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Zum Problem des Wuestenglases.

Das (immer noch) raetselhafte libysche Wuestenglas findet sich in einem Gebiet von rund 6500 km^2 im suedwestlichen Zipfel der Great Sand Sea in Aegypten, nahe der Libyschen Grenze. Zuerst Berichtet haben darueber Fresnel (1850) sowie Clayton & Spencer (1934). Das Wuestenglas selber tritt meist als zentimeter- bis dezimetergrosse Stuecke, meist stark verwittert und von irregulaerer Form, auf. Chemisch gesehen ist das Glas extrem reich an Silikat (96.5 bis 99 Gew % SiO2). Es hat nur eine sehr begrenzte Variation im Hinblick auf Haupt- und Spurenelemente (Weeks et al. 1984, Koeberl 1985). Altersdatierungen mittels der Fission Track Methode haben nach Storzer & Wagner (1977) ein Alter von rund 29 Millionen Jahren ergeben.
Die Entstehung des Glases ist noch umstritten, jedoch wird von den meisten der daran arbeitenden Wissenschaftler ein Zusammenhang mit einem Impakt fuer sehr wahrscheinlich gehalten. Es gibt aber nach Koeberl (1994) einige Unterschiede zwischen dem Wuestenglas und dem "klassischen" Impaktglas, hauptsaechlich im Chemismus. Hinweise auf eine Entstehung durch einen Impakt sind hingegen nach Storzer & Koeberl (1991) Schlieren, halbgeschmolzene Minerale im Glas, die Anwesenheit von Lechatelerit, einer Hochtemperaturform von Quarz, sowie Baddeleyit, einer Hochtemperaturform von Zirkon. Von Murali et al (1989) wird auch ine moegliche Komponente des Meteoriten am Chemismus des Glases selber diskutiert. Das Wuestenglas hat eine aehnliche Spurenelementverteilung wie sie auch der Nubische Sandstein aufweist (Murali et al 1988), allerdings sind mir bislang noch keine detailierteren Untersuchungen mit einigen der in Frage kommenden Krater (i.e. B.P Struktur oder Oasis Krater) bekannt. Sollte wohl mal einer machen.

B.P, Struktur ist eine tief erodierte, kraterfoermige Struktur in Libyen, die erstmals von Martin (1969) beschrieben und nach BP benannt wurde. Aufgebaut wird die Struktur aus zwei konzentrischen Ringen, der innere 2, der aeussere 2,8 Kilometer im Durchmesser. Der Krater liegt direkt in der Nubischen Sandstein Formation aus der unteren Kreide. Im Kratergebiet finden sich Sandsteine, Tonsteine und Quarzkonglomerate (also alles Gesteine mit hohem SiO2-Gehalt). Eine geneuere geochemische Untersuchung der Gesteine ist mir bislang nicht bekannt, genausowenig wie eine Datierung.

Oasis ist ein ebenfalls in Libyen, nur 85 Kilometer suedlich von B.P.. Gleichfalls erodiert ist dieser Krater aber groesser als B.P., mit immerhin 11,5 km Durchmesser sowie einem inneren Ring mit 5.1 km. Auch dieser Krater liegt im Bereich des Nubischen Sandsteins. Eine Datierung ist mir nicht bekannt.

Literatur

Clayton, P.A. & Spencer L.J.(1934): Silica Glasses from the Libyan Desert. Min.Mag. 23, 501-508.

Fresnel, F. (1850): Mémoire de M. Fulgence Fresnel; Sur le Waday - Suite (1). Bulletin Société Géographique XIII, 82-116.

Koeberl, C. (1985): Trace elements chemistry of the Libyan Desert Glass. Meteoritics 20, 686.

Koeberl, C. (1994): African meteorite impact craters: characteristics and geological importance. Journal of African Earth Sciences 18 (4), 263-295.

Martin, A.J. (1969): Possible impact structure in southern Cyrenaica, Libya. Nature 223, 940-941.

Murali, A.V., Zolensky, M.E., Underwood, J.R. & Giegenback, R.F. (1988): Formation of the Libyan Desert Glass. Lunar Planetary Science XIX, 817-818.

Murali, A.V., Linstrom, E.J., Zolensky, M.E., Underwood, J.R. & Giegenback, R.F. (1989): Evidence of extraterrestrial component in the Libyan Desert Glass. EOS Transactions American Geophysical Union 70, 1178.

Storzer, D., & Wagner, G.A. (1977):Fission track dating of meteorite impacts. Meteoritics 12, 368-369.

Storzer, D., & Koeberl, C. (1991): Uranium and zirconium enrichments in Libyan Desert Glass: Zircon, baddeleyite, and high temperature history of the glass. Lunar Planetary Science XXII, 1345-1346.

Weeks, R.A.,Underwood, J.R. & Giegenback, R.F. (1984): Libyan Desert Glass: A review. Journal Noncrystalline Solids 67, 593-619.

2001 Gunnar Ries


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