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Die Expandierende Erde

Einige Bemerkungen zu Webseiten über Erdausdehnung

Auf dieser Seite werden einige Behauptungen über eine mögliche Erdausdehnung auf verschiedenen Webseiten untersucht. Zumeist handelt es sich um Usenet Posting zu diesem Thema von mir.


From gunnar_ries@gmx.de Sat Dec 29 00:52:15 2001
Newsgroups: de.alt.soc.verschwoerung
Subject: Expanding Earth
From: gunnar_ries@gmx.de (Gunnar Ries)
Date: Fri, 28 Dec 2001 23:52:15 GMT

Hallo Leute,

hier aml ein paar Bemerkungen zu der Seite von
http://www.expanding-earth.org/

Es fängt ja oft schon mit Kleinigkeiten an.

"The goal of this website is to persuade viewers that subduction,
the keystone of plate tectonics dogma, is false, and to
demonstrate that the Earth is gradually increasing in both mass
and diameter.  The empirical evidence shows that the planet MUST
GROW AND EXPAND!!"

Schreien, hier in diesem Fall Grossschrift, im Original mit Font
size = 4 bringt auf jedenfall Punkte auf der Crackpotscala.
Allerdings stellt es nicht wirklich ein schlagendes Argument dar,
denn wer schreit, dem fehlen meist die Argumente. Bemerkenswert
ist, das es sich um die ersten (!) textlichen Aussagen der Seite
handelt.

Für die Schöpfung des Begriffes "Accreation" möchte ich den
Autoren für die goldene Zitrone im Bereich der Wissenschaft
vorschlagen.

Sein Vorschlag, die Aufnahme von kosmischen Material für die
Expansion der Erde verantwortlich zu machen, kann jeder gerne
selber durchrechnen. 
Pro Jahr fällt eine Masse von 4*10^7 kg an kosmischem Staub.

Die Masse der Erde beträgt5,98*10^24 kg

Das ist auf jedenfall entschieden zu wenig, um die beobachteten
Spreizungsraten an den Mittelozeanischen Rücken zu erklären. 

Und da es im Atlantik keine die Spreizung kompensierende
Subduktionszone gibt, muss es in der Tat so sein, das die
Spreizungsrate in den Subduktionszonen im Pazifik kompensiert
werden muss.

Womit wir allerdings zu einer echten Lüge kommen:
"Third, in the past 30 years not one scientist has demonstrated
that subduction is causing the Pacific Ocean basin to decrease in
size or that any oceanic island is today even one centimeter
closer to a nearby continental shelf.  The case for subduction has
not been proved!"
 In diesem Textstück werden sowohl "not one scientist", "decrease
in size" und "The case for subduction has not been proved"
fettgedruckt hervorgehoben. 
Die Subduktion wurde seismisch schon in den zwanziger Jahren von
dem japanischen Geophysiker Kiyoo Wadati  sowie später vom
Amerikaner Hugo Benioff nachgewiesen. Mit modernen seismischen
Methoden lassen sich sogar die Ober- und die Unterseite der
subduzierten Platte nachweisen. Und mittels moderner geodätischer
Methoden wie GPS und VLBI kann man die Plattenbwegungen direkt
messen. Und so schrumpft der Pazifik wirklich, zumindest einige
der dortigen tektonischen Platten. Das ist unter anderem uch der
Grund für die Entstehung der Anden und der Rocky Mountains, der
Erdbeben an der Westküste des amerikanischen Doppelkontinents
sowie der dortigen explosiven Vulkane.


From gunnar_ries@gmx.de Mon Jan 07 19:01:46 2002
Newsgroups: de.alt.soc.verschwoerung
Subject: Re: Erdexpansion
From: gunnar_ries@gmx.de (Gunnar Ries)
Date: Mon, 07 Jan 2002 18:01:46 GMT

[...]

Habe mir die Seite mal etwas genauer angesehen.

>
>Zum Beispiel auf:
>http://www.geocities.com/CapeCanaveral/Launchpad/6520/

>

"In the concept of Global Expansion 
Tectonics, prior to the Early Jurassic, modern deep ocean basins
did not 
exist. All continental lithosphere was united to form a single
Pangaean super 
continent enclosing the Earth at a much-reduced palaeoradius, with
the volume of 
hydrosphere and atmosphere increasing with time in sympathy with
the volume of 
oceanic lithosphere."

Wenn vor dem Jura keine Tiefseebecken ähnlich den heutigen
existiert haben, dann kann es also auch keine Ozeane im heuitgen
Sin gegeben haben. Nur wie werden dann die geologischen Überreste
dieser Ozeane erklärt? Warum findet man in den Kaledoniden
Schottlands zu Beispiel Spuren eines alten Ozeans, dem Iapetus,
der ein Vorgänger des heutigen Atlantiks war? Heute ist nur noch
ein sogenannter Ophiolith on ihm übrig, ein Stück ozeanischer
Kruste und zu beiden Seiten eine verschiedene Fauna (!) die auf
eine deutliche räumliche Trennung hinweist. So kann man in
Nordschottland Trilobitenarten finden, die sonst nicht in Europa,
sondern in Nordamerika zu finden sind. Trilobiten sind aber nach
landläufiger Meinung Flachmeerbewohner. Was also hat die
verschiedenen Faunenprovinzen damals so wirksam getrennt? Ein
Ozean wäre eine gute Erklärung, aber den kann es ja nach der
GET-Theorie damals nicht gegeben haben.

"Oceanic areas during the pre-Jurassic were considered to be
represented by 
shallow, intra or epi-continental seas, with deposition of
sediments within 
deeper "geosynclinal" sedimentary basins masking all evidence of
sea floor 
spreading."

Diese "geosynclinal basins" sollen also ehemailge Ozeane
vorgaukeln. Nun bestehen die Ophiolithe aber nicht nur aus
Tiefseesedimenten, sondern auch aus eben den Ophiolithsequenzen,
das heisst Kissenlaven, den sogenannten "sheeted dyke Komplexen",
Hazburgiten etc. Also allem, was auch die heutige ozeanische
Kruste zu bieten hat. Es hat also auch damals "sea floor
spreading" gegeben. Damit diese Gesteine nun hoch und Trocken
inmitten der heutigen Gebirge (auch der ehemaligen oder alten
Gebirge, nicht nur der jungen alpidischen) liegen, muss auf die
Phase der Dehnung auch eine Phase der Einengung gefolgt sein. Das
allerdings funktioniert bei einer ausdehnenden Erde nur schlecht,
zumindest im hier zu findenden grossen Masstab. Geht es doch um
einige 1000 km Einengung.

"Pre-Jurassic small Earth models for the 
Palaeozoic and Neoproterozoic indicate that the primordial
Archaean Earth 
("Primordia") was approximately 1700 kilometres radius, and
remained 
relatively static throughout the Archaean to late Mesoproterozoic.
This accords 
well with published literature which suggests that there is no
evidence for 
Earth expansion prior to the Mesoproterozoic, and the scarcity of
evidence for 
horizontal crustal movements places constraints on the extent of
expansion prior 
to the upper Proterozoic."

Mir ist hier nicht ganz klar, ob zu dieser Zeit (Proterozoikum ~
2500 - 570 Mio Jahre) die Erde demnach statisch war, also
keinerlei Anzeichen von Tektonik aufweisen soll. Allerdings gibt
es Ophiolithe, die gut 2000 Mio. Jahre alt sind. Das spricht nun
eher für Einengung denn für Dehnung zu dieser Zeit.

Für die Zeit des Proterozoikums (2500 Mio a.) gibt es Hinwesie auf
einen oder auch zwei damalige(n) Superkontinent(e). Ein Grossteil
der heutigen kontinentalen Kruste wurde bereits im Archaikum (vor
2500 Mio.a.)  gebildet. Auch hier finden sich viele Anzeichen, die
eher für Einengung als Dehnung sprechen. Auf jedenfall hat weit
mehr Bewegung (lateral) stattgefunden, als die rund 60 Kilometer
Ausdehnung, die hier von den GET-Leuten vorgesehen sind

"The increase in palaeoradius during 
the Archaean to late Mesoproterozoic was approximately 60
kilometres."

Was das Kapitel "What about orogenesis?" angeht, so ist es sicher
notwendig, auch laterale Verschiebungen in die Erdexpansion
einzubauen, denn die Anzeichen für Einengung bei allen
Faltengebirgen sind doch etwas zu deutlich. Allerdings fehlt nach
wie vor eine Erklärung, wie denn die Gebirge vor (!) der
alpidischen Gebirgsbildung entstanden sind. Waren da doch laut GET
die Kontinente alle zusammen und ohne trennende Ozeane. Wie also
sind die Kaledoniden, Svecofenniden etc entstanden? Wie konnte es
damals zur Entstehung von Ophiolithen und eindeutiger Einengung
kommen? 
Besonders die skandinavischen alten Gebirge sind da ein Problem.
Die svekofennische Gebirgsbildung ist auf gute 2000 Mio. Jahre
datiert, also zu einer Zeit, woe sich die Erde maximal um rund 60
km ausgedehnt haben soll.Auch die etwas jüngere gotische (1800 Mio
a.) und die dalslandische (1000 Mi.a.) Gebirgsbildung sind ein
kleines Problem.
Und beim kaledonischen Gebirge (s.o., 400 Mio Jahre vor heute) ist
immerhin ein veritabler Ozean verschwunden (Iapetus), als
Grönland, Nordamerika und Europa zusammenstiessen. Damit hatte
sich nach der Plattentektonik Pangäa erst gebildet. Auch eine
GET-Theorie kommt um eine Erklärung hier nur schwer herum.

Bei "what about subduction" wird auf alles, aber nicht auf die
geologischen Belege für Subduktion eingegangen. Muss man dazu noch
Stellung nehmen?

Und auch was die Paläomagnetik angeht, naja.

[...]


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