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Hohle Erde

oder wie Ignoranz alles möglich macht

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Gernot Geise´s Hohle Erde oder nicht
Der Text von Gernot Geise zeigt auf sehr anschauliche Weise, wie mit angeblichen Fakten und etwas Halbwissen aus den Geowissenschaften gepaart mit einer gehörigen Portion Ignoranz den tatsächlichen Fakten gegenüber fast alles "belegt" werden kann.
Aber eben nur "fast", denn wenn man den Sachen mal auf den Grund geht, bleibt meist nur heisse Luft übrig und auch die Hohle Erde löst sich dann in Wohlgefallen auf.
Betrachten wir also mal die Fakten etwas genauer:

Die Theorie von der festen Erdkugel mit einem festen Magmakern wird zwar inzwischen als allgemeingültig betrachtet, konnte jedoch bisher ebenso wenig bewiesen werden wie das Gegenteil, die Theorie einer innen hohlen Erde.
Hier haben wir schon die erste Behauptung. Natürlich ist die Massivität der Erde durch sehr viele geophysikalische Daten belegt, hingegen gibt es keine Daten aus dem Bereich der Geophysik, die auch nur in die Nähe kommen für eine hohle Erde zu sprechen. Das fängt bereits bei der Masse und der Massenverteilung des Planeten an. So hat die Erde eine mittlere Dichte von 5,52g/cm3, aber die Gesteine der Erdoberfläche und der Kruste haben nur Dichten zwischen 2,6 und 3,3 g/cm3. Wo sollten sich in einem hohlen Planeten die erforderlichen Massen befinden, um die Gesamtdichte zu erzeugen?

Die präsentierten Infrarotaufnahmen mit dem hübschen geschwärzten Pol sind jedenfalls kein Beleg für eine Öffnung am Pol. Zumal am Nordpol mittlerweile durchaus reger Reiseverkehr herrscht, ohne das jemand in das angebliche Loch gefallen ist.
Und das von den Forschungsstationen des Südpolargebietes "kaum" etwas an die Öffentlichkeit gelangt, ist weder besonders spektakulär noch ein Beleg für irgendwas ausser dem öffentlichen Desinteresse an den dortigen Forschungen.

Stichhaltiger scheint mir die Feststellung zu sein, dass die derzeitige Lage der Erdpole nie gleich war. Selbst heute driften sie, wegen der Schlingerbewegung der Erde (Präzession), über -zig Kilometer. Aus diesem Grund kennen wir den magnetischen und den geografischen Nordpol. Während der magnetische Nordpol wandert, wurde von den Kartografen der geografische Nordpol willkürlich festgelegt, um bei der ständig vorhandenen Polwanderung der Erde nicht laufend neue Karten zeichnen zu müssen. Allerdings ist auch der geografische Nordpol nicht fest fixiert. Auch er wandert, hervorgerufen durch die Bewegung der Erdoberfläche.
Eine seltsame Zusammenstellung. Die Präzession jedenfalls beeinflusst die Lage des Pols, weder des magnetischen noch des Rotationspols, nicht. Unter Präzession wird ein schwanken der Schiefe der Rotationsachse der Erde gegenüber der Ekliptik (scheinbaren Sonnenbahn) bezeichnet. Dabei verlagert sich die Rotationsachse im Raum, aber nicht in Bezug auf das geografische Koordinatensystem. Vergleichbares gilt auch für andere Bewegungen der Rotationsachse wie die Nutation und den sogenannten "Chandler-Wobble". Alle diese Bewegungen werden durch die verschiedenen Gravitationskräfte benachbarter Himmelskörper ausgelöst. Der magnetische Pol stimmt nicht mit dem geografischen Pol überein, der sich nämlich am Rotationspol orientiert. Die Abweichungen und Bewegungen des magnetischen Pols gegenüber dem Rotationspol entstehen durch dynamische Prozesse im Erdkern, der das Magnetfeld der Erde erzeugt. Ein weiteres Argument, das eben einer Hohlwelt widerspricht. Daneben gleicht das Magnetfeld der Erde nur sehr entfernt einem Stabmagneten mit festgelegten Polen. Und die Rotationsachse wandert nicht, sondern die Kruste der Erde verschiebt sich in Bezug auf die Rotationsachse im Rahmen plattentektonischer Prozesse. Das allerdings geschieht sehr langsam, mit maximal einigen cm pro Jahr. Es ist also nicht damit zu rechnen, das unsere Karten so schnell unbrauchbar werden.

Um nun auf die sogenannten Polöffnungen zurück zu kommen: wenn diese also polabhängig sein sollen, dann müssten sie bei jeder Polwanderung oder Polverschiebung mitgewandert sein. Zur Zeit, als Atlantis noch der "Mittelpunkt der Welt" war, als also der Nordpol in der norddeutschen Tiefebene lag (und damit die sogenannte Eiszeit verursachte) (1), müsste nach der Theorie der Pol-Löcher auch hier ein Loch in der Erde gewesen sein.
Hier wird eine Behauptung eben schnell zur Tatsache erhoben. Denn: Atlantis ist bislang absolut unbelegt und hypothetisch. Daher ist es äusserst fraglich, ob es jemals der Mittelpunkt von irgendwas gewesen ist. Jedenfalls war es das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zur letzten Eiszeit. Und ebenso wenig lag der Nordpol (weder der Rotationspol noch der magnetische Pol) zur letzten Eiszeit in der norddeutschen Tiefebene. Diese war auch nicht das Zentrum der Eiszeit, sondern das Zentrum des europäischen Inlandeises lag in Skandinavien, genauer gesagt in Norwegen. Aber auch dort befand sich nicht irgendeiner der Pole zur fraglichen Zeit. Der obige Satz ist ein schönes Beispiel für das Vorgehen vieler pseudowissenschaftlicher Autoren. Behauptungen zu Tatsachen erheben, um damit dann noch phantastischere Behauptungen zu belegen, die dann als Beleg für... naja, und so weiter. Das Ganze dann gepaart mit Ignoranz (wie hier über die Zentren der Eiszeit) und einigen Allgemeinplätzen oder Worthülsen wie "Polwanderung" etc.

Aber es geht natürlich noch ein kleines bisschen phantastischer:

Eine andere Theorie geht davon aus, dass die Erde, wie auch alle anderen Planeten (mit Ausnahme der Gasriesen), unter einer relativ dünnen, festen Kruste eine Wasserstoffkugel darstelle, also wie ein gasgefüllter Luftballon vorstellbar ist
Auch hier werden natürlich die vorhergehenden Fakten geflissentlich ignoriert. Was aber nicht vom munteren weiterspekulieren abhält. Die Planeten seien alle anfangs Gaskugeln gewesen und so weiter. Dass dabei dicht an der vorherrschenden Ansicht über die Planetenentstehung parallel gelaufen wird, ist vermutlich kein blosser Zufall. Allerdings dürfte eine Kernfusion auf den hier angenommenen Gasplaneten wohl kaum zu der im Sonnensystem beobachteten Elementarverteilung geführt haben. So enthält die Erde heute exakt so viel schwere Elemente, wie sie in 100 Erdmassen Sonnenmaterie enthalten sind.

Die großen Faltengebirge seien zwangsläufig entstanden, nachdem infolge von Meteoritentreffern große Mengen Wasserstoffgases aus dem Erdinneren entwich und infolgedessen das Volumen der Erde -schrumpfte.
Hier erinnert vieles an alte Vorstellungen in der Geologie. Die schrumpfende Erde wurde tatsächlich einst diskutiert. "der Zusammenbruch des Erdballs ist es, dem wir beiwohnen" sagte einst der Geologe E. Suess 1883. Die Kontraktionstheorie war aber schon lange verlassen worden, bevor die moderne Theorie der Kontinentalverschiebung das Licht der Welt erblickte.
Eine Schrumpfung der Erde ist nicht mit den vielen beobachteten Dehnungsstrukturen auf der Erde (z.B. mittelozeanische Riftsysteme) zu vereinbaren. Oder wie sollte bei einer schrumpfenden Erde ein Stück der amerikanischen Kontinentalplatte in Schottland und ein Stück Europas in Amerikas auftauchen dürfen? Gerade dieses nebeneinander von Dehnungsspuren und Einengungsprozessen kann mit Hilfe der Plattentektonik sehr gut verstanden werden.
Ein Nebenprodukt dieser da-bei auftretenden enormen Spannungen und Drücke habe zur Verflüssigung von Gestein geführt, das heute noch in riesigen Lavablasen unter Vulkanen vorhanden ist. Die Lava noch tätiger Vulkane, das ist inzwischen erwiesen, kommt nicht etwa aus dem Erdinneren, sondern beschränkt sich auf das Volumen der Vulkane und befindet sich teilweise weit über dem Meeresspiegel.
Hier hat der Autor wieder Beweis durch Behauptung gesetzt. Denn es ist eben überhaupt nicht erwiesen, das aktive Vulkane ihre Lava aus Reservoirs oberhalb des Meeresspiegels beziehen. Es wird eigentlich noch nichtmal ansatzweise diskutiert. Zwar haben manche Vulkane Magmenkammern nahe der Oberfläche in Krustengesteinen, aber auch diese liegen teilweise einige Kilometer tief, und sie sind auch nicht der Herkunftsort des Magmas, sondern nur ein Zwischenspeicher. Auch haben Vulkane keine allgemeine Quelle für ihr Magma. Man kann sie in drei grobe Gruppen einteilen:
  • Inselbogenvulkane, die ihr Magma aus aufgeschmolzenen (ozeanischen) Krustenplatten beziehen, die im Rahmen der Plattentektonik wieder in den Erdmantel eintauchen.
  • Rifting bezogene Vulkane, die ihr Magma aus dem oberen Erdmantel beziehen. Sie bauen die ozeanische Platten.
  • Intraplatten Vulkane, wie z.B. Hawaii. Sie beziehen ihr Magma aus sehr tief im Mantel liegenden Quellen.
  • Für jede dieser Vulkantypen gibt es eine Fülle geochemischer und geophysikalischer Daten, die die Herkunftstiefe der Magmen belegen. Zu diesen zählt nicht zu letzt auch die Seismik.
    Als Beweis für den Wasserstoffinhalt der Erde wird das Erdgas angeführt, die sauberste Energiequelle, die wir kennen. Lange Zeit wurde wissenschaftlicherseits vermutet, Erdgas sei ein Nebenprodukt des Erdöls und der Kohlevorkommen. Je-doch konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass dieses Gas rund um den Erdball aus dem Erdinneren entweicht und in allen Gesteinsarten vorkommt.
    Dieses Entweichen von Wasserstoff belegt aber nicht die abenteuerliche Theorie von Herrn Geise, sondern allein das Vorhandensein von Wasserstoff im Erdmantel. Und das dürfte nicht weiter verwunderlich sein, ist doch Wasserstoff im Weltraum und im Sonnensystem das mit Abstand häufigste Element. Nebenbei bemerkt ist Erdgas auch kein reiner Wasserstoff, sondern meist Methan sowie Beimengungen anderer kurzkettiger Kohlenwasserstoffe und weiterer Gase wie Schwefeloxyd, Stickstoff etc. Und ebenso wie Erdgas aus organischer Substanz entstehen kann, findet sich auch anorganisch entstandenes. Beides kann durch das Vorhandensein verschiedener Helium-Isotope voneinander unterschieden werden. So findet sich in Erdgasen organischer Herkunft das Isotop 4He, in anorganisch entstandenem dagegen 3He.

    Man hat festgestellt, dass Erdbebenwellen und die Stoßwellen nach Atombombentests den gesamten Erdkörper oft mehrfach durchlaufen. Würde die Er-de aus flüssiger Lava bestehen, so könnte dies nicht geschehen, weil die Lava wie ein Stoß-dämpfer wirken würde. Stoßwellen durchlaufen den gesamten Erdkörper in etwa 20 bis 40 Minuten. Diese hohen Geschwindigkeiten beweisen, dass die Stoßwellen im Erdinneren von einem Medium getragen werden, das leichtflüssig - eben wie Wasserstoff - sein muss.
    Auch hier liegt Geise wieder meilenweit daneben. Denn weder wird von den Geowissenschaftlern behauptet, dass die Erde aus flüssiger Lava besteht, noch braucht es ein leichtflüssiges Medium um die beobachteten Eigenschaften von Erdbebenwellen zu erklären. In Wahrheit verbieten die beobachteten Welleneigenschaften sogar ein leichtflüssiges Medium im Inneren der Erde. Denn Erdbebenwellen setzen sich aus zwei Wellenarten zusammen. Einmal die sogenannten Stoss- oder Kompressionswellen, wie sie auch als Schall in der Atmosphäre zu finden sind. Hier werden die Gesteine abwechselnd gedehnt und gestaucht. Dieser Wellentyp ist in der Lage, auch flüssige Medien zur durchdringen, denn auch diese können ebenfalls komprimiert werden. Der zweite Typ sind Scherwellen. Hier werden benachbarte Punkte im Transportmedium gegeneinander verschoben und reagieren nach Wellendurchgang elastisch, das heisst sie kehren in ihre Ausgangslage zurück. Das aber funktioniert nicht in Flüssigkeiten, denn hier sind die Teilchen frei gegeneinander beweglich und können nicht geschert werden. Während sich bei Kompressionswellen wie Schallwellen die beteiligten Partikel abwechselnd in Fortpflanzungswellen vorwärts und rückwärts bewegen, können die Partikel bei Scherwellen sowohl horizontal als auch vertikal dazu bewegt werden, sie zeigen eine Polarisation. Und weil in Flüssigkeiten eben keine Scherbewegungen stattfinden können, werden flüssige Bereiche im Erdinneren von den Scherwellen nicht durchlaufen, während die Kompressionswellen ungehindert passieren. Dieser Unterschied dient unter anderem dazu, flüssige Bereiche im Erdinneren aufzuspüren, wie den flüssigen äusseren Erdkern. Den Erdmantel aber können die Scherwellen passieren, also ist er als fest zu betrachten. Damit endet die These von der Hohlerde und von der mit Wasserstoff gefüllten Erde kurz und schmerzlos an der Seismik.

    Und wenn man sich jetzt das Fazit von Geise ansieht:

    Schaue ich mir die Indizien an, die für eine innen hohle (wasserstoffgefüllte) Erde sprechen, und sehe andererseits, wie krampfhaft versucht wird, uns das Bild einer Erde mit festem Kern zu erhalten, ohne einen Beweis dafür vorlegen zu können, dann frage ich mich unwillkürlich, ob wir es hier nicht mit einem weiteren Puzzlesteinchen des wissenschaftlichen Lügengebäudes zu tun haben?
    dann fällt es auf ihn selber zurück. Der einzige, der hier krampfhaft Probleme konstruiert und ein Lügengebäude aufbaut, ist er selber.

    © 2002 Gunnar Ries