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Gefrorene Mammuts

Zeugen einer Weltkatastrophe?

Im Internet und in verschiedenen Diskussionen tauchen immer wieder Berichte über Funde tiefgefrorener Mammuts in Sibirien und Nordamerika auf. Oft werden sie als Kronzeugen einer weltumspannenden Katastrophe gegen Ende der Eiszeit vor rund 10 000 Jahren gesehen.
Verschiedene Argumente dafür oder dagegen werden aufgeführt. Ich will hier exemplarisch mal einige gegeneinanderstellen.

Behauptung von Katastrophisten konventionelle Sicht
Die Mammuts hatten noch Futter im Maul, sind also eines sehr plötzliche Todes gestorben. Daher muss der Tod und das Einfrieren schnell duch eine Katastrophe erfolgt sein. Das um 1900 entdeckte Beresowka Mammut hatte wirklich noch Futterreste im Maul, zwischen den Backenzähnen und der Zunge. Allerdings sprechen die Fundumstände und die Berichte der Expedition, die das Tier barg, gegen ein katastrophisch-schnelles Einfrieren. Pfitzenmayer (1939) berichtet, dass das Beresovka Mammut in einer Spalte pleistozänen Eises eingebrochen war und dort auch verendete. Die Haltung des Mammuts zeigte an, dass es nach dem überraschenden Absturz verzweifelt versuchte, sich aus der Falle zu befreien. Sein rechter Vorderfuß war nach vorne außen gestellt, als wenn das Tier versuchte, sich wieder aufzurichten. Seine schweren Verletzungen hinderten es allerdings daran. Das Tier hatte sich bei seinem Sturz mehrere Knochen gebrochen, darunter das Becken, Schulterblatt und mehrere Rippen. Als nachfolgend (oder infolge der Befreiungsversuche) Erdreich in den Spalt nachstürtzte, erstickte das Tier. Der Zeitpunkt für den Unfall war vermutlich im Herbst, da im Magen des Tieres gefundene Gräser Samen trugen.
Im Magen geforener Mammuts fanden sich Pflanzen, die heute nur rund 1000 Kilometer weiter südlich zu finden sind. Das belegt, das die Mammuts zu Lebzeiten in gemäßigtem Klima lebten und durch eine Katastrophe in den Bereich großer Kälte befördert wurden. Man hat bei verschiedenen Tieren im Magen Reste ihrer Nahrung gefunden. Hinweise auf ein milderes Klima sind dabei aber nicht zu finden. Auch die Pflanzen im Magen der Mammuts werden heute noch in der selben Gegend gefunden. Hauptbestandteil der Mammutnahrung waren wohl Gräser. Im Magen des Beresowka Mammuts fanden sich zu 90 % Gräser, sowie "Beilagen" anderer flanzen. Darunter sind:
  • Arktischer Beifuß (Artemisia frigida)
  • Bärlapp (Selaginella selaginoides)
  • Zwergbirke (Betula nana)
    Daneben auch Korbblütler und Hahnenfußgewächse. Letztere haben wohl einige Katastrophisten zu der Behauptung veranlasst, Mammuts hätten Butterblumen gefressen. Die Pflanzen sind auch heute noch in Sibirien beheimatet. Die Erkenntnis, dass die Mammutnahrung auch heute noch in Sibirien, an den Fundorten der Tiere zu finden ist, ist so neu nicht. Schon 1855 berichtet WFA Zimmermann davon.
  • Das Mammut hat in gemäßigtem Klima gelebt. Funde in der Gegend von Oxford belegen, dass die Mammuts in Gegenden lebten, die ein Klima wie heute oder wärmer hatten. Das wollhaarige Mammut, Mammutus primigenius war in hervorragender Weise an das Leben in Kälte angepasst. Der Pelz des Tieres bestand aus langen kräftigen Schutzhaaren und kürzeren, dünneren Haaren als Unterwolle. Die Schutzhaare hatten einen Durchmesser von rund 0,5 mm (die rund sechsfache Dicke eines Menschenhaares und doppelt so dick wie die Haare eines Indischen Elefanten). Die Deckhaare hatten eine Länge von bis zu 90 cm als Saum (ähnlich wie beim heutigen Moschusochsen). Oben auf dem Rumpf waren sie nur 30 cm lang. Alle Körperteile, auch Kopf, Ohren und Rüssel waren mit Haaren bedeckt. Selbst die Füße waren mit rund 15 cm langen Haaren bedeckt. Die Haare der Unterwolle warren dünner und nur ca. 2,5 bis 8 cm lang. Dafür waren sie erheblich dichter und bildeten eine Isolierschicht.
    Die Haut des Mammuts war rund 1,25 bis 2,5 cm dick und ähnelte der Haut heutiger Elefanten. Darunter befand sich aber eine 8 bis 10 cm dicke Fettschicht zur weiteren Isolierung.
    Auch weitere Merkmale sprechen für eine Anpassung an kalte Lebensräume. Ohren und Schwanz hatten eine im Vergleich zu heutigen Elefanten geringe Größe. Während die Ohren bei den heutigen Elefanten als Kühler fungieren, stand das Mammut wohl vor dem entgegengesetzten Problem. Die geringe Größe der Ohren bewahrte das Tier vor allzu großem Wärmeverlust ud die dichte Behaarung der Ohren verhinderte, das diese exponierten Körperteile bei Kälte erfroren. Der Schwanz der Mammuts hatte lediglich 21 Wirbel, die Schwänze heutiger Elefanten hingegen 28 bis 33 Wirbel. Schon Zimmermann (1855) bemerkte die Anpassung der Mammuts an kaltes Klima und auch Baron Cuvier, der Proben von dem 1799 entdeckten Mammut untersuchte, sah, das das Tier an große Kälte angepasst war (Lister 1997).
    Was die Funde von Stanton Harcourt in Oxfordshire angeht, so fanden sich dort Mammutknochen in Gesellschaft mit Auerochsen, Wisenten, Fischen und Fröschen. Die Pflanzenwelt bestand aus Eicheln und Haselnüssen. Die Fossilien sind rund 200 000 Jahre alt und entstammen damit einer Warmzeit. Die Mammutfossilien stammen von einer noch nicht an kaltes Klima angepasten Frühform des Mammuts.
    Die gefrorenen Mammutkadaver sind alle gleichzeitig ums Leben gekommen. Nach vorliegenden Datierungen stammen die gefrorenen Mammuts aus zwei Perioden; eine um 45 bis 30 000 Jahre alt und eine zweite von 14 bis 11 000 Jahre. Das deckt sich mit zwei wärmeren Perioden der letzten Eiszeit (und ist um einiges unterschiedlich als die Alter der Frühform von Stanton Harcourt oben). Damit scheint das Phänomen der gefrorenen Mammuts mit dem Klima in engem Zusammenhang zu stehen. Während der wärmeren Perioden stand auch genügend Feuchtigkeit zur Verfügung, um Bodenfliessen zu ermöglichen. Daher konnten in Spalten eingebrochene Tiere rasch von Schlamm bedeckt werden und einfrieren.
    Im Gegensatz zu Sibirien existieren nur sehr wenige Mammutfunde aus Nordamerika. Diese entsprachen dem üblichen prähistorischen Zustand - unvollständige Skelette in verschiedensten Stadien der Versteinerung oder Zersetzung. Die Mammutfunde aus Sibirien waren dagegen gefroren, so das ihre Körper und deren Stoßzähne, welche bis zu sieben Meter Länge haben, perfekt erhalten blieben Auch in Alaska wurden die gefrorenen Kadaver von großen pleistozänen Tieren gefunden. So z.B. bei Fairbanks unter anderem die Überreste eines Mammutkalbs . Auch Bisons und andere Tiere wurden gefunden.

    Literatur

    Lister, A. (1997): Mammuts - Die Riesen der Eiszeit. Thorbecke, Sigmaringen.

    Pfizenmayer, E. W (1939): Siberian Man and Mammoth. Blackie and Son, London

    Zimmermann, W.F.A., (1855):Der Erdball und seine Naturwunder. populaires Handbuch der physischen Geographie. Berlin.

    © 2004 Gunnar Ries


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