einige Datierungsmethoden speziell für die jüngere geologische Vergangenheit. Ein weiteres sehr ausführliches Werk über Datierungsmethoden stammt von GEYH & SCHLEICHER (1990). Außerdem werden häufig genug Blindversuche gemacht, bei denen der Geologe nicht weiß, welches Alter seine Probe denn (nach lyellistischer Sicht) haben sollte. Die Chronologie funktioniert trotzdem. Selbst wenn die C14-Methode nicht immer die genaueste ist, bleiben genügend andere Methoden und Materialien übrig, um eine Chronologie aufzustellen. Sicher sind sie alle aus "Neo-Katastrophistischer" Sicht lyellistisch kontaminiert, man sollte sich aber vor einer zu engen ideologischen Denkweise hüten. Ich wünsche hiermit viel Spaß beim Widerlegen, frei nach C. MORGENSTERN: Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.

Die unglaubhaften Schubverhältnisse für eine Alpenvorlandvergletscherung

In diesem Kapitel versucht uns FRIEDRICH glaubhaft zu machen, daß einer Vergletscherung physikalische Gründe entgegenstehen. Dazu bietet er eine (S. 99, Abb. 30) angeblich maßstabsgerechte Zeichnung eines Alpenvorlandgletschers an. Leider hat er dabei den Maßstab vergessen, so daß außer eine Strichzeichnung nicht viel von der Aussage übrigbleibt!
Dazu kommt, wie uns FRIEDRICH mitteilt, die Uneinigkeit der Quartärforscher über die Mächtigkeit der Gletscher. Die von ihm zitierten Angaben reichen von 700 bis unter 100 Meter. Abgesehen, daß die Angaben vom Ausgang der Alpen bis zur Gletscherzunge reichen, und ein Gletscher in dieser Richtung sowieso dünner wird, ist es nicht immer einfach, Gletschermächtigkeiten nachträglich festzustellen. Allerdings hat Eis einige interessante Eigenschaften, die ich auf einer gesonderten Seite ( Eis ) ausführlich beschreibe. Hier sei nur soviel gesagt, daß die beschriebenen Mächtigkeiten nicht zuwenig für einen Gletscher sind. Schließlich beginnt Eis zu fließen, wenn es eine Mächtigkeit von etwa 60 Metern erreicht hat.
Ein Punkt, der wohl nicht nur mich vollkommen verwirrt, ist auf Seite 100 der Vergleich des Grönländischen Inlandeises mit der Alpenvergletscherung.

Da ist ein großer Unterschied: vom grönländischen Inlandeis hat niemand behauptet, daß es sich - in der Art der postulierten Alpenvorlandgletscher - über die riesige Insel geschoben hätte. Es ist im gegenteil offensichtlich dergestalt entstanden, daß aufgrund der polaren Lage die einzelnen Gebirgsmassive des Landes immer mehr vergletscherten, bis am Ende die Gletschermassen eine zusammenhängende Inlandeismasse bildeten. Das ist ein gänzlich anderer Prozeß als der für die (vermeintlichen?) Alpenvorlandgletscher postulierte.

Interessant, wie wird denn die Bildung der Alpenvorlandgletscher postuliert? Das erfahren wir leider nicht. Nun stehen aber die Alpenvorlandgletscher nicht sozusagen im "luftleeren Raum", sondern sind im Zusammenhang mit der Alpenvergletscherung zu sehen. Und was ist die bitte anderes als eine Gebirgsvergletscherung? Also ist die Behauptung von FRIEDRICH etwas zusammenhanglos. Die Alpenvorlandgletscher, wie FRIEDRICH sie so schön bezeichnet, sind nichts anderes als Gletscherzungen, die sich von dem Gebirgsgletscher der Alpen in das Vorland erstrecken. Dergleichen findet sich auch in Grönland, Island und Norwegen, wenn auch nicht im gleichen Maßstab. Das erklärt auch die für FRIEDRICH so unerklärlichen "Schubverhältnisse". Das Eis hatte nicht andere Eigenschaften, sondern die gleichen wie heute. Das Ganze sieht bei eingehender Betrachtung sehr nach einem konstruierten Problem aus!
Das bedeutet, wir brauchen wohl auch keine kataklysmischen Ereignisse a la FRIEDRICH mit kosmischen Nahbegegnungen, die sich, wenn überhaupt, schwer beweisen lassen. Und auch keine Mega-Tsunamis.

"Rettungsanker" Maspalina Gletscher

Hier wirft FRIEDRICH den Eiszeitverfechtern vor, daß sie kein rezentes Beispiel einer ausgedehnten Vorlandvergletscherung vorweisen können. Angesichts seiner immer wiederholten Vorwürfe, die Geologen würden alles immer nur lyellistisch sehen, kann ich den Vorwurf nicht verstehen. Verweist man auf vergleichbare rezente Kräfte, ist man lyellistisch, kann man keine aufzeigen, ist es auch nicht richtig. Hier denkt also FRIEDRICH gnadenlos LYELLISTISCH! Abgesehen davon gibt es kleine Gletscherzungen, die sich von den heutigen Inlandeisschilden und Gebirgsgletschern erstrecken. Warum es heute keine in vergleichbarem Maßstab gibt, liegt vielleicht daran, daß wir in einer "Warmzeit" oder besser "Zwischeneiszeit" leben.
Und wenn der Maspalina-Gletscher als "Sonderfall" sich wegen geographischer und klimatischer Verhältnisse nicht zum Vergleich taugt, dann sollte FRIEDRICH vielleicht erklären, welche anderen Verhältnisse denn in Europa während der Eiszeit geherrscht haben. Am Schluss fragt FRIEDRICH noch, daß sich die "lyellistische Eiszeit-Lehre" vielleicht ein Eigentor geschossen hätte. Vielleicht aber ist die Geologie doch nicht so lyellistisch, wie von FRIEDRICH immer wieder behauptet wird.

Die Eiszeit-Lehre und Warlows "Magic-Top"-Szenario

Hier kommen wir zu einem weiteren Lieblingsthema der "Neo-Katastrophisten", den "Polverlagerungen" (Anm. 3). Ein Modell für diese Verlagerungen der Erdachse soll der "Magic Top" Kreisel nach WARLOW sein. Dem zufolge soll die Erde bei einer Planeten-Nahbegegnung einfach "Umgekippt" sein. Derartige Kippbewegungen der Rotationsachse können nach ANONYMUS (1993) wohl auch ohne die Einwirkungen von vagabundierenden Himmelskörpern vorkommen, obwohl Berechnungen zeigen, daß der Mond einen stabilisierenden Einfluss auf die Erdachse hat. Eine solche Bewegung der Erde würde sicherlich große Flutwellen und Stürme zur Folge haben. Aber es gibt auch einiges, was gegen dieses Szenario spricht. Die Flutwellen dürften auch kleinere Inseln in den Ozeanen glatt überlaufen haben. Da aber auch kleinere Inseln, die zum Teil nur wenig über den Meeresspiegel ragen, endemische Arten beherbergen, die eine kilometerhohe Flutwelle wohl kaum überlebt hätten, ist dieses Szenario wohl nicht allzu wahrscheinlich. Derartige Fluten hätten sicher auch noch andere Spuren hinterlassen, zumal wenn er, wie von FRIEDRICH postuliert, mit Planeten-Nahbegegnungen und Impakten einhergeht. Nur Beweise hat noch kein Neo-Katastrophist präsentiert.

Eine kataklysmische Alternative zum "Großen Eiszeitalter"

Hier wird der Versuch gemacht, eine Alternative zu dem Eiszeitalter zu geben. Das klingt ja ganz vernünftig, aber scheitert mangels Beweisen. Übrigens ist zwar in SCHAEFER (1995) (S. 388, FRIEDRICH S. 119) von einem paroxystischen Ablauf des Fluvioglazials die Rede, aber, siehe oben, Fluvioglazial bedeutet ja daß Schmelzwässer die Sedimente abgelagert haben. Daher sind rasche Ablagerungen und "katastrophistische" Ablagerungsmilieus hier nicht allzu ungewöhnlich.
Wo aber die Probleme mit der Vereisung der britischen Inseln liegen sollen, ist wieder mal rätselhaft. Vielleicht liegt das an der Quelle der Abbildungen, die FRIEDRICH verwendet. Wer Karten von 1914 verwendet, läuft Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Aber Spaß beiseite, Gebirge sind nicht eigentlich eine Grundvoraussetzung für Gletscher. Um einen Inlandsgletscher zu erhalten, muß nur mehr Schnee im Winter fallen, als im Sommer taut. Und was das Problem des skandinavischen Inlandeises und die britischen Inseln (S. 120) betrifft, so sind Geschiebe aus Skandinavien an der Ostküste schon seit 1823 bekannt. Sie könnten aber auch mit schwimmenden Eisschollen dorthin gelangt sein.
Wenn FRIEDRICH uns jetzt noch erklärt, warum die Tierwelt, die man an den Wänden der Höhlen La Madelaine und Trois Fréres sieht, gemessen an unserem schulwissenschaftlichen Eiszeit-Szenario befremdlich ist, dann könnte alles in Butter sein.
Auch die V-Täler im Hymalaya müssen nicht unbedingt ein "Gegenbeweis" für die Eiszeithypothese sein, denn eine Vergletscherung des Tibethochlandes und des Hymalaya ist nach EHLERS (1994) noch strittig. Denn für Gletscher brauchen wir nicht nur kalte Temperaturen, sondern auch noch Niederschläge.
Das "Typhon"-Szenario, nachdem ein Irrläufer-Planet mit der Venus als Trabant aus den Tiefen des Weltraums auftauchte, um ein kataklysmisches Horrorszenario zu verursachen, dürfte schwer zu beweisen sein, aber es steht jedem frei. Leider kann FRIEDRICH hierfür keine schlagenden Beweise liefern. In Wahrheit kann er noch nicht einmal die Spur eines Hinweises zeigen. Es bleiben also noch viele Dinge zu tun für die Neo-Katastrophisten, bevor sie den Rest der Welt überzeugen können. Also, warum immer in den Schreibstuben hocken? Hinaus in die frische Luft und den nächsten Aufschluss. Geländearbeit kann nicht durch selektives Zitieren ersetzt werden!

Esker und Toteislöcher

Zu Anfang diesen Kapitels möchte ich mal wieder eine allgemeine Kritik loswerden. Sie betrifft die Zitierweise in dem Werk von FRIEDRICH. Es ist manchmal ein wenig schwierig, wenn die Quellen kapitelweise aufgeführt werden und bei Wiederholung immer nur auf vorhergehende vollständige Zitate verwiesen werden, besonders wenn von einem Autoren mehrere Werke zitiert werden oder, wie in diesem Kapitel, aus WRIGHT (1914) plötzlich WHITE wird (S. 129 Abb. 40, S. 130 Abb 41, S. 131 Abb. 42 sowie Zitat auf Seite 128). Titel der zitierten Abhandlung ist zumindest derselbe, im Anhang steht nur "White op.cit.". Nur ist sonst nirgends ein WHITE zu finden. Sind also WRIGHT und WHITE identisch?
Wenn ja, dann sind sowohl die Abbildungen als auch das Zitat über die Eskerentstehung auf S. 128 von 1914!!
Das soll keine Entschuldigung für die relativ stiefmütterliche Behandlung der Esker (oder auch Oser) bei KAHLKE (1994) sein. Allerdings macht es sich hier FRIEDRICH mit dem Zitat von GINENTHAL selber etwas zu leicht. Wenn die Oser von einer Meeresflut abgelagert sein sollten, so müsste er den Mechanismus nennen, der diese Art von Ablagerung ermöglicht. Ich jedenfalls kann mir keinen vorstellen. Auch die GINENTHAL´schen Wale, die angeblich allenthalben an der Oberfläche Nordamerikas herumlagen, sind solange kein Beweis für die Flut, bis er sagt, wo welche Wale an der Oberfläche gefunden wurden. SOUTH zeigt in The Whale of a Tale deutlich, wie sehr bei derartigen Behauptungen die Feldbefunde verbogen werden. Bislang entpuppten sich die Wale genauso als ein Märchen wie die "schockgefrorenen Mammutkadaver" aus Sibirien, die von Katastrophisten immer wider gerne bemüht werden (Anm. 2). "Herumliegende Wale" sind scheinbar eines von GINENTHAL´s Lieblingsgeschichten, nur liefert er kaum Beweise (GINENTHAL 1995). Statt dessen bemüht er gerne ältere Werke aus dem 19. Jahrhundert, so auch hier. Ostseemuscheln in einem Oser stammen aus einer Quelle von 1897! Das macht das Nachvollziehen schwierig und ich denke, daß angesichts der vielen Amateurgeologen und Fossiliensammlergruppen sicher auch neuere Publikationen zu finden sein müssten, so denn rezente(!) Ostseemuscheln häufig in Osern vorkommen. Da uns nämlich die genaueren Umstände des Fundes wieder einmal vorenthalten werden, können wir nicht überprüfen geschweige denn nachvollziehen, wie die Fossilien in die Ablagerungen gekommen sind, noch um welche Art es sich handelt und in welchem Gestein sie steckten oder ob sie überhaupt in einem Oser nach heutiger Definition gefunden wurden. Insgesamt sind gut erhaltene Fossilien in eiszeitlichen Ablagerungen, auch solchen aus Schmelzwässern nicht so selten, wie man vielleicht auf den ersten Blick denken möchte. So sind zu Beispiel aus dem Münsterländer Hauptkiessandzug, einem mutmaßlichen Oser aus der Älteren Saale Vereisung viele gut erhaltene Fossilien bekannt: So werden von LUTTERMANN (1997) Trilobitenreste beschrieben, von SCHÄFER (1993, 1994 a, 1994b, 1994c) Fossilien jurassischen Alters. Darunter nicht wenige Muscheln mit beiden Muschelschalen zusammen, Ammoniten, Brachiopoden, Schnecken, Belemniten, Krebse, Saurierwirbel und Pflanzenreste. Da Oser durchaus beliebte Sammelstellen für Amateure sind, sollte es nicht allzu schwer sein, hier auch neuere Literatur ( siehe auch KAERLEIN 1990 und SCHALLREUTER 1998)zu anderen Funden zu bringen. Denn wenn jurassische Fossilien aus lokalen Quellen (Lokalgeschiebe) in einem Oser zu finden ist, dann sollten in anderen Osern womöglich jüngere Fossilien aus anderen lokalen Quellen zu finden sein. Und schon bei miozänen Muscheln kann die Unterscheidung mit heute lebenden Arten für ungeübte Augen schwierig werden.
Wie gesagt, GINENTHAL, und mit ihm FRIEDRICH sind scheinbar nicht in der Lage, genauere Angaben über die Muscheln und die Wale zu machen, werfen aber gerne den Wissenschaftlern Ignoranz vor. So entstehen Legenden (siehe den SOUTH-Artikel). Ob das nun wissenschaftlich ist, sei dahingestellt.
Was uns nämlich vorenthalten wurde, ist die Tatsache, daß es Oser im Vorland rezenter Gletscher gibt. So zeigt EHLERS (1994) auf S. 76 (Abb. 54) frisch gebildetes Os am Rande des Omnsbreen, Norwegen, sowie THOME (1998) auf Seite 241 (Abb. 187) Os vor dem Breidamerkur-Jökull, Island.
Stellen wir hier also fest, daß die Oser für eine kataklysmische Flut im Sinne des velikovskischen Neo-Katastrophismus absolut kein Beweis sind. Nicht nur, daß die Verfechter dieser Hypothese keine Ablagerungsprozesse nennen können, während die "konformistischen" Geologen ihrerseits Mechanismen zur Stützung ihrer Theorien aufzeigen können, auch manche Merkmale der Oser stehen gegen eine katastrophische Erklärung.
Abgelagert werden Oser von subglazialen (manchmal auch von intraglazialen, also im Gletscher befindlichem oder superglazialen, also auf dem Gletscher befindlichen) Schmelzwasserflüssen. Das erklärt auch, warum sie Höhenzüge überqueren können. Die Richtung der Entwässerung wird durch das Gefälle der Eisoberfläche bestimmt! Oser verlaufen meist in Vorstoßrichtung ( in Radial- oder Längsspalten) des Inlandeises, selten auch quer (Quer- oder Marginalspalten) oder diagonal (Fiederspalten) dazu. Daher kann es auch vorkommen, daß Oser rechtwinklig umbiegen. Zumindest in Mecklenburg folgen die Oser zumeist dem Netz der Radial- und Marginalspalten (SCHULZ 1998) Dabei lassen sich die hier vorkommenden Oser nach ihrer Entstehung in zwei unterschiedliche Typen gliedern: Supraglaziäre Oser, die sich in nach oben offenen Spalten gebildet haben. Das Schmelzwasser stand nicht unter hydrostatischem Druck, der Kamm des Osers zeigt ein geringes Relief. Mit dem Niedertauen des Eises legte sich der Oser zunächst ungestört auf die Grundmoräne. Wenn diese mit Wasser gesättigt und somit plastisch verformbar war, konnte unter dem Gewicht des flankierenden Eises Sediment aus der Grundmoräne in den Oser eingepresst werden. dabei entstand im Idealfall ein spitzer Sattel aus Grundmoränenmaterial, während die geschichteten Osersedimente aufgeschleppt wurden. Dieser Vorgang ist übrigens auch aus rezenten Gletschern bekannt (TODTMANN 1957).
Der zweite Typ sind die subglaziären Oser (subglaziär = unter dem Eis). Bei diesen Osern bedeckt Grundmoränenmaterial (=Till) die glazifluviatile Osfüllung. Das Os entstand also unterhalb bis innerhalb der mit Schutt beladenen Basis des Gletschers. Da der hydrostatische Druck im Eis überall gleich war, fehlen Aufpressungskerne. Also allerhand Eigenschaften, sie einem katastrophischen Modell Schwierigkeiten machen und daher gerne von Neo-Katastrophisten übersehen werden.
Ähnlich sieht es mit den Toteislöchern aus. Sicher würden von Mega-Tsunamis verfrachtete Eisberge ähnliche Strukturen abgeben, aber wie wir bisher gesehen haben, gibt es für Flutwellen keine weiteren geologischen Belege, wohl aber für Gletscher.

Faustkeile, weibliche Idole und franko-kantabrische Höhlenkunst

Über die hier behandelte "Entstehungsgeschichte der Menschheit" will ich mich eigentlich nicht weiter auslassen. Dazu ist mir hier noch zu viel in Bewegung. Ich möchte vielmehr auf drei modernere Werke verweisen, als da sind JOHANSON & EDGAR (1998) , LEWIN (1992) und STREIT (1995). Abgesehen davon ist das Problem der Entstehung des Menschen wohl mit den quartären Kaltzeiten verknüpft, aber weder ein Beweis noch ein Gegenbeweis derselben. Somit ist eine Antwort auf die in diesem Kapitel erhobenen Vorwürfe eigentlich ein anderes Thema, das ich gerne berufeneren überlasse.

Was spricht gegen eine "Rollsteinflut"?

Dieses Kapitel bezieht sich nicht direkt auf ein bestimmtes Kapitel von FRIEDRICH. Es soll vielmehr die Argumente für eine Eiszeit zusammenfassen und die Probleme deutlich machen, die eine katastrophistische Erklärung hätte. Dabei wurden oben schon der Setztill im Kapitel Ein kompetenter Geologe... beschrieben, genauso wie der Aufpressungsoser im Kapitel Esker und Toteislöcher. Schon bei diesen Eiszeitrelikten würde eine Mega-Tsunami-Theorie enorme Probleme bekommen.
Ein weiterer Hinweis auf eine Vergletscherung zumindest Norddeutschlands sind die Gletscherschrammen, zum Beispiel die von Rüdersdorf. Sie dienten schon TORELL als Beweis für eine Vergletscherung und trugen viel dazu bei, daß sich die Gletschertheorie gegen die Drifttheorie von LYELL durchsetzte. Hier finden sich nicht nur Schrammen, sondern auch Gletschertöpfe. Nachdem die ursprünglich von TORELL gedeuteten dem Abbau zum Opfer fielen, konnten in jüngerer Zeit entdeckte gerettet werden (GOHLKE 1995). Derartige Schrammen finden sich auch mitunter an Geschieben, so z.B. dem Damestein in Dänemark.
Gletscherschrammen kommen im norddeutschen Vereisungsgebiet öfter vor, als man vielleicht glauben mag. So wurden sie auch auf dem Kohlenkalk bei Ratingen nordöstlich von Düsseldorf nachgewiesen. SKUPIN (1993) gibt in Nordrhein-Westfalen noch andere Stellen mit Gletscherschrammen an. So finden sie sich in der Kiesgrube Kater, Detmold-Hiddensen, in der Saarner Mark zwischen Wedau und Großenbaum und am Blauen See bei Ratingen
Könnten solche Schrammen vielleicht noch bei einer Rollsteinflut durchgehen, hätten andere Funde es schon schwerer. JUBITZ (1996) zeigt einige schöne Beispiele, wie ein Gletscher tektonische Erscheinungen hervorrufen kann. Überhaupt kann man die schönsten tektonischen Erscheinungsformen häufig in den quartären Gletscherablagerungen beobachten. Ein weiteres schönes Beispiel stellt der "Muskauer Faltenbogen dar (KUPETZ 1996, 1997). In dieser riesigen Stauchendmoräne finden wir Schuppentektonik, Diapire und Faltenbildung in einer Dimension von 100 bis 300 Metern. Überhaupt würden Stauchendmoränen wohl eine Herausforderung für die "Rollsteinflut" darstellen. Rezente Bildung von Stauchendmoränen beobachteten STACKEBRANDT et al (1997).
Scherflächen und Klüfte, die durch die Eisbewegung im Untergrund erzeugt werden, kommen auch im Lockergestein der Vereisungsgebiete häufig vor. SKUPIN (1993) gibt wieder für Nordrhein-Westfalen Aufschlüsse mit Scherungen und Klüften an, unter anderem in Coesfeld-Flamschen, Ummeln, Ebbesloh, Langenberg und Delbrück-Riege.
Jeder Verfechter einer Mega-Tsunami-Theorie oder Rollsteinflut sollte also sich gute Argumente für die beobachteten (glazial)tektonischen Funde überlegen. Ohne einen schlüssigen Mechanismus hat seine Hypothese keine echte Chance

Ein weiteres Problem (für die "Rollsteinflut") stellt der sogenannte Ausschmelztill dar. Dieser wird nach PIOTROWSKY (1992) durch langsames Freisetzen der im Gletschereis transportierten Fracht gebildet. Daher kann er einen deutlich geschichteten Aufbau zeigen. Vor allem können nahezu ungestörte Klasten aus Lockergestein vorkommen, die einen Transport an der Gletscherbasis kaum überstanden hätten (und damit wohl auch keine Flutwelle!). Derartige Ablagerungen sind in Norddeutschland weit verbreitet (EHLERS 1994). SCHALLREUTER (1998b) zeigt, wie groß derartige "glaziale Schollen" sein können. Sie haben zwar meist nur einen kurzen Transportweg hinter sich, bestehen aber auch aus relativ weichen Sedimentgesteinen. So stellt die Kreide-Tertiär-Scholle von Steinitten in Ostpreußen mit 4 km Länge und 2 km Breite und 7-20 m Mächtigkeit wohl die größte ihrer Art dar. Aber ein bekanntes Beispiel sind auch die Lias Vorkommen bei Grimmen und Dobberthin in Mecklenburg-Vorpommern, die Eozänschollen von Katharinenhof/Fehmarn und Heiligenhafen und die Kreidescholle von Katharinenhof bei Stettin. Und nicht alle diese Schollen sind Lokalgeschiebe. So stellt die Rote Gesteinsscholle von Schobüll bei Husum wohl Old Red aus dem Baltikum dar, mit einem Transportweg von rund 1000 Kilometern.

Und auch Eisberge sind hier wohl kaum ein Ausweg. Die Kreidescholle von Katharinenhof/Stettin ist mit ihren 2 km Länge und 500 m Breite rund 25 m Mächtig. Das macht ein Volumen von gut 25 50 - 80 Mio. m3 und ein Gewicht von ca. 50 Mio. t. Um diese Scholle zu tragen müsste ein Eisberg ein Volumen von mindestens 200 Mio. m3 besitzen. Zwar hat der größte beobachtete Eisberg ein Volumen von 5000 km3 (Eisberg B9, 154 km lang, 36 km breit, 250 m mächtig, Oktober 1987), aber er dürfte einen kataklysmischen Transport in einem Tsunami kaum heil überstehen. Und die lokalen Schollen können so auch kaum erklärt werden.

Und wie sollen Flutwellen Geschiebe einregeln? Sicher, vom Wasser transportierte Gerölle sind auch eingeregelt, aber meist mit der Querachse in Transportrichtung, Eiszeitgeschiebe sind aber meist mit ihrer Längsachse in Transportrichtung eingeregelt. Nur ein kleineres Nebenmaximum zeigt die Querachsen. Und die Transportrichtung ist vielfach durch Gletscherschrammen festgelegt. Auch dieses ist leicht durch Eistransport zu erklären.

Dies sind nur einige Beispiele. Wer noch fragen hat, dem sei die Literaturliste ans Herz gelegt. Man kann mir auch ein E-Mail schicken, die ich nach besten Kräften zu beantworten versuche. Das gleiche gilt natürlich für Kritiken und Anregungen!

Anmerkungen

Anmerkung 1: Allerdings war Cuvier oftmals garnicht so weit von den Sintflutvorstellungen seiner Zeit entfernt. Er ging naemlich davon aus:
...dass die Oberflaeche unserer Erde eine grosse und ploetzlich eintretende Umwaelzung erlitten hat, deren Epoche nicht viel ueber 5 bis 6000 Jahre hinausreichen kann; dass durch diese Umwaelzung derjenige Theil des festen Landes, auf welchem vormals Menschen und die heutigen Tages bekanntesten Thiere wohnten, in Abgruende versenkt worden und gaenzlich verschwunden ist; das dieselbe Umwaelzung dagegen den Boden des vorherigen Meeres aufs Trockene gesetzt und dadurch das bewohnte Festland gebildet hat; dass seit dieser Revolution die kleine Zahl Individuen, welche dieser Catastrophe entgangen sind, auf der neuen aufs Trockene gekommenen Erdoberflaeche sich verbreitet und vermehrt hat, und dass folglich seit jener Epoche erst die menschliche Gesellschaft sich wieder ausbreitete....
(CUVIER 1830)
Hier ist nicht nur der damals angenommene Zeitrahmen der Sintflut wiederzufinden, sondern auch ein nahezu biblisches Szenario, dem nur wenige ausgewaehlte Individuen entkommen sind. Es fehlt nur noch die Erwaehnung der Arche Noah, wie BLEI (1981) anmerkt.

Anmerkung 2: Die Vorstellung, das grosse Wassermassen Kadaver tropischer Lebewesen aus ihrer Heimat nach Sibirien verfrachtet haben, wo diese dann eingefroren wurden, fusst vermutlich auf PETER SIMON PALLAS (1741 - 1811). Dieser soll laut HOFFMANN (1838) ( in BLEI 1981) die Vorstellung entwickelt haben, das durch ungeheure vulkanische Bewegungen von den Kuesten Afrikas, Japans und des Pazifiks Flutwellen polwaerts getrieben wurden. Dabei seien Tiere und Pflanzen Suedasiens mitgerissen und am Fusse des mittelasiatischen Hochlandes im Gebirgsschutt eingefroren worden. Da PALLAS weite Gebiete Russlands bereist hat, werden ihm die Funde gefrorener Mammutkadaver nicht unbekannt gewesen sein.

Anmerkung 3: Das ein Kippen der Erdachse fuer Ueberflutungen und dergleichen Katastrophen verantwortlich gemacht wird, findet sich nicht nur bei VELIKOVSKY und seinen Gefolgsleuten. Auch schon im 18. Jahrhundert spielten derartige Ueberlegungen in der katastrophistischen Literatur eine grosse Rolle. So sah unter anderen schon Georg Christian FUECHSEL (1722 - 1773) ein Ueberkippen der Erde als Ursache der Sintflut. Als Ausloeser dafuer postulierte er den Einsturz grosser Hoehlen unter der Wirkung des Mondes (MOELLER 1963). Insgesammt also ein Modell, das dem VELIKOVSKYS und auch FRIEDRICHS nicht unaehnlich ist, wenn man mal davon absieht, das die juengeren Autoren Venus oder einen hypothetischen Planeten namens Typhon als Verursacher vermuten. Also auch nichts wirklich Neues unter der Sonne.

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© 2000 Gunnar Ries


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