diskutieren sie die Themen dieser Seite bei Geoversum Mein Web-Log


Der Katastrophisten-Crash

Einige Bemerkungen zum Buch "Der Ceno-Crash" von Christian Bloess

Umfrage

Auf dieser Seite sollen nach und nach einige Bemerkungen zu dem Buch "Ceno-Crash : neue Überlegungen zum Ursprung und zum Alter des Menschengeschlechtes" von Ch. Bloess, Verlag Informationen für Technik und Wissenschaft, November 1999, erscheinen. Vorlaeufig werden es einige Bemerkungen zu ausgewaehlten Textteilen sein. Kritiken und Anmerkungen sollten direkt an mich gehen. Dessweiteren steht fuer Diskussionen das Forum offen.

Anfangen moechte ich mit dem Kapitel
5.1 Grundsätzliche Verwunderungen über die Geologie
[Bloess, p.99]

Hier findet sich folgende Aussage:

"Der Hauptanteil ergrabener bzw. freiliegender Schichten von Sedimentgestein, egal welcher Epoche sie zugerechnet werden,
-soll unter Wasser entstanden sein,
-muß zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit soweit überdeckt ge-wesen sein, daß sowohl der Druck als auch die Temperatur zur Minerali-sierung (= Kristallisierung mit verminderter mittlerer Länge in der Gitter-ordnung) führen konnte und
-muß hernach wieder an oder nahe Erdoberfläche verbracht worden sein."

[Bloess p99]

Wasser ist zwar bei der Erosion, Transport und Sedimentation ein bedeutendes Agens, aber keine Grundvorraussetzun fuer die Entstehung von Sedimenten. So kann auch Wind Sedimente ablagern. Daneben bedeutet Wasser nicht automatisch marinen, also ozeaqnischen, Einfluss. Auch in seen und Fluessen (lacustrin und fluviatil) kann Sediment abgelagert werden. Nicht zuletzt sind auch weite Teile der Erde mit den Ablagerungen von Gletschern bedeckt. Denn bestimmte Gebiete und Zeitalter werden von nichtmarinen Sedimenten dominiert. Es handelt sich also um eine nicht zulaessige Verallgemeinerung. (Ich weiss, das auch Bloess ein "Eiszeitalter" ablehnt, aber dieses Thema wird ausfuehrlich auf der Seite Jahrhundertirrum Eiszeit abgehandelt)
Dessweiteren muss das Sediment auch nicht von maechtigen Schichten ueberdeckt worden sein. Ueberdeckung ist keine Grundvorraussetzung fuer die Diagenese (= Verfestigung von Lockersedimenten). Diagenese beginnte normalerweise direkt nach der Ablagerung mit deren Kompaktion. Was nun eine "Kristallisierung mit verminderter mittlerer Länge in der Gitterordnung" sein soll, weiss wohl keiner so genau. Vermutlich ist es eine sinnlose Worthuelse, die den Laien durch wissenschaftlichen Wortklang beeindrucken soll. Nur leider ist sie vollkommen sinnlos! Eine andere Moeglichkeit ist (weiter unten erwaehnt er die Regionalmetamorphose), das er Umkristallisation unter veraenderten Druck- und Temperaturbedingungen meint. Nur spielen auch die fuer die Diagenese (behandelt er doch ausdruecklich Sedimente hier) keine Rolle.
Wenn also eine tiefe Versenkung nicht notwendig ist, eruebrigt sich auch das wiederauftauchen.

"Dabei ist davon auszugehen, daß es um Überdeckungen von mehreren 1000 Metern und Temperaturen von mindestens 150 Grad Celsius geht. Dieser Thesenkomplex erscheint absurd, insofern die überwiegende Mehrheit der nahe der Oberfläche gefundenen Fossilien einst offenbar ein marines Grab ge-funden und danach sowohl einen Ab- als auch einen anschließenden Wiederaufstieg jeweils über mehrere Kilometer erfahren haben müssten (»Regionalmetamorphose«, siehe Kapitel 5.3). Unabhängig davon werfen auch andere Befunde grundlegende Fragen an die Grundannahmen der Geologie auf:"
[Bloess, p.99]

Wie bereits oben gesagt, muss es keine Versenkung in grosse Tiefen gewesen sein. Sie kommt unter gewissen geologischen Rahmenbedingungen allerdings vor. Auch die mindestens 150° C sind falsch, da es fuer die Diagenese keine untere Temperaturgrenze gibt. Sie beginnt direkt nach der Ablagerung der Sedimente mit der Kompaktion und Verfestigung. Ab 200 °C beginnt definitionsgemaess die Metamorphose. In der Natur ist der Uebergang natuerlich fliessend, allerdings wird in der Regel ab diesem Grad von Metamorphit und nicht mehr von Sediment geredet. Die Gesteine der Regionalmetamorphose sind allerdings wirklich keine Sedimente mehr. Darunter fallen kristalline Schiefer, Amphibolite und Gneise. Diese Gesteine enthalten auch keine Fossilien, selbst wenn sie aus Sedimenten entstanden sind.
Daher ist die gleichzeitige Erwaehnung von fossilfuehrenden Gesteinen und der Regionalmetamorphose schlicht falsch.
Damit ist auch die einzige Frage, die sich angesichts dieser Seite stellt, ob Bloess ueberhaupt weiss, was er schreibt.

"1) Schichten, die weit auseinanderliegenden Epochen oder Perioden zugerechnet werden, liegen direkt aufeinander, ohne daß die jeweils zuunterst liegende Schicht an der Grenze Erosionsspuren (Risse, Änderung des Gemenges) aufweist."
[Bloess p. 99]

Hier findet sich eine unzulaessige Verallgemeinerung. Zumindest an den Aufschluessen, die ich kenne, ist eine deutliche Trennung durch Spuren der Erosion, tektonischer Ereignisse und/oder Aenderung des Gesteinsaufbais zu sehen. Ein beruehmtes Beispiel ist Siccar`s Point in Schottland. Damit ist die Behauptung hier in diser Form schlicht unhaltbar.

Als Fazit zur Seite 99 kann angemerkt werden, das so gut wie jede Darstellung eines geologischen Sachverhaltes verfaelschend oder schlicht falsch ist. Ich weiss nicht,wie ich einen Autoren noch ernstnehmen kann, der schon bei den einfachen Grundlagen derartige Fehler macht und dessen Verwunderung ueber die Grundannahmen der Geologie nur auf den eigenen falschen Vorstellungen beruht.

© 2001 Gunnar Ries