diskutieren sie die Themen dieser Seite bei Geoversum Mein Web-Log



Erde kollidierte nicht mit grossem Himmelskoerper

Diese Seite ist eine Antwort auf die Seite von Dr. Dr.rer.nat. B. Ellmann
sintflut - these einer tangentialen kollision

Die von Ellmann hier vorgestellt These entbehrt jeglicher naturwissenschaftlicher Grundlage und widerspricht sich in ihren Aussagen selber. In dieser These werden Erkenntnisse der Geowissenschaften ignoriert und stellenweise schlicht verleugnet, wenn sie nicht in das Ideengebaeude von Ellmann hineinpassen. Hier waeren Erkenntnisse der Plattentektonik als auch geologische und biologische Tatsachen zu nennen, die fuer jedermann nachpruefbar sind.

Umfrage

Folgende Zitate sind besonders bemerkenswert:

"Über dieser Region, d.h. über nahezu dem gesamten Boden des Indischen Ozeans lassen sich als weitere Auffälligkeit strahlenförmige "Kratzspuren" vom Antarktissockel bis in die Bengalische Bucht verfolgen"

Diese "Kratzspuren" sind nichts anderes als Transformstoerungen, die sich, wenn auch in kleinerem Massstab auch an anderen Mittelozeanischen Ruecken wiederfinden lassen. Davon abgesehen: Er sieht hier Kratzspuren als "Beleg", wo er an anderen Stellen bis zu 1000 km und mehr (!) tief alles Mantelmaterial beseitigt sehen will und wo anschliessend glutfuessiges Magma einen "Niveauausgleich" herbeigefuehrt haben soll. Beides ist aber zusammen nicht moeglich. Entweder 1000 km Material sind futsch ODER er hat Kratzspuren.

Nebenbei: Was passiert, wenn man 1000 km Erdmantel entfernt? Stichwort Druckentlastung und daraus Aufschmelzung. Auch seine Gravitationsanomalie bekommt hier Schieflage. Sicher, der tiefere Erdmantel ist dichter als der obere, aber (zumindest zum groessten Teil) aufgrund des dort herrschenden Druckes. Bedeutet: Chemisch sind beide weitgehend gleich, nur die Packungsdichte ist anders. Und wenn man den Druck entfernt....

Und wir muessen uns nur mal vor Augen halten, das die Erdkruste nur rund 30 - 35 km dick, die ozeanische nur rund 5 - 7km. Ja, der obere Erdmantel endet schon bei rund 670 km Tiefe, naemlich dort, wo die Mineralstruktur des Spinell in die dichtere Packung der Perowskitstruktur uebergeht. Der gute Autor redet also von einer Oeffnung, die bis in den unteren(!) Erdmantel hineinreicht und will immer noch Kratzspuren finden? Ganz abgesehen davon gibt es keinerlei geochemische Hinweise in dem betreffenden Gebiet, die auf derartige Vorgaenge hinwesen. Damit ist die Sache wohl als erledigt zu betrachten.

Sein Kapitel "Plattentektonik" ist nicht mehr als ein Witz. Spuren von Plattenbewegungen sind durch (fast) alle Zeitalter bekannt, aber ich sehe ja, das er Zeitalter sowieso komplett ablehnt. Hier bekommt seine "These" fast die Zuege eines Glaubensbekenntnisses. Er hat nur noch zu erlaeutern vergessen, wie eine Kollision die physikalischen Konstanten, speziell die Zerfallskonstanten, veraendern kann. Ich empfehle hier speziell die geolinks

Noch ein paar Kleinigkeiten:
"Es muß hier erwähnt werden, daß auf den Reliefkarten der Meeresböden nirgendwo in einer sogenannten "sea floor spreading" Zone eine Stufenbildung erkennbar ist. Dieses wird jedoch immer wieder, auch in renommierten Geologischen Lehrbüchern, behauptet und mit Zeichnungen untermauert (7). Eine Stufenbildung ist jedoch Minimalvoraussetzung für ein "spreading"."

Diese Stufenbildung ist aber sehr wohl nachgewiesen. Und zwar mit Hilfe von Tauchbooten, die bis in den zentralen Spalt des Mittelozeanischen Rueckens vorgedrungen sind. Und auch mit Hilfe des sogenannten Side Scan Sonars.

"Wenn es ein "sea floor spreading" im herkömmlichen, geologischen Sinne nicht gibt, dann gibt es auch keine Subduktion. Eine Ausnahme ist möglich. Eine Subduktion gibt es vermutlich nur an einer Stelle auf der Erde, unter dem Himalaya. Dem kollidierten Himmelskörper ist eine solche Leistung innerhalb weniger Minuten zuzutrauen."

Und ausgerechnet dort findet Subduktion (im engeren Sinne) nicht statt. Denn bei Indien und Eurasien handelt es sich um eine Kontinent-Kontinent-Kollision. Kontinentale Kruste hat aber eine zu geringe Dichte, um in den Erdmantel abzutauchen. Hier wird Asien ueber Indien geschoben. Es handelt sich eigentlich um eine Ueberschiebung

"... Alle Versuche, eine subducierte Lithosphärenschicht zweifelsfrei nachzuweisen, sind bis jetzt fehlgeschlagen."

Holla! Da faellt mir nur das Stichwort "Wadati-Benioff-Zonen" ein. Diese nach den Geophysikern Kiyoo Wadati und Hugo Benioff benannten Zonen stellen eine Ebene von Bebenherden dar, die vom Tiefseegraben weg in Richtung der ueberfahrenden Platte eintauchen. Und mit modernen seismischen Methoden kann man tatsaechlich sogar die Ober- und Unterseite der subduzierten Platte anhand der Bebenhaeufung aufloesen. Sie tauchen meist im Winkel zwischen 30° und 60° in den Erdmantel ein, je nach Alter der subduzierten Platte und man kennt sogar abgestorbene Wadati-Benioff-Zonen, die mit keiner heutigen ozeanischen Platte mehr in Verbindung stehen. So zB. unter Italien. ausserdem wurde subduziertes Krustenmaterial geochemisch in den Lavamassen der Inselbogenvulkane nachgewiesen. Wenn er Subduktion als Prozess ablehnt, dann sollte er aber mindestens einen Prozess nennen, der den geochemischen Unterschied zwischen Ozeanruecken und Inselbogen erklaert.

Und auch andere gophysikalische Messungen, insbesondere Schweremessungen sind in bester Uebereinstimmung mit dem herkoemmlichen Modell.

Beim Kapitel "Gebirgsbildung" laesst er die vorhandenen Altersangaben einfach nicht gelten, erklaert aber auch nicht, warum radiometrische Datierungen nicht stimmen sollten. Und ohne einen Beleg sieht es dann doch relativ duenn aus. So kann die herkoemmliche Geologie doch sehr gut aus der Zeitverteilung der Ereignisse erklaeren, warum zB. auf dem Mt. Everest ehemalige Meeresedimente zu finden sind. Eine Tatsache, die bei ihm untergeht. Abgesehen davon, das er Gebirge unterschiedlichen Alters durcheinanderwuerfelt. Und das unterschiedliche Alter wird auch durch die unterschiedlich fortgeschrittene Erosion der betreffenden Gebirge gezeigt. Auch dafuer muesste der Autor eine Erklaerung finden.

"Auf das Konto des erheblich höheren Druckes im Pazifischen Raum gehen auch die weiteren Platteneinrisse im Westpazifik. Der größte Teil der Pazifischen Inselwelt entstand als direkte Folge der Kollision. Weltweit entstanden in kürzester Zeit die riesigen Eruptivgebiete mit ihren Plateaus, wie z.B. das Kerguelen-Plateau, Ontong-Java-Plateau, die Dekkan-Trapps und auch die Sibirischen Trapps."

Auch hier gibt es Probleme: Auf den meisten pazifischen Inseln findet sich eine endemische Fauna und Flora. Wie konnte die sich so schnell (er legt seine Kollision ja immerhin in "geschichtliche Zeit") entwickeln? Und die grossen Plateaubasalte sind gut datiert. Dekkan zB. genau 65 Mio Jahre, Sibirische Trapps rund 250 Mio Jahre. Womit wir wieder bei seinem Datierungsproblem waehren. Und auch ein kleines zeitliches Problem kommt noch hinzu. So findet sich z.B. zwischen den einzelnen Lavastroemen des Dekkan Trapps auch Phasen von lateritischer Verwitterung. Das zeigt, das zwischen den Eruptivphasen ein erheblicher Zeitraum gelegen haben muss, zumindest mehr als die Tage, Wochen und Monate, die Ellmann hier sieht.

Eine ganz besondere Schote ist seine Erklaerung des Ostafrikanischen Grabens:
"Die Entstehung des Ostafrikanischen Grabensystems läßt sich ebenfalls erklären. Konzentrisch um die tiefste Stelle in der Magma-Rinne des Indischen Ozeans brachen die östlichen Plattenanteile der jetzigen Afrikanischen Platte an der geschmolzenen Stauchungslinie ein und der Magmaabfluß unter der Platte in Richtung Indischer Ozean ließ in kürzester Zeit das Grabensystem nach unten absinken."

Aha. Aber warum ist dann das Gebiet ein Hochland? Die gaengigen geologischen und geophysikalischen Untersuchungen zeigen eigendlich ein sogenanntes "updoming". Das heisst, Ostafrika steigt auf und sinkt nicht ab. Die Schultern des Ostafrikanischen Grabens liegen auf weit ueber 1000, stellenweise sogar ueber 2000 m.

"Es ist auch kein Zufall, daß der Ayers-Rock sich in der Mitte des Australischen Kontinents befindet. Dort war der Druck unter dem Sockel infolge fehlender Ausweichmöglichkeit am höchsten und ließ ebenfalls in kürzester Zeit diese Felsformation durch die Lithossphäre nach oben steigen."

Soll das ein Witz sein? Ayers Rock besteht aus Sandstein. Will er damit sagen, das der Erdmantel (der jedenfalls befindet sich UNTER der Lithosphaere) aus Sandstein besteht?

Das Kapitel Polvereisung ist auch eine Mischung aus Phantasie und falschen Behauptungen. Es gab durchaus Eiszeiten in frueheren Erdzeitaltern. Und die Mammuts sind mit nichten "schockgefroren". Sie starben alle eines durchaus natuerlichen Todes, als sie im Schlamm steckenblieben. Die Geschichte der angeblich schockgefrorenen Mammuts ist ein Maerchen.

Das Kapitel "Sintflut" hat dann nur noch den Charakter einer besseren Anekdote. Allerdings frage ich mich, wo er den "radioaktiven Fallout" hernimmt, vor allem, wenn er im naechsten Kapitel Zerfallsprozessen nur eine untergeordnete Bedeutung beimisst.

Und den "Folgen fuer die Geowissenschaften" vermag ich auch nicht so recht zu folgen. Ich sehe vor allem die Gefahr von Bauchmuskelkater. Warum radioaktive Datierungen wegen der postulierten Kollision unmoeglich sein sollen, weiss wohl nur der Autor alleine.

Dem Rest kann ich endgueltig nichts relevantes mehr abgewinnen. Wenn man aber das vorgelegte Szenario mal konsequent durchdenkt, duerfte der beste Gegenbeweis sein, das wir dazu in der Lage sind, dieses zu tun. Eine Kollision mit den vorgeschlagenen Partnern Erde vs Himmelskoerper mit 200 000 km/h und 4-5000 km Durchmesser) haette sicher schwere Folgen fuer das Leben auf der Erde. Selbst bei einem "Streifschuss". Das letzte Ereignis dieser Kategorie formte vor rund 4 Mrd Jahren wahrscheinlich den Mond. Bei einer Kollision wie der beschriebenen waehren sicher ein grosser Teil des Himmelskeorpers und der Erde verdampft. Man braucht nur mal die kinetische Energie abzuschaetzen. Wenn also dieses Ereignis in den letzten 13 000 Jahren stattgefunden haben soll und Menschen es ueberlebt haben sollen, dann sollte auch eine geochemische Spur des Himmelskoerpers zu finden sein. Da es die aber nicht gibt, endet hier die Theorie und damit auch die Geschichte.

Es gibt alte Seekarten aus dem Mittelalter (Piri Reis 1513; Mercatokarte 1569, Buachkarte 1737), welche den Antarktischen Kontinent eisfrei, mit Flüssen, Bergen, Buchten und richtiger Verteilung der Landmasse auf die beiden Großinseln wiedergeben (9). An der Echtheit der Karten bestehen keine Zweifel. Es muß also "Jemanden" gegeben haben, der diesen Kontinent eisfrei gesehen hat. Das kann nur vor der "Eiszeit" gewesen sein, d.h. vor der Erdachsen- Kippung und somit vor der Kollision. D.h. aber auch: in geschichtlicher Zeit!

Wer sich die Karten schon mal genauer angesehen hat, dem duerfte aufgefallen sein, das die Piri Reis Karte zB. alles, aber nicht die genauen Kuestenlinien der Antarktis nachzeichnet. Denn wenn ich mich an meinen Atlas erinnere, haengen Suedamerika und Antarktis nicht wirklich zusammen, oder? In wirklichkeit hat das, was Piri Reis dort im Sueden eingezeichnet hat, nicht die geringste Aehnlichkeit mit der Antarktis, ob mit oder ohne Eis. Kann jeder mit Hilfe eines Atlasses leicht nachvollziehen. Ich kann hierzu nur Gregory C. McIntosh´s Seite empfehlen: The Tale of Two Admirals


© 2001 Gunnar Ries


Hosting by WebRing.