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Gab es Menschen vor den Menschen

Bemerkungen zu dem Artikel von Michael Kneissler im PM-Magazin, Juli 2002

In diesem Artikel der Zeitschrift PM wird die Frage aufgeworfen, ob nicht die Vorfahren der Menschen gemeinsam mit den Dinosauriern gelebt haben können. Diese steile These sollen angeblich neue, rätselhafte Funde untermauern können. Das es sich aber bei genauerem Hinsehen weder um spektakuläre Funde noch um eine unter Fachleuten heiß diskutierte These handelt, wird von dem Autor natürlich nicht angesprochen. Vielmehr wird klar, das es sich hier um eine alte pseudowissenschaftliche Taktik handelt, die man auch in anderen einschlägigen Werken findet. Und die Quellen, die dem Artikel zugrunde liegen, sind auch nicht unbedingt seriöse Paläoanthropologen, sondern amerikanische und deutsche Kreationisten. Denn hier hat sich der Autor fleißig bedient, allerdings ohne seinen Lesern darzulegen, das die Diskussion dieser angeblich so unerhörten Funde in Amerika längst gelaufen ist und selbst kreationistische Kreise schon seit längerer Zeit davon abgerückt sind.
Aber wir wollen hier der Reihe nach vorgehen und uns mal die Fakten hinter den Behauptungen ansehen:

Dass Paläoanthropologen durchaus streitbar sind und manchmal fragwürdige Methoden gegeneinander anwenden, ist keine so weltbewegende Tatsache (Luyken 2002) Allerdings ist die Behauptung, das es Paläoanthropologen gäbe, die den ersten Menschen zeitgleich mit den Dinosauriern sehen, sehr steil. Vor allem, wenn man den Beleg bzw. die Quelle für derartige Behauptungen schuldig bleibt. Aber hier handelt es sich ja quasi um die Arbeitshypothese von Herrn Kneissler und daher wäre es sicher schon interessant, welche (anerkannten) Forscher derartige Thesen vertreten.

Das der Autor sich nicht gerade mit den Grundlagen befasst hat, bevor er seinen Artikel für PM schrieb, wird schnell klar.

„Denn was wäre, wenn unsere Vorstellung von der Evolution sich plötzlich als falsch erwiese? Wenn es gar keine lineare Entwicklung vom primitiven Einzeller zum höchst differenzierten Menschen gegeben hätte? Wenn die Evolution in Wahrheit sprunghaft verliefe: hü und hott zur selben Zeit, nur an verschiedenen Orten - ein heterogenes Durcheinander von Weiterentwicklung und Rückschritt? Wie würde die Menschheit reagieren, wenn sich herausstellte, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind, sondern eine Laune der Natur?“
Der Verlauf der Evolution wird durchaus nicht (nur) linear gesehen. Sprünge sind bekannt und der Mensch wird gemeinhin nicht als „Krone der Schöpfung“ angesehen. Denn die Evolution kennt weder Ziel noch eine Richtung. Das einzige, was der Autor hier deutlich macht, ist seine Ahnungslosigkeit in Sachen Evolution. Das hat ihn leider nicht davon abgehalten, sich über dieses Thema zu verbreiten. Er versucht vielmehr, ein populäres Märchen als Status quo in der Wissenschaft hinzustellen, um es dann ebenso werbewirksam zu zerstören. Ein Vorgehen, das ich unter die Rubrik „Pseudowissenschaft“ stellen möchte.

Nach dieser Exkursion in populäre Märchen und Irrtümer des Autoren lässt er einen der bekanntesten Paläoanthropologen Deutschlands zu Wort kommen: Friedemann Schrenk. Allerdings darf er sich nicht zu den vorhergegangenen Irrtümern des Autoren äußern, sondern stellt einige wissenschaftstheoretische Überlegungen zu den Grundlagen der Paläoanthropologie als historische Wissenschaft an.

„Schrenk: »In der Paläoanthropologie können keine Richtig- oder Falsch-Antworten erwartet werden, sondern lediglich Hypothesen, die wahrscheinlicher sein können als andere. Von einer historischen Wissenschaft wie der Paläoanthropologie, die ohne Inschriften und menschliche Zeugnisse auskommen muss, mehr zu erwarten wäre unrealistisch, und ebenso wäre es von ihren Vertretern unredlich, den Eindruck zu erwecken, dass mehr möglich wäre.«“
Leider übersieht Herr Kneissler, das hier nicht auch den unwahrscheinlichsten Theorien das Wort geredet wird. Und schon gar nicht handelt es sich hier um einen Freibrief, auch kreationistische Sichtweisen gleichberechtigt neben den gängigen wissenschaftlichen Theorien zur Menschwerdung zu behandeln, aber dazu später mehr. Denn als nächstes folgt eine wenn auch eine bis ins groteske vereinfachte Darstellung der gängigen Theorien. Aber diese stellt der Autor sofort wieder in Frage:

Aber ergeben alle mit diesen wissenschaftlichen Methoden durchgeführten Analysen tatsächlich ein so einheitliches Bild, dass nur eine einzige, mehrheitlich gebilligte Evolutionstheorie dadurch bestätigt wird - und sonst nichts? Keinesfalls, wie Funde von Dino Forschern in Amerika nahe legen.“
Was hier so herrlich wissenschaftlich klingt, wird sich bei näherem Hinsehen als eine krude Mischung aus dreisten Lügen und kreationistischen Quellen entpuppen. Denn auch wenn die Verwendung des Wortes „Dino-Forscher“ Seriosität vorgaukeln soll, so handelt es sich hier nicht um Vertreter von Universitäten oder anerkannten Forschungsinstituten, die derartige Funde gegen die Evolution ins Felde führen, sondern mehrheitlich im amerikanische und deutsche Kreationisten. Leider veranlasst das den Autoren nicht zu einer kritischen Distanz, sondern er übernimmt die Funde ohne sie in irgendeiner Weise zu hinterfragen. Das wird im weiteren Verlauf mehr als deutlich.

„Im Tal des texanischen Paluxy River, einem nicht sehr eindrucksvollen Flüsschen in der Nähe des Ortes Glen Rose, fanden Forscher schon Im vergangenen Jahrhundert Spuren von Saurierfüßen. Tief hatten sie sich vor Millionen von Jahren in die Kreideböden eingedrückt - kein Wunder, es handelte sich schließlich um den Brontosaurus und den Tyrannosaurus Rex, die bis zu 70 Tonnen schwer werden konnten. Solche Spuren sind an sich nichts Besonderes, Außergewöhnlich aber: Im Flussbett des Paluxy fand man auch eine ganze Reihe kleinerer Fußspuren, die durchaus von Menschen stammen könnten“
Diese Spuren gibt es wirklich. Auch die menschenähnlichen. Allerdings ist die Diskussion darüber schon seit Mitte der 1980´er gelaufen. Es hat sich nämlich sehr zum Schrecken der amerikanischen Kreationisten herausgestellt, das es sich auch bei den menschenähnlichen Spuren um die Fußabdrücke von Dinosauriern handelt. Zuvor allerdings waren die sogenannten „Man Tracks“ ein gefundenes Fressen für die wachsende Gemeinde der amerikanischen Kreationisten, die endlich einen Fund hatten, der die Evolution widerlegen und die biblische Schöpfung sowie die Fossilbildung durch Noahs Flut belegen konnte (Burdick, 1950, Whitcomb & Morris 1961).
Dabei soll jetzt keine Rolle spielen, dass manche der frühen kreationistischen Schriften sich auf tatsächlich gefälschte Menschenspuren bezogen (Morris 1980).

In den 1970´er Jahren wurden die Menschenspuren des Paluxy River regelmäßig in kreationistischen Schriften behandelt. Besonders hervorzuheben sind hier die Arbeiten aus der Bible-Science-Association (BSA) und dem Institute of Creational Research (ICR). Der Höhepunk war zweifellos das Buch von Morris 1980, der am ICR tätig war. Dieser Morris war im Übrigen der Sohn des Direktor des ICR, Henry Morris, dem Co-Autoren von Whitcomb & Morris 1961.
Die Schulwissenschaft ignorierte diese Schriften und die vermeintlichen Menschenspuren lange Zeit. Wenn sich dennoch mal ein seriöser Wissenschaftler des Problems annahm, dann wurden die Spuren generell als gefälscht, Erosionsspuren oder Fußabdrücke zweibeiniger Dinosaurier angesehen (Langston 1979). Diese Darstellung trifft allerdings nicht voll die Tatsachen. Denn es finden sich neben Fälschungen und deutlichen Erosionsmarken eben auch menschenähnliche Fährten, die deutlich von zweibeinigen Wesen stammen müssen.
Inzwischen wurden einige der dort arbeitenden Kreationisten immer wagemutiger. Ein Baptistenprediger namens Carl Baugh, der angeblich mehrere akademische Titel in Naturwissenschaften und Theologie erlangt haben will, allerdings aber nach Kuban (1989) keinen besitzt, trat in die Bildfläche. Baugh will sogar erkennen können, ob die betreffende Spur von einem Mann oder einer Frau stammt (Baugh 1982).

Als die angeblichen Menschenspuren dann von Paläontologen untersucht wurden, konnten auch hier Dinosaurier als Verursacher dingfest gemacht werden. Allerdings zeigte sich auch, das man über die Fortbewegung von Dinosauriern noch lange nicht alles weiß. Denn die länglichen Spuren machten deutlich, das Saurier nicht nur, wie bislang angenommen, auf den Zehen gingen, sondern einige Spezies zumindest teilweise den gesamten Fuß, also inklusive der Sohle bis zur Ferse, aufsetzten, manche Dinosaurier wechselten sogar ihre Gehweise innerhalb einer Spur (Kuban 1986a).
Hinzu kommt, das sohlengängerische Dinosaurierspuren ohne die charakteristischen Saurierzehen menschlichen Spuren durchaus entfernt ähnlich sehen. Daher dürften auch die frühen Sichtungen sogenannter „Riesenspuren“ stammen. Vor allem, wenn man bedenkt, das solche Spuren in der Gegend um Paluxy wohl häufig zu finden sind.

Einige weitere Hinweise darauf das Dinosaurier die Urheber der Spuren waren, fanden sich in der sogenannten Taylor Site, wo die Spuren nicht nur durch ihre Topographie begrenzt waren, sondern noch deutlicher durch Verfärbungen, die von blaugrau bis rostrot reichten. Diese Verfärbungen enthüllten nach Kuban (1986b) und Hastings (1987) auch bei den menschenähnlichen Spuren deutliche Saurierzehen eines dreizehigen Dinosauriers. Die Sedimentverfärbungen werden auf sekundäre Sedimentfüllungen der Spuren kurz nach ihrer Bildung zurückgeführt. Je mehr diese sekundären Verfüllungen jetzt aus der Spur herauswittern, desto mehr verwandelt sich die einstmals entfernt menschenähnliche Spur wieder in die ursprüngliche Saurierspur zurück. Inzwischen wurden auch außerhalb des Gebietes um Paluxy Spuren von Sauriern als Sohlengänger gefunden, ebenso wie Spuren mit vergleichbaren charakteristischen Sedimentverfüllungen.
Schon bald nach diesen Veröffentlichungen begannen immer mehr Kreationisten von den Behauptungen Carl Baughs abstand zu nehmen. Im Laufe der Zeit wurden die angeblichen Menschenspuren von vielen Vertretern kreationistischer Sicht nicht mehr als Beleg für ihre Thesen verwendet (Burrows. 1986, Morris 1986a, b, Scherer & Wiskin 1986). Heute wird nur noch von einigen unentwegten die Behauptung aufrechterhalten, das es sich unter den Spuren im Paluxy Gebiet menschliche Fußabdrücke befinden, zu ihnen gehört neben Carl Baugh (Holden 1996) auch der Solinger Bauingenieur Zillmer (1998).

Es ist also nicht so, wie Kneissler in seinem Artikel behauptet, das eben einfach Fälschungen angenommen werden. Und es gibt zwischen „Menschlicher Spur“ und „Fälschung“ eben auch noch „Fehlinterpretierte Saurierspur“.

Die Dinosaurierspuren allerdings sind wissenschaftlich interessant, weil sie nach Thomas & Farlow (1998) Szenen einer Dinosaurierjagd zeigen könnten. Datiert werden die Spuren in der Glen Rose Formation in die Unterkreide, an die Grenze von Aptium und Albium mit 113 Millionen Jahren (Young 1974, Bergan & Pittman 1990)

„Die Fußspuren im Paluxy River dagegen können nach Expertenmeinung kaum nachgemacht sein, das sei technisch nahezu unmöglich. Wurde die Fußform vielleicht zufällig aus dem Gestein herausgewaschen? Dagegen spricht, dass die Spuren ganze Schrittfolgen ergeben. Andere Forscher sagen, sie könnten von kleineren Sauriern stammen aber hieb und stichfeste Belege für diese Meinung gibt es auch nicht.“
Die Belege waren immerhin so hieb und stichfest, dass der Grossteil der amerikanischen Kreationisten ebenso wie die deutschen um die Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ (Scherer & Wiskin 1986) die vermeintlichen Menschenspuren ad acta gelegt haben. Kneissler unterschlägt hier seinen Lesern, das die Diskussion um die Paluxy-Spuren bereits seit rund 15 Jahren eindeutig in die Richtung Saurierspuren geht. Hier wird also ein angebliches Rätsel wieder aufgewärmt, das bereits als erledigt betrachtet werden kann. Die Unterschlagung der Diskussion und das Festhalten an der „Menschenspuren“-Deutung neben Fotos, als deren Quelle Zillmer angegeben wird, lässt hingegen die Vermutung zu, das Kneissler durch die Werke Zillmers beeinflusst wurde. Das wird auch bei der Betrachtung der weiteren angeblichen Funde deutlich, die Kneissler als Stütze anführt, das etwas mit dem herkömmlichen Bild in der Paläoanthropologie nicht stimmen kann. Da wäre z.B. der angebliche Fußabdruck eine Kindes.

„Im US-Staat Utah fanden Forscher den versteinerten Fußabdruck eines Kindes, das beim Gehen anscheinend einen lebenden Trilobiten, ein Urzeit-Wesen, zertreten hatte. Die Trilobiten sind nach der ,vorherrschenden Auffassung unter Wissenschaftlern jedoch·vor 500 Millionen Jahren ausgestorben“
Auch hier findet sich wieder die Verwendung des Wortes „Forscher“, wo eindeutig auf kreationistische Quellen um Carl Baugh zurück gegriffen wird. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um den als „Meister-Fußabdruck“ in die Literatur eingegangenen Fund. Dieser wurde 1968 von einem Fossiliensucher Namens William J. Meister in Utah gefunden. Der Fund lag in der Wheeler Formation, die in das mittlere Kambrium gestellt wird. Angeblich handelt es sich um den Abdruck einer Sandale, die einen Trilobiten zertreten hat. Wenn der Fund echt wäre, würde er die Verwendung von Schuhen vor über 500 Millionen Jahren belegen. Wie Kneissler nun allerdings auf den Abdruck eines Kindes kommt, ist rätselhaft, misst der Abdruck doch 10,5 inch in der Länge (26,6 cm) und 3,5 inch (8,8 cm) in der Breite. Die parallele Benennung des Fundortes, der Zeit und des zertretenen Trilobiten deuten jedoch auch bei dem Kneissler-Artikel auf den Meister-Print hin. Dieser angebliche Schuhabdruck fand in der Kreationistischen Literatur eine große Resonanz als Beleg gegen Evolution und die herkömmliche geologische Zeittafel (Kofahl & Segraves, 1975; Baker, 1976; Huse, 1983, Zillmer 1998).

Allerdings ist die Deutung als „Schuhabdruck“ zweifelhaft. Wie bereits Conrad (1981) und Stokes (1986) feststellten, (entgegen Zillmer 1998) ähnelt der Abdruck den in der Nähe gefundenen Konkretionen sehr. So stellt auch der angebliche Schuhabsatz einen durch den gesamten Gesteinskomplex gehenden Sprung dar. Auch fand sich kein Hinweis, das der Abdruck Teil einer Schrittfolge ist, noch finden sich irgendwelche Hinweise, das eine Fußbewegung stattgefunden hat. Überhaupt ist noch nicht einmal belegt, das der Abdruck parallel zur Gesteinsschichtung läuft. Ähnliche Formen werden in der Wheeler Formation sehr oft gefunden, sie sind mal rund, mal länglicher und ihre Entstehung durch eindringen von Lösungen und Verwitterung wird von Stokes (1986) ausführlich diskutiert. Auf jeden Fall fehlt diesem Abdruck jeglicher Hinweis, jegliches Kriterium, an denen ansonsten menschliche Abdrücke identifiziert werden. Auch hier findet sich wieder die Tatsache, das viele Kreationisten den Fund seit einiger Zeit nicht mehr als Beleg verwenden, nur noch einige unentwegte halten an ihm fest.

Vor allem die Vermengung dieser angeblichen Funde von Menschen und anderen Urzeitwesen, wie sie immer wieder von Kreationisten vorgebracht werden, mit den Funden von Laetoli (Tansania) ist seltsam. Denn die Spuren von Laetoli stammen unbestritten von unseren Vorfahren.

„Solche Funde erschüttern die bisherige Vorstellung einer durchgängigen Evolution des Menschen, die in Afrika ihren Anfang nahm. Da passt ins Bild, dass möglicherweise der moderne Homo sapiens nicht erst vor 500000 Jahren, sondern ebenfalls viel früher auftauchte. In Laetoli (Tansania) fanden Paläoanthropologen mit dem so genannten Kalium-Argon-Verfahren in einer Vulkanascheschicht die Abdrücke von Füßen, die exakt den unseren entsprechen. Ihr Alter wird auf 3,6 bis 3,8 Millionen Jahre geschätzt – nach gängiger Lehrmeinung kann es solche Fußformen zu dieser Zeit noch gar nicht gegeben haben.“
In dieser Textpassage wird schnell deutlich, das der Autor sich keine grosse Mühe beim Recherchieren gemacht hat. Denn es finden sich einige interessante Unstimmigkeiten darin. Erstens sind nämlich die Spuren nicht mit der Kalium-Argon-Methode gefunden worden. Das kann die Methode auch überhaupt nicht leisten. Es handelt sich nämlich schlicht um eine Methode zur Altersbestimmung. Daher ist die Altersangabe auch keine Schätzung, sondern basiert auf der Messung mit der Kalium-Argon-Methode. Einer netten Anekdote nach (Agnew & Demas 1999) wurde der Tuff mit den Hominidenspuren gefunden, als sich einige Wissenschaftler unter der Leitung von Mary Leakey mit getrocknetem Elefantenkot bewarfen und einer der Beteiligten den Geschossen ausweichend zu Boden ging. Zweitens vermutet auch wohl kein Paläoanthropologe einen Homo sapiens als Urheber der Spuren, denn (hier stimmen die Angaben) der taucht erst vor rund 500 000 Jahren auf der Erde fossil belegt auf. Hingegen gibt es aber Fossilien, die als Verursacher der Spuren gut in Frage kommen, da sie nicht nur in anderen Gegenden in der fraglichen Zeit lebten, sondern auch in der Umgebung von Laetoli gefunden wurden. Das sind die Australopithecinen, deren berühmteste Vertreterin, „Lucy“ 1974 in Äthiopien gefunden wurde. Lucy gehört der Spezies Australopithecus afarensis an. Deren Fossilien mit einem Alter vergleichbar der Spur fanden sich auch in Laetoli. Auch wenn noch keine letzte Sicherheit besteht, ob es A. afarensis oder vielleicht eine andere Australopithecus Art gewesen ist, so gilt dennoch als gesichert, das die Australopithecinen aufrecht gingen. Ihre Beinknochen und ihr Becken wiesen schon weitgehend die erforderlichen Anpassungen auf. So zeigt sich beim Menschen ein charakteristischer Winkel zwischen Knie und Oberschenkel, der sogenannte Valguswinkel. Er ist dafür verantwortlich, das wir unseren Fuß unter unseren Körperschwerpunkt bringen können. Bei Menschenaffen ist der Winkel stumpfer, Oberschenkel, Knie und Unterschenkel bilden eine Linie. Sie können zwar aufrecht gehen, dabei aber ihren Fuß nicht unter ihren Körperschwerpunk bringen, was zu dem charakteristische watschelndem Gang führt. Beim A. afarensis gleicht der Valguswinkel dem des heutigen Menschen. Der Mensch kann auch sein Knie beim gehen durchdrücken, was einem Schimpansen schwer fällt. Er verbraucht daher unverhältnismäßig viel Kraft , um den Körper zu stützen. Das durchgedrückte Knie beim Menschen kann hingegen während der Standphase des Beines beim Schreiten durchgedrückt und regelrecht verriegelt werden. Das verringert die Kraft, die zur Stützung des Körpers notwendig ist. Auch A. afarensis konnte sein Knie durchstrecken. Zudem war sein Becken bereits sehr menschenähnlich. Es ist erheblich kürzer und breiter als das Becken der Menschenaffen . A. afarensis dürfte also zu einem vollkommen schreitenden Gang fähig gewesen sein, der wahrscheinlich dem des anatomisch modernen Menschen grundsätzlich, möglicherweise sogar in Einzelheiten glich(Lovejoy 1988).

Und ob es nach gängiger Lehrmeinung zum Zeitpunkt der Entstehung der Fußspuren-Tuffe bei Laetoli noch keine moderne Fußform gegeben haben könne, sei mal dahingestellt. Zumindest seit der Entdeckung der Hominidenspur wird nämlich genau das angenommen, nämlich das damals Hominiden anatomisch moderne Füße besessen haben. Möglicherweise ist die Zweibeinigkeit und damit der aufrechte Gang die ursprünglichste „Erfindung“ der Hominiden (Lewin 1992). Die Hominidenspuren von Laetoli geben uns einen wohl einmaligen Einblick in die Fußanatomie und die Art und Weise des aufrechten Ganges der damaligen Hominiden. So ist bei den Spuren die Brücke des Fußes gut entwickelt und der Große Zeh steht parallel mit den anderen Zehen, ebenso wie es beim modernen Menschen der Fall ist (Leakey & Hay 1979, Hay & Leakey 1982)

Nach dieser interessanten Vermengung von vorgeblichen und tatsächlichen Funden folgt dann ein Schwenk in den bereich der Legenden und Märchen.

„In unserem heutigen Weltbild ist kaum Platz für die Idee, dass die Menschheit so alt ist wie die Saurier. Aber ausgeschlossen ist es nicht, dass damals schon Zivilisationen existierten. Auf den berühmten Steinen von Ica, einem Dorf in Peru, sind Szenen zu sehen, in denen auch der Laie Menschen und Saurier erkennt. Auf diesen Steinen, angeblich Grabbeigaben aus uralten Zeiten, reiten menschenähnliche Wesen auf Sauriern; die Wesen nehmen Operationen selbst an Herz und Hirn vor und betrachten mit optischen Hilfsmitteln wie Lupe und Teleskop Sterne und verschiedene Pflanzen. Fälschungen? Wenn das zutreffen soll, hätte sich jemand eine geradezu übermenschliche Mühe damit gegeben: Um die 12000 bisher entdeckten Gravuren anzufertigen, hätte er bei täglich zwölf Stunden Arbeit über 80 Jahre gebraucht.“
Diese Steine von Ica tauchen nicht nur in der Literatur amerikanischer Kreationisten auf, sie spielen zunehmend auch in der deutschen Paläo-SETI Literatur eine Rolle und sie finden sich natürlich auch bei Zillmer (1998). Angeblich soll die schiere Zahl der Steine, 12 000, ein Beleg dafür sein, das sie nicht gefälscht sind. Wie Kneissler angibt, würde ein einsamer Fälscher bei 12 Stunden arbeit pro Tag 80 Jahre zu tun haben. Wenn nun aber mehrere Leute damit beschäftigt wären, sähe das natürlich schon wieder ganz anders aus.
Entdeckt wurden die Steine durch den peruanischen Arzt Dr. Javier Cabrera Darquea, der den ersten dieser Steine als Bezahlung von einem Farmer erhielt. Angeblich soll dieser Stein einen Pterosaurier gezeigt haben und Dr. Cabrera nahm auch weiterhin Steine mit Ritzzeichnungen entgegen. Nach Darstellung des Finders sollen die Steine in einer Höhle gefunden worden sein, nur hat niemand diese Höhle mit ihren angeblichen 50 000 bis 100 000 Steinen je untersuchen können, noch ist Außenstehenden ihre Lage bekannt. Jedoch werden in Ica heute von vielen Einwohnern derartige Steine hergestellt und an Touristen verkauft. Sogar der Finder der ersten angeblich echten Steine soll gegenüber den peruanischen Behörden zugegeben haben, die Steine nicht in einer Höhle gefunden, sondern selbst gemacht zu haben. Befürworter der Echtheit der Steine meinen, aus Angst vor den peruanischen Gefängnissen, da er ja archäologische Kulturgüter an Touristen verkauft hatte. Wie dem auch sei, bislang gibt es für eine Echtheit der Steine nicht den geringsten Beleg. Überhaupt gibt es noch weitere Probleme mit den Steinen. So soll ein Stein nach Dr. Cabrera einen bereits vor 5 Millionen Jahren ausgestorbenen Fisch zeigen. Allerdings konnte bislang nicht herausbekommen werden, um welchen Fisch es sich handelt und woran Dr. Cabrera den Fisch erkannt hat. Und das wäre sicher mal interessant zu erfahren.

Um die seltsame Mischung des Artikels noch zu komplettieren, sind da noch die Abbildungen. Diejenigen, die Belege gegen die gängige Lehrmeinung zeigen stammen aus dem Buch „Darwins Irrtum“ von Zillmer (1998). Und das wiederum lässt interessante Rückschlüsse auf die Quellen zu, aus denen Kneissler sich für diesen Artikel bedient hat. Unter diesen befindet sich auch der bekannte Hammer von London, Texas. Hierbei handelt es sich Laut Bildunterschrift um einen Hammer, der immerhin 140 Millionen Jahre alt sein soll, also aus einer Zeit stammt, in der es eigentlich noch keine Menschen, geschweige denn Hämmer geben dürfte. Zillmer (1998) gibt eine genauere Beschreibug des Hammers und seines Fundes. So soll der Stiel Außen versteinertes Holz und innen Holzkohle sein, der Hammerkopf besteht aus 96,6 % Eisen mit 2,6 % Chlor und 0,74 % Schwefel. Die Analysen sollen im Batelle Memorial Laboratory unternommen worden sein. Gefunden wurde er im Jahr 1934 in der Nähe der Kleinstadt London im Bundesstaat Texas, damals komplett im Sandstein eingeschlossen. Allerdings haben selbst kreationistische Autoren zugegeben, das der Stein mit dem Hammerkopf nicht direkt am anstehenden Fels befestigt gewesen ist (Mackay 1985).

Auch die abgerundete Form des Sandsteines um den Hammer deutet darauf hin, das er nicht erst gewaltsam vom Muttergestein gelöst wurde. Damit ist natürlich eine Gleichaltrigkeit von Umgebungsgestein und Hammer nicht mehr automatisch gegeben. Bei der Datierung des Fundes gibt es unter den Kreationisten bislang erhebliche Meinungsverschiedenheiten. So stellt Carl Baugh, der derzeitige Besitzer, ihn in das Ordovizium (Baugh 1986). Bei anderen Autoren schwanken die Datierungen etwas. So sieht Mackay (1983) ihn in Kalkstein von 300 Millionen Jahren, Mackay (1984) dann im Ordovizium, vor 400 Millionen Jahren, was allerdings, am Rande bemerkt, unteres Devon wäre.

Zillmer (1998) datiert ihn auf 140 Millionen Jahre und damit in die unterste Kreide. Diesen Angaben folgt dann auch Kneissler. Allerdings gehört nach Zillmer (1998) die Fundgegend ebenso wie die Gesteine des Paluxy River zum Llanos uplift, was sicher für ein kreidezeitliches Alter sprechen würde. In der Gegend um London / Texas stehen die Hensel Sandsteine der Travis Formation an, die mit 110 – 115 Millionen Jahren in das Aptium der Unterkreide gehören. Die Gesteine liegen unter denen der Glen Rose Formation. Auch wenn Zillmer (1998) behauptet, das der Hammer nach den vorliegenden Analysen nicht mit heute bekannter Technik und unter den heutigen atmosphärischen Bedingungen hergestellt worden sein kann, stellt Cole (1985) fest, das der Hammer vergleichbaren Hämmern gleicht, wie sie im 19. Jahrhundert bei amerikanischen Bergleuten in Gebrauch waren. Und das würde auch den Fund durchaus erklären können. Wenn damals ein Bergarbeiter seinen Hammer verloren hätte, könnten lösliche Minerale umgebendes Lockergestein um das Werkzeug gehärtet haben. Es bildet sich eine sogenannte Konkretion. Schon die Form des Hammers selber deutet auf ein, verglichen mit den aufgestellten Behauptungen, junges Alter hin. Warum sollte jemand, der vor mehr als 100 Millionen Jahren eine angeblich so überlegene Metallurgie besaß, einen Hammer herstellen, der ausgerechnet denen aus dem 19. Jahrhundert in Amerika gebräuchlichen ähnlich sieht?

Natürlich kann hier nicht jede Behauptung in dem Artikel überprüft oder gar eindeutig widerlegt werden. Das soll auch nicht der Zweck dieser Abhandlung sein. Vielmehr war das Ziel, die seltsamen Quellen des Artikels darzulegen und den sehr unkritischen Gebrauch, den der Autor von ihnen macht. Und wenn man dann kritisch an diese Quellen herangeht, dann braucht man auch nicht, wie der Herausgeber von PM in seinem Vorwort zum Juli 2002-Heft , von der Möglichkeit zu spekulieren, ob man nun die Geschichte der Menschheit umschreiben müsste. Denn so schlüssig sind die Argumente der Gegenspieler eben nicht. Und man muss eben auch sehr genau aufpassen, auf welche Quellen man sich stützt. Oder war das nur ein weiterer Versuch, den Kreationismus, wie er in Amerika schon lange wieder auf dem Vormarsch ist, auch hier in Deutschland den Boden zu bereiten?

Alle Zitate in Kursivschrift stammen aus Kneissler (2002)

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© 2002 Gunnar Ries