diskutieren sie die Themen dieser Seite bei Geoversum Mein Web-Log


Irrtuemer der Erdgeschichte

oder nur Irrtuemer eines Katastrophisten?

Kritiken zum Buch "Irrtuemer der Erdgeschichte" von Hans-Joachim Zillmer

Eine Antwort von Zillmer auf diese Seite findet sich hier. Meine Antwort steht hier.

Umfrage

Auf dieser Seite will ich mich mit dem Buch von Hans-Joachim Zillmer," Irrtümer der Erdgeschichte" (Zillmer 2001)äussern. Dabei wird schnell deutlich, das es sich bei dem Werk bestenfalls um ein pseudowissenschaftliches Machwerk handelt, da der Autor von den in seinem Buch behandelten Themen keine wirkliche Ahnung hat. Seine Methode besteht vielmehr darin, Zitate aus der Sekundär und Tertiärliteratur zu nehmen, um sie aus dem Zusammenhang gerissen als "Beleg" für seine Phantasien zu verwenden. Oftmals wird ein regelrechter Popanz aufgebaut, der anschliessend möglichst wirkungsvoll widerlegt wird. Das dabei die wirklich grundlegenden Theorien der Geowissenschaften nicht verstanden wurden, stört da natürlich nur am Rande. Die Verwendung von Sekundärquellen wie Bild der Wissenschaft, Illustrierte Wissenschaft, Spektrum der Wissenschaft und vor allem PM halte ich für sehr für kritisch, besonders wenn man mit den Aussagen dieser Quellen ein vermeintliches Weltbild stürzen will. Das soll nichts über die Qualität der genannten Journale aussagen. Man muss sich hier aber immer vor Augen führen, das sie für Laien geschrieben sind (teilweise sogar von Wissenschaftsjournalisten, die in den betreffenden Gebieten selber Laien sind) und daher viele Vereinfachungen und Verallgemeinerungen enthalten. Es währe daher sicher besser gewesen, die in den populären Journalen genannten Primärquellen zumindest auch zu lesen, um Missverständnisse zu vermeiden.

Natürlich kann hier nicht jede der in dem Buch aufgestellten Behauptungen nachgegangen oder gar alles widerlegt werden, hier soll nur anhand einiger Beispiele aus seinem Buch exemplarisch belegt werden, inwieweit Zillmer die Theorien der Geologie überhaupt verstanden hat. Zum schnellen Nachschlagen sind die einzelnen Themenkomplexe gesondert aufgeführt. Fragen, Anmerkungen und Kritiken sollten an mich gehen, für Diskussionen steht das Forum zur Verfügung.

Findlinge und fossile Bäume - Grossäuger und Saurier - Moab oder Malachite Mann - Zillmers lustige Versteinerungskunde - Zillmer und die Plattentektonik - Die Eiszeit - Zillmers Gesteinskunde - Zusammenfassung


Findlinge und fossile Bäume

Auf Seite 29 und 30 informiert uns Zillmer:

"Stutzig macht mich auch, dass nur wenige Kilometer entfernt riesige Findlinge wie gesät auf der Hochebene herumliegen. Handelt es sich um glatt geschmirgelte Hinterlassenschaften einer Flut, bevor die Ebene in die Höhe gehoben wurde? Da die gerundeten, glatten Brocken auf der Erdoberfläche liegen, müsste dieses Spektakel der Gebirgsauffaltung vor wenigen tausend Jahren und nicht vor Jahrmillionen stattgefunden haben, denn sonst währen diese Findlinge in über zwei Kilometer Höhe durch Frost und andere Erosionseinflüsse gespalten und langsam verkleinert worden. Liegen diese Findlinge also vielleicht erst seit relativ kurzer Zeit herum?"

Als erstes möchte ich hier eine kleine Haarspalterei betreiben: Mit Findlingen, oder wie sie auch genannt werden, erratischen Blöcken, werden grosse ortsfremde Felsblöcke bezeichnet, die in dem Gebiet, wo sie liegen nicht anstehen. Die Gesteinsblöcke, die in dem Buch auf Seite 30 abgebildet sind, sehen aus wie Granite, und ich vermute, das sie dort auch anstehen. Ihre Form als auch ihr Erscheinen auf der Erdoberfläche selber sind nichts anderes als das Werk der Verwitterung. Granit besteht zum grössten Teil aus Quarz, Feldspat und Glimmer (meist Biotit). Unter gemässigtem Klima wird der Quarz von der Verwitterung kaum angegriffen. Dagegen wandeln sich die Feldspäte in Tonminerale und Biotite in Vermiculit, ebenfalls ein Tonmineral, um . Dabei wird das Gesteinsgefüge aufgelockert und es entsteht ein sandartiger Grus, der leicht abtransportiert wird. An der nun frei liegenden Oberfläche des Gesteins wirkt nun vornehmlich die physikalische Verwitterung, wobei aus dem Gestein entlang der Klüftung langsam rundliche Quader entstehen, die auch als Wollsäcke bezeichnet werden. Sie können je nach den örtlichen Bedingungen einzeln, flächenhaft als sogenannte Felsmeere oder im Zusammenhang als Felsburgen auftreten. Mit anderen Worten: Das auftreten von einzelnen gerundeten Blöcken belegt alles, nur keine Sintflut in historischer Zeit.

Weder die Gesteinsblöcke noch die zahlreichen von Zillmer in diesem Kapitel aufgeführten versteinerten Baumstämme können als Belege für eine weltweite Sintflut angesehen werden. Auch wenn sicher einige Bäume im Rahmen einer lokalen Überflutung z.B. eines Flusses von ihrem Standort abtransportiert, abgelagert und anschliessend vom Sediment rasch zugedeckt wurden. Das derartige Ablagerungsmilieus in der Geologie durchaus bekannt sind und auch erkannt werden, hätte ein einfacher Blick in die Fachliteratur vermittelt. Daher hat Zillmers herumreiten auf den angeblich von den Geologen propagierten ausschliesslich lyellistisch langsamen Ablagerungsvorgängen Ähnlichkeit mit einem Pfeifen im dunklen Wald. Das belegt Zillmer auch wunderschön auf Seite 35:

Ein entsprechendes Szenario beobachtete man 1980 beim Ausbruch des Vulkans Mount Saint Helens im US-Bundesstaat Washington. Die Baumstümpfe wurden in den Spirit Lake gespült und stehen dort senkrecht, als wenn sie in situ gewachsen wären. Die nachfolgenden Schlamm- und Aschemassen begruben diese Baumstümpfe schnell. Und nach der ebenfalls schnellen Erhärtung dieser Schichten entsteht das beschriebene Phänomen. Sollten Geologen in ein paar tausend Jahren keine Kenntnis von dem Vulkanausbruch haben, wird man den blitzschnell gebildeten Gesteinsschichten ein Alter von etlichen Millionen Jahren im Sinne des lyellistisch-darwinistischen Dogmas geben.
Das würde ich als äußerst unwahrscheinlich ansehen, denn die hier beschriebenen Ablagerungsmilieus sind den Geologen durchaus auch aus der Erdgeschichte bekannt. Man kennt also sehr wohl Vorgänge, in denen mächtige Schichtenpakete innerhalb einer kurzen Zeit (in diesem Fall Minuten und Stunden) entstehen können und kann sie oftmals durch eine genaue Geländeaufnahme auch erkennen. Spätestens bei einer faziesanalytischen Untersuchung sollte der bearbeitende Geologe Gewissheit haben. Zillmer baut hier also ein Problem auf, das mit der wissenschaftlichen Wirklichkeit nichts zu tun hat. Und Lahare, also vulkanische Schlammablagerungen und auch die Ablagerungen sogenannter pyroklastischer Ströme sind uns auch aus der Erdgeschichte bekannt (vergleiche
Pyroklastische Ströme)

Auch das Phänomen der "polystraten" Baumfossilien, das Zillmer auf diesen Seiten (z.B. 34 ff) immer wieder vorbringt, ist kein so grosses Problem für die Geologie. Die von ihm auf dieser Seite aufgeführten Wurzelhorizonte aus Nova Scotia (wahrscheinlich handelt es sich um die von Joggins, Nova Scotia) hat schon Dawson (1868) bearbeitet und sie machen ganz und gar nicht den Eindruck, das sie allochthon, also nicht an diesem Ort gewachsen sind. Damit stellen auch sie kein Beleg für die Sintflut dar. Abgesehen davon, das Zillmer einen schlüssigen Beleg für ihre Entstehung im Sinne seiner Sintfluthypothese schuldig bleibt.

Grossäuger und Saurier

Auf Seite 41 werden wir von Zillmer aufgeklärt:
Gemeinsam mit den Dinosauriern lebten nicht nur Menschen, sondern auch grosse Säugetiere, wie die Untersuchung fossiler Erbsubstanz bestätigen. (Nature 392/1998) - Im Widerspruch zu den Dogmen der Evolutionstheorie.
Das Problem hier ist wohl eher, dass Zillmer sich selber ein Bein gestellt hat. Es geht in der Tat um DNA-Analysen und wann sich die verschiedenen Ordnungen(!) der Saeugetiere voneinander abgetrennt haben. Es werden weder Grossaeugetiere noch Arten genannt, sondern der Artikel bezieht sich nur auf Ordnungen. Das, was Zillmer sicherlich dazu verleitet hat, diese schraege Aussage zu machen, naemlich das Saurier und Grossaeugetiere zusammen leben, ist wohl folgendes: Der Artikel von
Kumar & Hedges (1998) berichtet, das die 5 Hauptlinien der Saeugetiere sich schon in der Kreide etabliert hatten und nicht erst nach dem Aussterben der Saurier. Sie vergleichen auch ihre Ergebnisse mit dem Fossilbericht und finden viele Uebereinstimmungen mit diesem. Möglicherweise ist Zillmer davon verwirrt worden, dass auch die Vorfahren der Huftiere und anderer heutiger Grossäuger tatsächlich schon zur der Zeit der Dinosaurier entstanden sind. Damit ist aber über die Grösse der Tiere nichts gesagt. So gibt es schliesslich auch heute eine grosse Bandbreite z.B. bei den Huftieren, wo sich auch Vertreter mit deutlich unter 10 kg befinden. Das Fazit, das Zillmer hier ziehen will, gibt der Artikel also nicht her.

Moab oder Malachite Mann

Auf Seite 45-46 erfahren wir von Zillmer:
In der Nähe von Moab wurden menschliche Überreste vorzeitlicher Menschen gefunden. Joe Taylor, der die Dinosaurier-Ausgrabung in Colorado leitete, war auch hier verantwortlich tätig Es wurden Teile von menschlichen Skeletten ungefähr 15 Meter unter der Erdoberfläche gefunden, und zwar im Dakota Sandstein, der als geologische Schicht mit Dinosaurier-Fossilien des Jura bekannt ist. In ein und derselben Schichtart wurden demnach neben Dinosaurier- auch Menschenknochen gefunden (Taylor 1999), die heute eine smaragdgrüne Farbe aufweisen, worauf die Namensgebung "Malachite Man" zurückzuführen ist (...).
Abgesehen davon, das die Knochen auch später intrusiv in die Schichten gelangt sein können, finden sich gegenüber den Angaben von John Marwitt (Kuban 2001, mündl. Mitteilung), dem Grabungsleiter der bei der Bergung des original Malachite Man von 1971, einige interessante Widersprüche:
So waren die Knochen nicht 15, sondern nur 5 Meter, also 15 Fuss, tief im Sandstein. Auch wurde vergessen anzugeben, das sie sich in einer unverfestigten und sandigen Matrix befanden. Es handelt sich dabei um eine Spaltenfüllung, daher ist es ohne weiteres möglich, das die Skelette erst später intrusiv in diese Schicht gelangten. Dafür gab es sogar deutliche Hinweise. Es wird vermutet, das die Toten erst in den letzten 200 Jahren dorthin verbracht wurden. Das wird auch von C-14 Messungen
(Berger & Potsch 1989)mit 210 +/-70 Jahren bestätigt.
Damit ist natürlich auch die Zugehörigkeit der Knochen zur Dakota Formation mehr als fraglich, auch wenn die Spalte sicherlich dorthinein reichte.
Weiterhin ist auch die Zuordnung der Dakota Formation zum Jura schlicht falsch. Sie wird mit ihren 90 - 115 Millionen Jahren (Apt bis Cennoman) zur Kreidezeit gerechnet. Die Dinosaurierfossilien des Dinosaur National Monument liegen zwar nicht allzu weit entfernt, sind aber aus dem Jura.

Damit hat sich nicht nur jede Angabe bei Zillmer als schlicht falsch herausgestellt, der Fund ist auch absolut kein Beleg für Zillmers Hypothese.

Zillmers lustige Versteinerungskunde

Wie unbedarft und ahnungslos Zillmer an die Geowissenschaften herangegangen ist, kann auch exemplarisch anhand der Seiten 53 ff gezeigt werden. Hier ist Zillmer auf äusserste verwundert:
Aus geologischer Sicht kann es auf der Erdoberfläche keine Versteinerungen in Form von Fossilien geben, wenn man einmal von biologischen Versteinerungen (Korallen) absieht, da in Übereinstimmung mit den geologischen Vorstellungen Prozesse wie Hitze und Druck auf das biologische Material einwirken müssen, die es im lyellistisch-darwinistischen Modell jedoch weltweit nicht gegeben haben kann, da globale Katastrophen - weltweite Sintflut - und damit schnelle Veränderungen mit extremen Randbedingungen strikt abgelehnt werden.
Hier hat Zillmer etwas verklausuliert zugegeben, das er von der gängigen Theorie zur Fossilisation und Diagenese nicht den leisesten Schimmer hat. Denn wie man unschwer in jedem halbwegs seriösen Buch über Geologie nachvollziehen kann, sind Fossilien an der Erdoberfläche kein Problem für konventionelle Geologen. Aber Zillmer setzt seiner Blamage hier sogar noch eines drauf:
Deshalb lautet die Antwort der Geologen auf die Frage nach dem Versteinerungsvorgang:
Regionalmetamorphose. Damit wird bestätigt, dass es sich bei den Versteinerungen höchstens um regional begrenzte Ereignisse handelt. Fossilien findet man aber doch weltweit. Also braucht man unendlich viele regional wirkende Metamorphosen. Oder sollte man aufgrund der weltweiten Funde nicht lieber von Globalmetamorphose, also Erdkatastrophen sprechen?
Offensichtlich hat Zillmer es erfolgreich vermieden, mal in einem Buch über Geologie die Bedeutung der Begriffe nachzuschlagen, mit denen er hier so um sich wirft. Womit er dann auch recht deutlich zeigt, dass es sich bei seinem Buch bestenfalls um Pseudowissenschaft handelt. Der Leser sollte doch erwarten können, dass jemand, der eine Lehrmeinung Widerlegen will, diese zumindest ansatzweise auch kennt. Das aber ist hier augenscheinlich nicht der Fall. Es wird wohl kaum einen Geowissenschaftler geben, der ausgerechnet die Regionalmetamorphose für die Entstehung von Fossilien verantwortlich macht. Denn die Gesteine der Regionalmetamorphose, dazu zählen unter anderem kristalline Schiefer, Amphibolite und Gneise, zeichnen sich durch die Abwesenheit von Fossilien aus. Selbst dann, wenn sie aus fossilreichen Sedimenten entstanden sind.

Weiter führt Zillmer aus:

Nach der Theorie der Regionalmetamorphose glauben Geologen zu wissen, das der Körper, der sich zu einem Fossil umwandeln soll, mehrere Kilometer in die Erdrinde abgesenkt werden muss. Der in der Tiefe angeblich herrschende Druck infolge der Auflast der überlagernden Erdmassen sowie die höheren Temperaturen sollen dann die geochemischen Bedingungen ergeben, die zur Versteinerung des Körpers führen.
Zillmer vermengt hier anscheinend die Begriffe Diagenese und Regionalmetamorphose. Unter dem Begriff Metamorphose (Gesteinsumwandlung) versteht man die Umwandlung des Mineralbestandes und Gefüges von Gesteinen durch Veränderung von Druck und Temperatur. Die Regionalmetamorphose stellt eine solche Umwandlung in beträchtlicher Ausdehnung dar. Sie tritt meist im Zusammenhang mit Orogenesen, also Gebirgsbildungsprozessen auf. Metamorphe Gesteine sind in der Regel, vor allem die stark metamorphen, fossilfrei. Daher glauben die Geologen sicher nicht, das ausgerechnet die Regionalmetamorphose für die Entstehung von Fossilien verantwortlich ist. Es zeigt schlicht, das Zillmer unseriös recherchiert hat und nur seine Vorurteile pflegt.
Für die Fossilisation ist eigentlich mehr die Diagenese der entscheidende Prozess. Sie sorgt dafür, das lockere Sedimente wie Sand, Kies oder Ton zu einem Gestein verfestigt werden. Diese Prozesse können auch sehr schnell stattfinden und es ist keine tiefe Versenkung dazu notwendig. So auch die Bildung von Fossilien, wo meist die erhaltungsfähigen Hartteile oftmals durch andere Stoffe ersetzt werden. So werden z.B. carbonatische Gehäuse während der Diagenese oftmals aufgelöst und durch andere Stoffe, zB. Chalcedon oder Pyrit ersetzt. Der dazu notwendige Stoffaustausch geschieht durch das Porenwasser, welches im Gestein vorhanden ist.

Daher entpuppt sich dann auch alles weitere zu diesem Thema bei Zillmer bestenfalls als Slapstick:

Jetzt muss dieses Fossil nur noch den kilometerlangen Weg durch die Erdkruste zurück an die Oberfläche finden...

Zillmer und die Plattentektonik

Zillmer zeigt in seinen Darstellungen zur Plattentektonik, das er nicht wirklich Ahnung davon hat. Leider hat ihn seine Ignoranz bezüglich der Plattentektonik nicht davon abgehalten, auch diese Theorie ausgiebig zu bezweifeln. So stellen für ihn z.B. die sogenannten Transformstörungen eine absolut sensationelle Neuentdeckung dar. (S. 81)
Bisher ging man davon aus, dass die ozeanischen Schwellen kontinuierlich verlaufende Risse in den Ozeanböden darstellen. Aber auch dass ist eine falsche Vorstellung. Die mittelozeanischen Rücken sind in unregelmässigen Abständen von zahlreichen Störungen durchsetzt, sodass einzelne Abschnitte mit sehr unterschiedlichen Längen entstanden sind. Diese durch Zerstückelung entstandenen Bereiche sind of hunderte von Kilometern gegeneinander versetzt (Rona, 1988, S.141). Diese Bruchzonen werden auch als "Transformstörungen" ("Relay-Zonen") bezeichnet.
Damit gibt Zillmer ziemlich direkt zu, das er sich mit den Geowissenschaften nicht gerade eingehend beschäftigt hat. Schade nur, das er hier von sich auf andere schliesst. Denn diese Transformstörungen sind keine so ganz neue Entdeckung, wie uns der Autor hier weissmachen will. Denn schon
Dewey (1987) hatte 1972 in der Zeitschrift Scientific American (5 / 1972)darüber berichtet. Eine deutsche Übersetzung erschien 1987 in der Reihe Verständliche Forschung von Spektrum der Wissenschaft, die Zillmer ja auch selber zitiert (Anmerkung 1). Daher ist seine Verwunderung hier wohl schlicht gespielt.
Eigentlich wurden diese Transformstörungen bereits von Wilson (1965) beschrieben. Da könnte man Zillmer ja fast eine lange Leitung unterstellen. Die Arbeit von Wilson (1965) gilt schlichthin als die Geburtsstunde der Theorie der Plattentektonk. Damit dürfte wohl kaum ein Plattentektoniker über die Transformstörungen verwundert gewesen sein, noch dürften sie der Theorie der Plattentektonik in irgendeiner Weise widersprechen. Diese Transformstörungen sind aber gar nicht so rätselhaft, sondern schlicht eine Konsequenz aus der Bewegung von Platten auf einer Kugeloberfläche. Dabei kann jede Bewegung einer Platte als Rotation um eine Achse durch den Kugelmittelpunkt angesehen werden. Die Transformstörungen stellen im Idealfall Kleinkreise um den Rotationspol (Eulerpol) dar. Sehr schön zeigt sich auch die Vorgehensweise von Zillmer auf Seite 84. Dort werden wir von ihm darauf hingewiesen:
Eigentlich ist die Situation im Bereich der Spreizungszonen noch wesentlich komplizierter. An vielen Stellen des Ozeanbodens in Atlantik und Pazifik überlappen sich die mittelozeanischen Rücken um ungefähr zehn Meilen, wie Ken Macdonald und P. J. Fox (1983) in einem Artikel des anerkannten Wissenschaftsmagazins »Nature« (Ausg. 135, 13.5.1983) feststellen. Mit anderen Worten: Es liegen zwei Spreizungszonen (Risse der Ozeankruste) nebeneinander (Abb. 17). Über diese überlappenden Spreizungszentren liest man so gut wie nichts. Sie passen nicht in das klassische Bild der Plattentektonik.
Und das sogar anscheinend mit einem vollständigen Zitat aus einer anerkannten und hochkarätigen Zeitschrift. Aber besonders auffällig ist, dass die Angaben zum Zitat vollkommen falsch sind. Es gibt es kein Nature-Heft vom 13.5 1983, sondern vom 12.5. Auch ist dort der Artikel nicht drin. Und die Bandangabe ist ebenfalls falsch. Band 135 ist es nicht, sondern das Heft vom 12.5 ist Band 303.

Das richtige Zitat ist:
Macdonald, K.C. and P.J. Fox, Matters arising - Overlapping spreading centers on the East Pacific Rise, Nature 303:549-550, 1983. Es ist das Heft vom 03. Maerz 1983!

Bei so eklatanten Fehlgriffen stellt sich natürlich die Frage, ob es Absicht war oder ob Zillmer den Artikel möglicherweise nicht selber gelesen hat, auf den er sich hier so stützt? So wirkt das Ganze auf jeden Fall etwas peinlich für Zillmer.

Allerdings geht es in diesem Artikel tatsächlich um die überlappenden Spreizungszentren und das sie (damals) eine unbekannte Erscheinung waren. Auch finden sie sich nicht "An vielen Stellen des Ozeanbodens in Atlantik und Pazifik", sondern (zumindest in diesem Artikel) nur am East Pacific Rise. Sie sind naemlich mit schnellen Ruecken verbunden. Versuche im Wachsmodell (Paraffin ueber geschmolzenem Wachs) haben bei subparallelen Spreizungszentren und hohen Spreizungsraten vergleichbare Strukturen erzeugt. Liegt vermutlich daran, das die junge Lithosphaere noch nicht rigide genug ist, um Bruchtektonik wie Transformstoerungen zu zeigen. Dafuer finden sich zwischen den ueberlappenden Spreizungszentren Dreh- und Scherbewegungen, wie sie auch im Modell auftraten. Mit anderen Worten: Sie stellen nicht wirklich die Plattentektonik in Frage, sind aber ein deutlicher Hinweis darauf, wie wenig wir über die Vorgänge selber wissen und damit ein Ansporn für zukünftige Generationen von Geowissenschaftlern.

Und wenn Zillmer sich etwas Mühe bei seinen Recherchen gegeben hätte, dann währe ihm nicht entgangen, das diese überlappenden Spreizungszentren sich in Lehrbüchern zur Geodynamik finden lassen, so zB. Lliboutry (2000). Aber das hätte sicher Arbeit gemacht und den schönen Eindruck, dass hier die Geowissenschaftler etwas totschweigen wollen, verwässert.

Wie wenig Zillmer die Theorie der Plattentektonik kennt oder zu kennen vorgibt, zeigt ein anderes Beispiel auf Seite 85:

Kann ein Kontinent überhaupt versinken? Immerhin ist die gesamte Erdkruste wesentlich leichter als das, worauf sie angeblich schwimmt. Gibt es diese Subduktionszonen nicht, ist auch die Theorie der Plattentektonik schlichtweg falsch, denn der sich angeblich andauernd neu bildende Ozeanboden würde nicht vernichtet, woraus ganz andere Schlüsse gezogen werden müssten
Wenn man sich mal genau mit der Theorie der Plattentektonik befasst, stellt man sehr schnell fest, das es auch keine Kontinente sind, die in einer Subduktionszone in den Mantel hinabtauchen, sondern ozeanische Kruste. Und zwischen kontinentaler und ozeanischer Kruste besteht ein deutlicher Dichteunterschied ( durchschnittlich 2,7 zu 3,0 g/cm3). Das sollte Zillmer eigentlich wissen. Daher ist zu vermuten, das er mit dieser kleinen sprachlichen Ungenauigkeit bei seinen Lesern falsche Vorstellungen wecken will, um sie an den Darstellungen der Geowissenschaftlern zweifeln zu lassen. Dieser Vorgehensweise ist natürlich nicht unbedingt als seriös anzusehen.

In ähnlicher Weise macht er auf der nächsten Seite weiter (S.86):

Amerikanische Wissenschaftler der Southern Methodist University in Dallas (Texas) haben einen riesigen festen Brocken im Erdmantel gefunden. Die Geophysikerin Ilena Madalina Tibuleac veröffentlichte in dem Wissenschaftsmagazin »Science« die Meldung (BdW, 23.3. 1999), dass ein riesiger Koloss mit einem Durchmesser von 130 Kilometern und einer Höhe von 600 Kilometern in einer Tiefe von 800 Kilometern unter der Erdoberfläche entdeckt wurde (Abb. 18). Er scheint langsam in Richtung Erdkern zu sinken. »Allerdings ist noch völlig unklar, wie er sich bewegt« (»IIW«, 4/1998, S. 25). Die Forscher glauben, dass der Brocken aus der so genannten Subduktionszone im Erdmantel stammt. Natürlich muss man dies im Sinne der Theorie von der Plattentektonik so annehmen, denn falls man keine katastrophischen Umstände berücksichtigt, gibt es eben keinen bekannten oder theoretischen Prozess, der einen massiven Brocken mit einer Länge von mehreren hundert Kilometern in die Tiefe der Erdkruste bewegen könnte. Woher stammt ein solch großer Brocken eigentlich? Er ist doch sicher kein Produkt der Spreizungszone, denn die produziert höchstens acht Kilometer dicken Ozeanboden, wenn überhaupt.
Auch hier zeigt sich, das Zillmer von der kritisierten Theorie keine Ahnung hat. Zwar ist die ozeanische Kruste nur rund 5 - 6 Kilometer dick, aber subduziert wird in einer Subduktionszone erheblich mehr als nur sie. Denn subduziert wird die gesamte Lithosphärenplatte, dazu gehört neben der ozeanischen Kruste auch noch ein grosser Teil des oberen Erdmantels (Anmerkung 2). Diese Lithosphäre kann erheblich mächtiger sein als die reine Kruste. Die Dicke nimmt dazu noch vom Ruecken (frisch gebildet nur etwa 1-2 km maechtig) weg zu. Nahe dem Ruecken betraegt sie schon 60 km, unter aelterer ozeanischer Kruste kann sie sogar Maechtigkeiten von 120 - 140 km erreichen. Damit sind die Abmessungen des "Brockens" schon mal nicht mehr ganz so rätselhaft. Und es wird auch klar, warum alte Lithosphärenplatten im Mantel absinken können. Bestehen sie doch nur zu einem geringen Teil aus ozeanischer Kruste mit rund 3,0 g/cm3, der Rest ist kalter oberer Erdmantel mit 3,3 g/cm3. Je mit zunehmendem Alter wird die Platte also kälter und dicker und damit auch schwerer als der heissere Erdmantel darunter.
Eine andere faszinierende Geschichte hier ist, dass der Originalartikel mal wieder nicht unbedingt dazu angetan ist, Zillmers Hypothesen zu stützen.

Tibuleac, I.M, Herrin, E. (1999) Lower Mantle Lateral Heterogeneity Beneath the Caribbean Sea. Science, 285 p. 1711-1715.

Das Heft ist vom 10. September 1999, was mich bei den verwendeten Sekundärzitaten (BdW 23.3.99, IlW 4/1998) von Zillmer doch etwas staunen laesst. Liegt hier ein Fall von Zeitreise oder Hellseherei vor? Möglicherweise wäre Zillmer doch so manche Rätselei erspart geblieben, wenn er sich mal den Originalartikel zu Gemüte geführt hätte.

Hier wird nur von einer Mantelinhomogenität gesprochen, nicht von einem "Koloss". Die nach einem Modell des Erdmantels zu erwartende Geschwindigkeit von seismischen Wellen wurde hiernach bei Erdbeben im karibischen Raum an nordamerikanischen Observatorien nicht festgestellt, sondern es fanden sich signifikante Abweichungen. Ein grossteil des Artikels behandelt das Problem, Strukturen des Oberen Mantels in direkter Nachbarschaft der Observatorien oder unter den Erdbebenherden auszuschliessen. Als Ursache fuer die beobachteten Geschwindigkeitsanomalien wird eine nach suedosten einfallende Mantelinhomogenität im unteren Mantel angenommen, die eine Länge (!) von 600 km und eine Breite von 125 km hat. Von einem "Absinken" eines "Koloss" ist hier nicht die Rede. Liegt vielleicht daran, das Zillmer "Bild der Wissenschaft" und "Illustrierte Wissenschaft" zitiert, die wiederum "Science" zitieren. Damit handelt es sich also bei dem Werk von Zillmer um "Quartaerliteratur". Vielleicht sollte er aber lieber die Originalartikel kennen, wenn er sich so auf sie beruft. Es ist zumindest bedenklich, wenn ihn seine "Kronzeugen" auf so schmähliche Weise im Stich lassen und ein schönes Beispiel für die Unseriösität des Herrn Zillmer, der hier wohl nur versucht, aus der Dummheit der Menschen Geld zu machen. Die Entdeckung von so grossen (sowohl raeumlich als auch im Hinblick auf Geschwindigkeitsanomalien) Inhomogenitäten ist allerdings wirklich neu. Bisherige Modelle gingen zumindest im unteren Mantel von einer mehr oder weniger homogenen Geschwindigkeitsverteilung aus. Als Ursache fuer die beobachteten Anomalien wird sowohl kaltes, abwaerts strömendes Lithosphärenmaterial aus Subduktionszonen angenommen oder es könnte ein Anzeichen für eine ausgeprägte Topographie zwischen zwei unterschiedlich aufgebauten Zonen des Erdmantels in 1600 km Tiefe sein . Allerdings gibt es durchaus Modelle und Theorien, nach denen subduziertes Lithosphärenmaterial bis an die Mantel-Kern-Grenze absinken kann. Auch hier ist wieder sehr schön zu erkennen, das Zillmer von den aktuellen Theorien in den Geowissenschaften eigentlich keinerlei Ahnung hat. Man sollte aber die Theorien, die man kritisiert, zumindest ansatzweise kennen und auch verstehen. Damit ist das Werk des Herrn Zillmer kein wissenschaftliches, sondern bestenfalls ein pseudowissenschaftliches Buch. Man koennte es getrost auch als "Junkscience" bezeichnen. Daher stimmt es mich äusserst nachdenklich, das dieses Machwerk (zumindest nach Angaben von Zillmer auf dessen Homepage www.zillmer.com) wochenlang auf den ersten Plätzen der Bestsellerliste geowissenschaftlicher (!) Literatur gestanden hat.

Die falschen Vorstellungen von Zillmer werden auch durch ständiges Widerholen nicht richtiger! So schreibt er auf Seite 86 weiter:

Zu berücksichtigen ist, dass dieser Koloss, wie auch die gesamte Erdkruste, leichter als das Erdmantelmaterial ist, in das er ein- und in dem er untertauchte! Die sich in der Subduktionszone angeblich unter die Kontinentalplatte schiebende Ozeankruste ist nur wenige Kilometer dick. Dieser gewaltige Brocken ist jedoch etliche Male dicker und vor allem sehr lang. Verschluckt sich - bildlich gesprochen - die Subduktionszone nicht an diesem Riesenhappen
Auch Zillmers Verwendung der seismischen Tomographie scheinen nicht von wirklichem Fachwissen zu sprechen. So schreibt er auf Seite 91:
John Woodhouse und Adam Dziewonski (Harvard University) entwickelten tomographische Karten über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Scherkomponente in Oberflächenwellen (Anderson/Dziewonski, 1988, S. 70ff). Dabei ist zu berücksichtigen, dass heisses Mantelmaterial eine niedrigere und kaltes Material eine hohe seismische Geschwindigkeit zulässt. Unter dieser Voraussetzung ergeben sich interessante Erkenntnisse:

* Unter dem nördlichen und südlichen Atlantik erkennt man in 150 Kilometer Tiefe heißes Material, während unter dem ganzen südamerikanischen Kontinent fast komplett kaltes Material anzutreffen ist. Das Erdinnere unter dem Pazifik längs der Ostpazifischen Schwelle erscheint wie erwartet heiß.

* »In 350 Kilometern Tiefe dagegen stimmen seismische Geschwindigkeit und Oberflächenstruktur bereits weniger gut überein« (Anderson/Dziewonski, 1988, S. 72). Mit anderen Worten; Die heißen Gebiete werden rarer, Je tiefer sich die Schichten befinden. [...]

* In 550 Kilometern Tiefe gibt es nur noch weniger heiße, wider Erwarten aber keine sehr heißen Gebiete mehr. Unter der ganzen südamerikanischen Platte und dem Atlantik bis zur Höhe von Spanien wird kaltes Material ausgewiesen [...]

Aus diesen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben sich Konsequenzen für das Modell der Plattentektonik. Wo sind mit zunehmender Tiefe im Erdmantel die Bereiche mit dem zirkulierenden heißen Magma geblieben? Irgendwo unter Südamerika müsste es ja hindurchströmen, wenn das Modell der Konvektionszellen stimmen soll. Außerdem soll es zum Erdkern hin doch immer heißer werden. Das Modell der Plattentektonik mit dem integrierten Prozess der Konvektionswalzen erscheint so gesehen mehr als fragwürdig.

Es scheint so, als wenn Zillmer nicht weiss, was mit der seismischen Tomographie eigentlich gemessen wird. Es werden nicht absolute Temperaturen, sonder relative Temperaturen gemessen. Daher bedeutet die Aussage "keine sehr heissen Gebiete", das die Temperaturen normal für diesen Tiefenbereich sind, aber nicht, das es dort unerwartet kalt ist. Man sollte schon wissen, wie Messergebnisse zustande kommen und was sie aussagen.

Die seismische Tomographie entspricht prinzipiell der auch in der Medizin angewandten Tomographie, mit dem Unterschied, das hier statt der je nach Material unterschiedlichen Absorption von Röntgenstrahlen Laufzeiten seismischer Wellen gemessen werden. Die Laufzeit einer seismischen Welle wird durch die Geschwindigkeitsverteilung entlang des von ihr durchlaufenden Pfades bestimmt. Somit repräsentiert jede seismische Welle die Geschwindigkeitsverteilungen entlang ihres Weges, also einen 2-dimensionalen Querschnitt. Benachbarte 2-dimensionale Querschnitte koennen zu einem 3-dimensionalen Modell zusammengefuegt werden. In einer idealen, sphaerisch symmetrischen Erde waeren die tiefenabhängigen Geschwindigkeitsverteilungen für seismische Wellen bekannt. Die Geschwindigkeiten in diesem Modell wären Mittelwerte, die laterale Variationen zu einem Durchschnittswert zusammenfassen. In der Wirklichkeit zeigen die beobachteten Geschwindigkeiten kleine Unterschiede zu den aus dem Modell berechneten. Diese Unterschiede werden travel time residuals oder einfach Anomalien genannt. Sie koennen verschiedene Ursachen haben, so z.B. die, das die Tiefe des Bebenherdes nicht 0 ist, sondern bis zu mehreren 100 km betragen kann. In den verwendeten Modellen wie IASP91 wird dieses beruecksichtigt und Tabellen mit Geschwindigkeiten fuer verschiedene Tiefen berechnet. Weiter beeinflusst auch die Geschwindigkeitsverteilung direkt unter dem Observatorium die beobachtete Ankunftszeit. Daher ist es äusserst wichtig, die lokale Geschwindigkeitsverteilung unter dem Observatorium genau zu kennen (siehe auch den Artikel von Tibuleac & Herrin 1999 von oben). Auch stellt die Erde keine ideal symmetrische Kugel dar, sondern ist zu den Polen hin leicht abgeplattet. Es finden sich laterale Unterschiede in den Geschwindigkeiten, die bis zu mehrere Prozent von denen im Modell betragen können. Bei "schnellen" Regionen wird das Signal früher als erwartet eintreffen, bei "langsamen" verspätet. Das wieder lässt Rückschlüsse auf das Material auf dem Pfad zu, denn die Geschwindigkeit einer seismischen Welle hängt von den elastischen Parametern und der Dichte des Materials ab. Und diese Parameter werden wiederum von der Temperatur beeinflusst. Daher lassen sich die Begriffe "schnell" und "langsam" auch mit einer für die betreffende Region abnormalen (!) Temperatur und Festigkeit in Verbindung bringen. "Langsame" Regionen hängen so mit einer abnormal hohen Temperatur und geringeren Festigkeit (Im Vergleich zum Modell) und "schnelle" Regionen mit einer tieferen Temperatur und einer höheren Festigkeit zusammen. Damit wird auch klar, das es sich bei den beobachteten geringen Temperaturen im unteren Erdmantel nicht um "absolute Temperaturen" handelt, der untere Erdmantel also kalt ist, sondern um geringe Unterschiede in der Temperatur. Und wenn Zillmer von "zirkulierendem Magma" spricht und es im unteren Erdmantel sucht, dann zeigt sich nur wieder, dass er nicht viel Ahnung von Geowissenschaften hat, den der Erdmantel (bis auf die Asthenosphäre) wird im allgemeinen als fest angenommen und nicht als glutflüssig. Er verhält sich allerdings über lange Zeitraeume wie eine Flüssigkeit, da er unter den dort herrschenden Bedingungen (Hoher Druck, Temperatur) plastisch verformbar ist und zum Kriechen neigt. Eine Materialeigenschaft, die sich auch bei Eis und Salz findet.

Und auch die Feststellung, das die Erde nicht wie das Schulbuchmodell mit den einfachen, senkrechten Konvektionszellen funktioniert ist keine Widerlegung der Plattentektonik, sondern schlicht trivial, stellt doch dieses Modell eine Vereinfachung dar. Das bei einem Material mit hoher Viskosität ein turbulentes Strömen vorherrscht, mag vielleicht Zillmer überrascht haben, die Geowissenschaftler aber gewiss nicht.

Das Zillmer dann konsequenter weise auch die Subduktion ablehnt, ist eigentlich klar. Begründen tut er das mit den angeblich zu geringen Sedimentlagen in den Tiefseegräben. Allerdings wird aus seinen Ausführungen auf Seite 101 ff nicht ganz klar, für was er die Tiefseegräben nun hält. Eigentlich spielt es auch keine Rolle, da die geologischen Hinweise auf Subduktion ziemlich vielfältig sind. Natürlich verschweigt Zillmer diese für seine Hypothese schwierigen Fakten. So währe es sicher interessant, Zillmers Erklärungen zu den Wadati Benioff Zonen zu lesen. Diese nach den Geophysikern Kiyoo Wadati und Hugo Benioff benannten Zonen stellen eine Ebene von Bebenherden dar, die vom Tiefseegraben weg in Richtung der überfahrenden Platte eintauchen. Und mit modernen seismischen Methoden kann man tatsächlich sogar die Ober- und Unterseite der subduzierten Platte anhand der Bebenhaeufung auflösen. Sie tauchen meist im Winkel zwischen 30° und 60° in den Erdmantel ein, je nach Alter der subduzierten Platte. Unter anderem erklären sie auch die unterschiedlichen Mechanismen von Beben der destruktiven und der konstruktiven Plattengrenzen (Subduktionszonen und ozeanischen Rücken). Ganz besonders spannend würde sicher auch der Versuch, den geochemischen Unterschied der Magmen der Rücken und der Subduktionszonen erklären zu wollen. Denn nach der herkömmlichen Theorie der Plattentektonik stellt die Anwesenheit von Spuren der subduzierten Platte in den Magmen der angrenzenden Vulkanzonen kein Rätsel dar. Hier hätte eine Expansionstheorie für die Erde ihre deutlichen Probleme.

Die grössten Probleme hat Zillmer mit der Datierung eines Beginns für die Plattentektonik, von ihm gerne auch mit der Wegenerschen "Kontinentalverschiebung" bezeichnet. Mehrfach schreibt er, das die "gegenwärtige" Kontinentalverschiebung vor 200 - 180 Mio. Jahren begonnen haben soll (Seite 104), auf Seite 222 unterstellt er sogar zusätzliche, ja mehrere Kontinentalverschiebungen vor der uns heute bekannten.
Das es nur eine Plattentektonik gibt und nicht mehrere hintereinander ablaufende Kontinentalverschiebungen, die aufhalten um dann wieder neu anzufangen, scheint sich also noch nicht bis zu Zillmer herumgesprochen zu haben. Und diese Plattentektonik ist ständig am Werk, die Kontinente bewegen sich seit mindestens rund 2.5 Milliarden Jahren (Kusky & Tucker 2001 Karson 2001 Kerr 2000). Damit scheint dann auch so manches, was Zillmer rätselhaft vorkommt, schon viel einfacher zu erklären.
Zumindest stimmte es nicht, wenn Zillmer behauptet(S. 106):

Allerdings lagen zwischen der uns bekannten und der davor theoretisch ermittelten Kontinentalverschiebung mehrere hundert Millionen Jahre der Ruhe.
Denn die Plattentektonik ist nicht theoretisch ermittelt, auch nicht für die Zeit vor Pangäa, sondern leitet sich aus Geländebefunden her. So kann man anhand geologischer Daten wie z.B. der Verteilung von Faunenprovinzen, Ophiolithen und dergleichen in Schottland, Grönland und dem Osten Nordamerikas einen Vorgängerozean des Atlantik rekonstruieren, der vor dem Entstehen von Pangäa existiert hat. Damit erklären sich dann auch die für Zillmer so rätselhaften Spuren einer Vereisung in Afrika (S.157 f), die im übrigen tatsächlich älter als der Superkontinent Pangäa sind.

Die Eiszeit

In einem scheinen sich die Neokatastrophisten immer zu gleichen: Sie lehnen eine Eiszeit ab und versuchen, die Geländedaten im Sinne einer globalen Katastrophe zu interpretieren. Hierbei geben sie am liebsten der Sintflut, also Mega-Tsunamis den Vorzug. Sicher können Tsunamis ungeschichtete Ablagerungen ähnlich der von den Gletschern erzeugten Moränen erzeugen (vg. Goff et al. 2001), aber in gewisser Hinsicht lassen sie sich eben doch unterscheiden, zumal ihnen einige der typischen Merkmale der eiszeitlichen Ablagerungen fehlen. Aber gehen wir der Reihe nach vor.

Ein besonderer Liebling für die Sintflutanhänger stellt der Löss dar. Auf Seite 191 erklärt uns Zillmer:

Der ungeschichtete Löss besteht im Gegensatz zum geschichteten aus kantigen und nicht durch Wind und Wasser gerundeten Körnern. Ausserdem gibt es Lössvorkommen in allen Höhenlagen bis weit über 2000 Metern auf der ganzen Welt. Von der Atlantikküste bis zum Gelben Meer zieht sich ein gewaltiger Lössgürtel hin. Die Entstehung der Lössgürtel ist wissenschaftlich ein ungelöstes Rätsel
Ganz so rätselhaft ist die Entstehung des Lösses allerdings den Wissenschaftlern nicht mehr, hatte doch schon von Richthofen (1877) für den Löss in China eine äolische, also vom Wind verursachte, Entstehung nachgewiesen. Und auch was die kantigen, schlecht gerundeten Körner angeht, so sind sie nicht geeignet, um als Beleg gegen die konventionelle Theorie zu dienen. Denn Löss besteht aus einer Korngrösse, bei der eine Rundung durch Windtransport nicht zu erwarten ist. Sie beträgt im Maximum rund 0,006 - 0,06 mm. Hauptbestandteil des Löss ist Quarzstaub, daneben kommen auch Kalk, Feldspäte und Tonminerale vor. Oft ermöglichen Schwerminerale im Löss eine Zuordnung zu einem bestimmten Liefergebiet (Steinmüller 1962, Janus 1988).

Zillmer erklärt seinen Lesern weiter (S. 191 f.):

Eine Theorie besagt, dass der durch schmelzendes Eis frei werdende Moränenstaub nach Süden geblasen wird. Diesem Verwehszenario widerspricht in vielen Fällen die Ablagerungsrichtung. Kann bei einem wasserreichen Abschmelzen des Eises durchfeuchteter Löss überhaupt so staubtrocken werden, dass er hochwirbeln und wie der Staub der Sahara weite Strecken fliegen kann? Sicher nur im Ausnahmefall.
Hier widerlegt Zillmer werbewirksam eine Theorie, die es gar nicht gibt. Die Nässe der abtauenden Gletscher ist für die Lössentstehung kein Problem. Denn Löss wird nicht mit der Abschmelzphase der Gletscher in Verbindung gebracht. Bereits Soergel (1919) hat die Entstehungszeit mit dem trocken-kalten Hochglazial identifiziert. Ihm war aufgefallen, das Lössablagerungen auf den jungen Grundmoränenflächen fehlen, denn die waren damals ja noch von den Gletschern bedeckt.

Zillmer hingegen folgt in einer Lössentstehung Muck, der in "Alles über Atlantis" schrieb (Zillmer S. 192):

Der Löss ist also nach dieser Auffassung kein phlegmatisch gebildetes Verwitterungsprodukt lokal benachbarter Kalk- und Quarzgebirge, sondern ein Fremdling aus weiter Ferne - in Tröpfchen zerrissenes Magma, das zur Vulkanasche wurde und sich mit den vom Atlantikboden hochgerissenen, kalkreichen marinen Sedimenten hoch oben in der Stratosphäre, von Tornados und Sturmhosen durchwirbelt, vermischt. Dies wäre das erdgeschichtliche Rezept für die Lössherstellung. Er verdankt seinen Kalkgehalt den marinen Sedimenten und seinen Quarzreichtum dem kieselsauren Oberflächenmagma. Es ist verwittertes Magma, mit Seeschlick vermischt. Die Verwitterung ist dabei bis in mikroskopische Bereiche vorgedrungen, sodass nur die chemische Konstitution, nicht aber die Struktur die vulkanische Herkunft erkennen lässt.
Da ist nur das klitzekleine Problem, das Löss zum Hauptteil aus Quarz, Feldspat und Karbonaten besteht. Das Material der Ozeankruste und des darunterliegenden Mantels aber erheblich ärmer an Siliziumdioxid ist. Daher kommt freier Quarz dort gemeinhin nicht vor. Und was die marinen Kalke angeht, so ist der Löss frei von irgendwelchen Anzeichen mariner Lebewesen wie Schnecken oder anderer kalkschaliger Meereslebewesen. Hingegen kommen Landschnecken durchaus und, wenn auch selten, Landsäuger im Löss vor. Wenn man dann noch die Schwermineralien im Löss bedenkt, die eben von anderen Herkunftsgebieten sprechen. Wie man unschwer erkennen kann, steht Zillmers Lösshypothese vor einigen grossen Problemen.

Natürlich erkennt Zillmer auch die grossen Findlinge nicht als Belege einer Eiszeit an.

Die Findlinge und Moränen gelten als Zeugen der Eiszeit. Riesige, rund geschliffene Felsbrocken, die aus fernen Gegenden stammen, gibt es auf der ganzen Welt
Natürlich wird diese Behauptung auch durch ein Bild belegt. Sicher, es gibt viele Kräfte, die grosse Steine in die Landschaft befördern können, dazu gehören neben Gletschern auch Flüsse und natürlich Tsunamis. Nach Goff et al. 2001 kann die Korngrösse von Silt bis zu Blöcken von 750 m3 betragen. Allerdings haben Tsunamiablagerungen viele der bei den eiszeitlichen Moränen beobachteten Eigenschaften nicht (vergl. meine Seite über Jahrhundertirrtum Eiszeit). Allerdings zeigt sich auch hier, das Zillmer gegen Windmühlenflügel anrennt, wenn er die angebliche konventionelle Theorie zu den Findlingen vorstellt (S. 220):
Sie sollen mit den sich vorwärts bewegenden Eisbergen transportiert worden sein. Charles Lyell lehrte, dass das Land versunken war und darüber schwimmende Eisberge ihre Steinlasten fallen ließen. Danach tauchte das Land mit den darauf liegenden Steinen wieder auf.
Aber an vielen Orten - wie in Berkshire (Massachusetts) - sind die Findlinge in langen Ketten angeordnet, eigentlich deutliche Zeichen einer Flut. Falls Findlingsketten jedoch blinde Passagiere anscheinend intelligenter Eisberge gewesen sein sollen, fragt man sich, warum man auch in Kalifornien, Afrika und Australien Findlinge findet, also in Gebieten, die während der letzten Eiszeit definitiv nicht vergletschert waren
und weiter auf S. 226:
Der Vordenker und Begründer der "modernen" Geologie, Lyell " hatte angenommen, dass die großen "Findlinge" in Mitteleuropa durch driftende Eisberge transportiert wurden. Diese "Drifttheorie" ist längst verlassen..." schreibt Schwarzbach (1993, S. 34). Ich hatte ja bereits dokumentiert, dass Findlinge zahlreich auch oder gerade in nachweislich ehemals nicht vergletscherten Gebieten zu Abermillionen herumliegen. Die von Schwarzbach geäußerte Meinung scheint sich offiziell noch nicht herumgesprochen zu haben.
Man fragt sich vor allem, warum Zillmer es absolut verpasst hat, sich wenigstens diesmal über die gängige Theorie zu informieren, bevor er darüber schreibt. Denn kaum ein Geologe nimmt für die heute in Nordeuropa zu findenden Findlinge Eisberge als Transportmedium an. Und gewaltige Gletscher können sowohl Findlinge in Reihen ablagern, als auch einige der in den zugehörigen Ablagerungen zu beobachtenden Phänomene verursachen (vergl. auch Jahrhundertirrtum Eiszeit). Was die anderen Findlinge angeht, so wird nicht ganz klar, welche Ablagerungen er mit dieser pauschalen Aufzählung meint. Denn auf vielen Kontinenten gab es in der Erdvergangenheit Eiszeiten mit den entsprechenden Ablagerungen. Andererseits ist auch nicht jeder auf der Erdoberfläche herumliegende grosse Stein ein Findling oder in irgendeiner Form weit transportiert worden.

frühere Eiszeiten werden von Zillmer schlicht verneint (S. 222):

Bei Vorträgen kommt immer der Einwand, dass es in Afrika auch eine Eiszeit gegeben hat. Das wird aus geophysikalischer Sicht auch entsprechend dargestellt. Warum? Weil man sonst die Findlinge und glatt geschliffenen Felsplateaus nicht erklären kann und die Sintflut mit ihren Begleiterscheinungen nicht anerkennt. Ich stelle nochmals fest, dass es im Erdmittelalter und in der Erdneuzeit keine Eiszeit in Afrika gab.
Wer hätte das denn auch bestritten? Wann haben denn die konventionellen Geologen die Eiszeit in Afrika angesetzt? Nun, Spuren der Vereisung finden sich ab dem Ober Karbon (endete 286 Mio Jahren) und damit klar vor dem Erdmittelalter und setzen sich sehr deutlich bis ins Perm fort. Und mit den Ablagerungen der glazial-kontinentalen sogenannten Karroo Supergruppe lassen sich problemlos alle dort beobachteten Ablagerungen erklären. Und für ein unterschiedliches Alter der glazialen Ablagerungen von Europa (Quartär) und Afrika (Karbon-Perm) sprechen unter anderem der Zustand der Gesteine. Während die jüngeren europäischen Glazialablagerungen meist unverfestigt sind, sind die afrikanischen deutlich konsolidiert. Sie liegen meist auch unter einer mächtigen Decke jungerer Gesteine. Damit dürfte Zillmers Sintflut wohl ein kleines Problem bekommen. Und natürlich lag Grönland zum selben Zeitpunkt, als Afrika teilweise vereist war, in der Nähe des Äquators. Damit könne auch Korallen ganz einfach erklärt werden. Neben dieser Vereisung gibt es auch Spuren noch weit älterer, wie der, die Zillmer selber auf S. 223 nennt. Und wenn Zillmer hier den Geologen auch einen "Zirkelschluss" unterstellt, so fällte der Vorwurf auf ihn selber zurück. Denn wie oben angeführt, liegen die alten Sedimente meist unter jüngeren Gesteinen begraben und sind weniger verfestigt als die älteren. Mit anderen Worten, die Erdalter, die nach seiner Meinung nach nur erfunden sind, werden durch Gesteine repräsentiert, von denen jedes eine eigene Geschichte erzählt.

Auch die Ähnlichkeit der Eiskeilpseudomorphosen mit Erdbebenbrunnen ist sicher faszinierend, aber keine Widerlegung für Eiszeiten. Denn eigentlich lassen sich diese beiden Phänomene gut unterscheiden. Denn Eiskeilpseudomorphosen bilden zumeist regelrechte Netze, wobei pentagonale und hexagonale Formen vorherrschen. Also dürfte auch hier eine Unterscheidung durchaus möglich sein. Black (1983) hat hier einige Kriterien zusammengetragen, nach denen man Eiskeilpseudomorphosen und Erdbebenbrunnenpseudomorphosen trennen kann.
Zum Thema des Geschiebelehms (S. 225 f) möchte ich auf Jahrhundertirrtum Eiszeit verweisen.

Zillmers Gesteinskunde

Wie es eigentlich auch nicht anders zu erwarten war, hat Zillmer sich auch über die konventionellen Theorien der Gesteinsentstehung informiert. Das aber hält ihn natürlich nicht davon ab, eben diese Theorien als falsch zu erkennen. Schon seine etwas naive Vorstellung vom Aufbau der Erdkruste sind interessant (S.258):
Granite sind saure Gesteine mit einem hohen Anteil an Kieselsäure und geringem Gehalt an Calcium-, Magnesium- und Eisenverbindungen. Basalte sind basische Gesteine mit wenig Kieselsäure und dagegen viel Calcium-, Magnesium- und Eisenverbindungen. Die Conrad-Diskontinuität ist somit ein Grenzstreifen. Alles, was oberhalb anfällt, wird in Granit umgewandelt, alles, was unterhalb anfällt, in Basalt. Die Moho ist entsprechend eine Grenze für die Umwandlung von Basalten in Gesteine des darunterliegenden oberen Mantels und umgekehrt.
Diese Umwandlung der Gesteine von einem Typ zum anderen durch Flüssigkeiten ist heute nicht mehr die bevorzugte Theorie für die Entstehung der unterschiedlichen Gesteine. Man geht vielmehr davon aus, das die partielle Aufschmelzung (ähnlich einem Schokoplätzchen im Backofen) von Mantelmaterial zu Schmelzen basaltischer Zusammensetzung führt. Auch beim Erstarren der Schmelzen entstehen bestimmte Mineralien früher als andere, so das sich einige Elemente in einer Schmelze anreichern, während andere mit den neugebildeten Mineralien abgeführt werden. Zu den sich in den frühgebildeten Mineralen zählen eben jene Calcium-, Magnesium und Eisenverbindungen wie Olivine, Pyroxene/Amphibole und Plagioklase. Diese Minerale enthalten auch wenig Kieselsäure, daher wird die Schmelze saurer.

So ist wohl auch Zillmers erstaunen über den Black Canyon (S. 262) mit seiner Ahnungslosigkeit zu erklären:

Aus geologischer Sicht soll der Black Canyon mit 2 Ma sehr jung sein. Die steilen Felswände bestehen vor allem aus einem granitähnlichen Ergussgestein, das an einen Marmorkuchen erinnert. Das dunkle Gestein ist von zahlreichen hellbunten Streifen (Pegmatit Adern) durchzogen. Wie entstand dieser Gesteinskuchen? Die offizielle Erklärung ist, dass das urzeitliche Muttergestein einst von vielen Rissen durchzogen war. Starker Druck presste Minerallösungen von unten nach oben in die Erdkruste, und unter langsamem Abkühlen kristallisierten diese Schmelzmassen entlang der Risse und Spalten. Obwohl dieses Szenario so abgelaufen sein kann, ergeben sich mehrere Fragen. Zuerst einmal muss unter dem urzeitlichen Felsmassiv eine flüssige Gesteinsschmelze in ausreichender Menge vorhanden gewesen sein. Immerhin erstreckt sich dieser Canyon auf über 80 Kilometer Länge. Desshalb muss über das ganze Gebiet eine gleichmässig grosse Kraft von unten auf das Muttergestein gewirkt haben. Es reicht nicht aus, sich eine kleine Magmakammer oder Mineralader im Erdinnern vorzustellen.
Der Vorgang ist eigentlich nicht selten. Selbst hier in Deutschland, zum Beispiel im Harz kann man ähnliches, wenn auch im kleineren Maßstab, beobachten. Diese Gänge sind meist auch nicht aus einer Schmelze entstanden, sondern aus einer heissen Flüssigkeit, meist Wasser. Dieses Wasser kann bis zu 400 °C heiss sein und viele Stoffe gelöst haben. Das Wasser selber stammt meist aus granitischen Schmelzen, die eine erhebliche Menge Wasser gelöst haben können. Die aus dieser Schmelze entstehenden Minerale sind aber meist weitgehend frei von Wasser. Daher kann sich Wasser in der Restschmelze immer weiter anreichern und bleibt schliesslich übrig. Eine Granitschmelze kann, vor allem wenn sie eine enorme Grösse erreicht, kraftvoll in das Nebengestein eindringen und dadurch die Spalten selber erzeugen, die später den heissen hydrothermalen Wässern als Durchflussmöglichkeit dienen. Sobald sich das Wasser im Nebengestein abkühlt, fallen die gelösten Stoffe aus und es bilden sich die hellen Gänge, meist aus quarzreichen Gesteinen.

Zusammenfassung

Wozu wird überhaupt Erdgeschichte betrieben, wenn 150 Jahre Forschung zu keiner Korrektur der Grundannahmen von 1840 geführt haben müssen?
ist so falsch, wie sie eigentlich nicht falscher sein kann. Es zeigt nur, das auch die Geschichte der Geowissenschaften hier nur sehr unvollständig verstanden wurde. Daher fällt auch der Vorwurf von Herrn Brock an die "Normalwissenschaftler" (auf dem hinteren Klappentext):
Scheinbar selbstverständlich benutzen sie Begriffe wie "erdgeschichtliche Versteinerung" - als Leerformeln oder Windeier, wie Zillmer zeigt
auf ihn selbst zurück. Denn abgesehen davon, das wohl kaum ein Geowissenschaftler den Begriff erdgeschichtliche Versteinerung gebrauchen würde, ist Zillmer in dem Buch der einzige, der Windeier produziert. Damit ist es als wirklicher Beitrag zur Erdgeschichte oder auch nur als Denkanstoss nicht zu gebrauchen.

Anmerkung 1: Die Zitatangabe (Rona, 1988, S 141) bei Zillmer bezieht sich auf : Rona, P.A. (1988) Erzbildung an heissen Quellen im Meer. In: Die Dynamik der Erde, Heidelberg 2. Aufl. aus der Reihe Spektrum, Verständliche Forschung. Allerdings ist die Seitenangabe falsch. Der Artikel geht von Seite 122 bis 131. Der Satz, auf den sich Zillmer anscheinend beruft ("Diese [Transformstörungen, Anmerkung Ries] bestehen ausnahmslos aus einzelnen, geradlinigen Abschnitten von etwa zehn Kilometern Länge, die an quer verlaufenden Bruchzonen um einige bis Hunderte Kilometer gegeneinander versetzt sind") steht auf den Seiten 125 - 126. Eigentlich betreibe ich hier ja Haarspalterei, aber im Zusammenhang mit den anderen Fehlern Zillmers bei entscheidenden Zitaten wirft es doch ein seltsames Licht auf seine Recherchen. Sollte er etwa die Quellen selber gar nicht gelesen haben?

Anmerkung 2: Allerdings scheint Zillmer sehr wohl den Aufbau der Lithosphäre zu kennen, denn so schreibt er auf Seite 64:"Die Lithosphäre umfasst sowohl die Erdkruste als auch die obersten Teile des Erdmantels, die in Bezug auf die Festigkeit eine Einheit bilden"

Anmerkung 3: In Deutschland bröckelte die Front der Drift-Verfechter erst als der schwedische Geologe TORRELL auf einer Exkursion anlässlich der Tagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft am 3. November 1875 Gletscherschrammen auf dem Rüdersdorfer Muschelkalk identifizierte.

Literatur

Berger, R. , Potsch, R. (1989):UCLA Radiocarbon Dates XI. radiology 31 (1), 55-67.

Black, R.F. (1983): Pseudo-Ice wedge casts of Connecticut, northeastern United States. Quartenary Res. 20, p. 74-89

Dawson, J.W.(1868): Acadian Geology. The Geological Structure, Organic Remains, and Mineral Resources of Nova Scotia, New Brunswick, and Prince Edward Island, 2nd edition. MacMillan and Co.: London, 694pp.

Dewey, J.F. (1987): Plattentektonik. In: Ozeane und Kontinente. Spektrum d. Wissenschaft, Reihe Verständliche Forschung, Heidelberg, p. 26. (Originalartikel aus Scientific American, 5/1972)

Goff, J., Chague-Goff, C., Nichol, S. (2001): Paleotsunami deposits: a New Zealand perspektive. Sedimentary Geology 143, p.1 - 6.

Janus, U. (1988): Löß der südlichen Niederrheinischen Bucht. Kölner Geographische Arbeiten 49. 149 S.

Karson J A, (2001):Oceanic Crust When Earth Was Young, Science; 292: 1076-1079.

Kerr R A, (2000):Geologists Pursue Solar System's Oldest Relics, Science; 290: 2239-2242.

Kumar, s., Hedges, S.B.(1998): A molecular timescale for vertebrate evolution, Nature 392 , 917-920.

Kusky T M, Li J, Tucker R D, (2001): The Archean Dongwanzi Ophiolite Complex, North China Craton: 2.505-Billion-Year-Old Oceanic Crust and Mantle, Science; 292: 1142-45

Lliboutry, L. (2000):Quantitative Geophysics and Geology, Springer Praxis, Chichester, p. 85-87.

Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Stuttgart, 9. Aufl.

Richthofen, F. von (1877):China - Ergebnisse eigener Reisen und darauf gegründeter Studien, Bd. I. Berlin, Reimer. 758 S.

Soergel, W. (1919): Lösse, Eiszeiten und paläolithische Kulturen. Eine Gliederung und Altersbestimmung der Lösse. Jena, Fischer, 177 S.

Steinmüller, A. (1962): Die Fazies und Herkunft des Lößes und die Lößwinde im Bundsandsteingebiet des südöstlichen Thüringer Beckens. Geologie 11, 181-196.

WIilson, J.T.(1965): A new class of faults and their bearing on continental drift. Nature, 207, 343-347.

Zillmer, H.-J.(2001): Irrtümer der Erdgeschichte, München, 335 S.

© 2001 Gunnar Ries
last update 30.10.2003


Hosting by WebRing.